Buch : Kreativ führen und Kreativität ermöglichen
Das neu herausgekommene Buch «Leadership Out of Boxes – Führung und Kreativität im Fokus» zeigt auf, wie kreative Führung Innovationen anstösst, Lernräume verwandelt und Potenziale entfaltet. Damit leistet das Buch einen fundierten Beitrag zur Diskussion um Führung, Innovation und Bildungswandel.
Stefanie Michel-Loher ist Co-Leiterin der Schulleitungsausbildung der PH Zürich und Mitautorin. Im Interview erläutert sie, was Kreativität im Führungsalltag ausmacht.
Stefanie Michel-Loher, mit «Leadership Out of Boxes» wollen Sie gewohnte Denk- und Handlungsmuster durchbrechen. Worum geht es Ihnen dabei?
Uns geht es darum, sichtbar zu machen, wie Kreativität und Führung im schulischen Kontext zusammenspielen können. Schulen und Hochschulen stehen heute vor komplexen Herausforderungen, die sich oft nicht mit bekannten Routinen oder linearen Lösungen bewältigen lassen. Gerade deshalb braucht es Führungspersonen, die den Mut haben, Gewohntes zu hinterfragen, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen und neue Denkwege zu ermöglichen. Mit «Leadership Out of Boxes» möchten wir dazu anregen, Führung nicht eindimensional oder linear zu denken. Führung bedeutet in unserem Verständnis, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass kreatives Denken und Handeln entstehen kann. Kreativität verstehen wir dabei nicht als spontane Einzelidee, sondern als Zusammenspiel von Personen, Strukturen und Haltungen. Insbesondere im Kontext gemeinschaftlicher Schulführung zeigt sich, dass kreative Lösungen häufig dort entstehen, wo unterschiedliche Menschen Verantwortung übernehmen, gemeinsam denken und auch bereit sind, Bestehendes kritisch zu betrachten. Gleichzeitig machen die Beiträge deutlich, dass Kreativität nicht grenzenlose Freiheit bedeutet. Kreative Prozesse brauchen Freiräume, aber auch gemeinsame Werte, klare Rahmenbedingungen und Orientierung. Dieses Spannungsfeld zwischen Stabilität und Erneuerung zieht sich durch viele Beiträge des Buches.

Schule gilt oft als stark strukturiertes System. Wo sehen Sie Spielräume für kreative Führung?
Schule ist tatsächlich stark von Strukturen, Vorgaben und Routinen geprägt. Zugleich zeigen viele Beiträge unseres Buches, dass innerhalb dieser Strukturen kreative Spielräume entstehen können. Kreativität bedeutet dabei nicht, alles neu oder völlig anders zu machen. Oft geht es vielmehr darum, Bestehendes neu zu kombinieren, die Perspektive zu erweitern oder innerhalb der Rahmenbedingungen neue Handlungsmöglichkeiten zu entdecken. Im Buch wird auch der Ansatz der Ambidextrie aufgegriffen, also die Fähigkeit, Stabilität und Erneuerung gleichzeitig im Blick zu haben. So gesehen bedeutet Führung nicht nur, Bewährtes zu sichern, sondern auch, neue Möglichkeiten zu eröffnen und Innovation zuzulassen. Gerade im schulischen Kontext scheint dieses Zusammenspiel von zentraler Bedeutung zu sein. Kreative Führung zeigt sich denn auch häufig im Umgang mit Spannungen und Irritationen. Wenn Bewährtes nicht mehr stimmig erscheint, bietet sich die Chance, gemeinsam neue Lösungen zu entwickeln. Mehrere Beiträge im Buch verdeutlichen zudem, dass kreative Prozesse nicht trotz, sondern von klaren Rahmenbedingungen unterstützt werden. Orientierung, Vertrauen und gemeinsame Werte schaffen Sicherheit. Innerhalb dieser Sicherheit können Freiräume entstehen, in denen experimentiert, reflektiert und weitergedacht werden kann. Kreative Führung beginnt deshalb vielleicht mit der Frage «Was wäre möglich?» statt mit der Frage «Was ist erlaubt?».
Das Buch wird am Symposium Personalmanagement unter dem Titel «Handle unüblich!» vorgestellt, bei dem es unter anderem um kreative Führung geht. Gibt es eine konkrete Anleitung, wie ich als Schulleiter:in mehr kreativen Spielraum in meine Führung einbauen kann?
Wahrscheinlich gibt es keine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Kreativität. Die Konzeptkünstler Riklin arbeiten jedoch mit einer Formel, mit der sich neue Wirklichkeiten schaffen lassen. Diese Formel stellen sie im Buch vor. Beim Symposium geht es darum, diese Formel auszuprobieren und sich auf Neues einzulassen. Statt klassischer Referate stehen deshalb Bewegung, Interaktion, gemeinsames Ausprobieren und kreative Praxis im Mittelpunkt. Dadurch entsteht ein Lernraum, in dem kreative Problemlösung nicht nur besprochen, sondern erlebt werden kann. Aus unserer Sicht bedeutet kreative Führung deshalb auch, sich auf offene Prozesse einzulassen, die Perspektive zu wechseln und gemeinsam mit anderen (Führungs-)Personen neue Ansätze zu erkunden. Wir sind gespannt auf das Symposium und darauf, was die Teilnehmenden in ihren Führungsalltag mitnehmen werden. Und wir würden uns freuen, wenn am nächsten Web-Dialog von #schuleverantworten zum Thema Kreativität und Führung viele von ihren Erfahrungen berichten würden.


