MAS Educational Leadership : «Schulführung ist heute als eigenständige Profession etabliert»

Der neue MAS Educational Leadership der PH Zürich setzt auf individuelle Vertiefung und Gestaltung. Hansjürg Brauchli, Co-Leiter des Masterstudiengangs, gibt im Interview in der Bildungsbeilage des Tages-Anzeiger Auskunft über die Hintergründe und das Konzept.

Donnerstag, 5. März 2026

Im Mai startet an der Pädagogischen Hochschule Zürich der neue MAS-Studiengang Educational Leadership. Hansjürg Brauchli, einer der drei Studiengangsleitenden, erläutert, an wen sich die Weiterbildung richtet, warum es sie braucht und was an ihr speziell ist.

Hansjürg Brauchli, wer ist die Zielgruppe des MAS-Studiengang Educational Leadership?
Der Studiengang richtet sich an Schulleitende und Führungspersonen mit Personalverantwortung in Bildungsorganisationen und wird berufsbegleitend absolviert. Der MAS ist ein Professionalisierungsschritt für ausgebildete Schulleitende nach der Einstiegsphase in die Funktion. Er befähigt Schulleitende, Schulen mit umfassenderem Blick zu leiten, gezielt Anpassungen vorzunehmen und ihre Organisation zukunftsorientiert zu gestalten. Diese Erweiterung der Kompetenzen ist notwendig, weil Schulen in den letzten Jahren grösser und komplexer geworden sind. Damit sind auch die Führungsaufgaben anspruchsvoller und vielschichtiger geworden – zugleich aber auch spannender, weil Schulleitungen heute mehr gestalten und beeinflussen können.

Inwiefern wurde die Schulekomplexer?
Heute ist Schule viel mehr als nur Unterricht, man denke etwa an das komplexe Thema der Integration. Zusätzlich sind neue Akteure hinzugekommen: Neben den Lehrpersonen sind beispielsweise Heilpädagogen und Heilpädagoginnen, Schulassistenzen oder Therapeutinnen und Therapeuten in den Schulalltag eingebunden. Neu dürfen Gemeinden im Kanton Zürich seit ein paar Jahren auch eine «Leitung Bildung» einsetzen als neue Hierarchiestufe zwischen Schulleitung und Schulpflege. Die Schullandschaft verändert sich laufend. Gut ausgebildete Schulleitungen tragen dazu bei, das Bildungssystem insgesamt zu stärken und weiterzuentwickeln.

Was zeichnet den neuen Studiengang besonders aus?
Einerseits die Grundstruktur mit Pflicht- und Wahlteil. Im Wahlbereich können die Teilnehmenden aus 80 Modulen diejenigen auswählen, die optimal auf ihre Bedürfnisse und ihre Arbeitssituation zugeschnitten sind und so individuelle Schwerpunkte setzen. Andererseits zeichnet sich der MAS durch die Kombination von Wissenschaftsorientierung und Praxisnähe aus. Im Pflichtteil wird das forschungs- und wissenschaftsorientierte Arbeiten gezielt gestärkt. Schulleitungen sollen befähigt werden, ihre Entscheidungen fundiert, wissenschaftlich und datenbasiert zu treffen. Ebenso wichtig ist uns, aktuelle Forschungsergebnisse zu vermitteln. In den rund 20 Jahren seit der flächendeckenden Einführung von Schulleitungen im Kanton Zürich hat die Schulführungsforschung zahlreiche spannende Erkenntnisse hervorgebracht.

Wie wird Praxisnähe vermittelt?
Im Pflichtteil gibt es zwei spezifische Module, die den Austausch und das praxisnahe Lernen fördern. Die Teilnehmenden begleiten während ein paar Tagen andere Führungskräfte in ihrem Alltag. So gewinnen sie Einblicke in unterschiedliche Führungsmodelle, erhalten neue Impulse und Ideen. Diese Hospitationen finden in nationalen oder internationalen Bildungseinrichtungen und in der Privatwirtschaft statt. Solche Perspektivenwechsel erweitern den Horizont und die Reflexion darüber eröffnet neue Handlungsmöglichkeiten für die eigene Führungsrolle in der Schule. Wer als Grundausbildung bereits ein DAS abgeschlossen hat, möchte vielleicht nicht direkt nochmals etwa 900 Arbeitsstunden in einen MAS investieren. Personen mit einem DAS können vorerst einfach einzelne Module besuchen und sich diese bescheinigen lassen. Falls sie sich nach ein paar Jahren für einen MAS entscheiden, können sie sich diese Leistungen anrechnen lassen. Das ist für viele eine attraktive Möglichkeit und erleichtert ihnen die Entscheidung, sich weiterzubilden.

Wie hat sich die Schulführung in den letzten Jahren verändert?
Schulführung ist heute als eigenständige Profession viel stärker etabliert. Dank der Schulführungsforschung, die deutlich intensiver wurde, wissen wir auch immer besser, welche Kompetenzen zur Rolle gehören und welche Führungsmodelle sich bewähren. Beispielsweise war das Konzept «Teacher Leadership» vor 20 Jahren noch wenig bekannt und heute zeigen wissenschaftliche Erkenntnisse, wie gemeinschaftliche Schulführung gestaltet und genutzt werden kann. Lehrpersonen übernehmen dabei beispielsweise für bestimmte Bereiche oder Projekte Führungsaufgaben.

Sie arbeiteten früher selbst als Schulleiter. Was begeistert Sie an der neuen Weiterbildung?
Besonders wertvoll finde ich die wissenschaftliche Ausrichtung. Die Teilnehmenden lernen wissenschaftliche Ansätze kennen, nutzen sie für ihre Praxis und erweitern dadurch ihre Führungskompetenzen deutlich. Ebenso spannend finde ich den Austausch mit Führungspersonen aus Bildung und Wirtschaft und die Netzwerke, die dadurch entstehen. Eine Vision, die allerdings noch nicht spruchreif ist, wäre, dass Absolventinnen und Absolventen des MAS-Lehrgangs in ein Master-of-Arts-Programm einsteigen können und der MAS so zu einer erweiterten Laufbahnplanung für Schulleitungen wird.

Hinweis

Das Interview wurde von Marianne Rupp geführt. Es erschien erstmals in der Bildungsbeilage im Tages-Anzeiger vom 25. Februar 2026 (Tamedia-Publikationen Deutschschweiz AG).

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