Allgemeinbildung 2030 : Der erste Teil des ABU-Lehrplans steht

Der Kanton Zürich setzt aktuell die Reform «Allgemeinbildung 2030» um. Rund ein Jahr nach dem Start hat der Bildungsrat des Kantons Zürichs Anfang Februar den ersten Teil des neuen kantonalen ABU-Lehrplans genehmigt. Die PH Zürich begleitet das Reformprojekt in mehreren Kantonen.

Montag, 16. Februar 2026

Die Reform «Allgemeinbildung 2030» (ABU 20230) zielt auf die Stärkung des allgemeinbildenden Unterrichts, indem sie Schlüsselkompetenzen für ein lebenslanges Lernen fördert und ein zeitgemässes Lern- und Beurteilungsverständnis umsetzt. Seit Anfang Jahr sind die neuen Bestimmungen des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation in Kraft; diese enthalten auch den Rahmenlehrplan für die Allgemeinbildung an den Berufsfachschulen.

Im Kanton Zürich wird ein einheitlicher, kompetenzorientierter Lehrplan entwickelt, der die Lebenswelt der Lernenden widerspiegelt und diese auf das lebenslange Lernen vorbereitet. Zu diesem Zweck hatte sich eine Projektgruppe konstituiert aus ABU-Lehrpersonen aller kantonalen Berufsfachschulen des Kantons Zürich. Anfang Februar nun hat der Bildungsrat des Kantons Zürichs den ersten Teil des neuen kantonalen ABU-Lehrplans einstimmig genehmigt.

Daniel Degen leitet das Reformprojekt seitens PH Zürich. Er begleitet mehrere Deutschschweizer Kantone in der Entwicklung eines neuen ABU-Lehrplans und ist für die Weiterbildungen der betreffenden Lehrpersonen verantwortlich. Im Interview gibt er einen Einblick zum aktuellen Stand des Projekts.

Daniel Degen, die ABU-Reform betrifft alle berufsbildenden Schulen. Was ist der aktuelle Status des Projekts?
Im Kanton Zürich arbeitet die Projektgruppe seit mehr als einem Jahr intensiv an der Entwicklung eines kantonalen Schullehrplans, der sowohl den Zielsetzungen von ABU 2030 als auch den dynamischen Veränderungen in der Berufs- und Lebenswelt der Lernenden gerecht wird. Wir begleiten die Entwicklung von kantonalen ABU-Lehrplänen aber auch in den Kantonen Aargau, Graubünden und Thurgau. In den Kantonen Baselland und Bern konnten wir verschiedene Impulse einbringen. Der Zeitplan für die Umsetzung des neuen Rahmenlehrplans ist in allen Kantonen ambitioniert. Dank des engagierten Einsatzes von Projektleitungen und ABU-Fachpersonen ist es gelungen, die Ziele zu erreichen. Das heisst konkret, dass die ersten Teile der Schullehrpläne grösstenteils bereitstehen für alle von uns begleiteten Kantone. Diese können ab August 2026 umgesetzt werden.

Welche Rolle kommt der PH Zürich zu?
Die PH Zürich hat mehrere Rollen in diesem Projekt. Neben der prozessorientierten Entwicklung der kantonalen Schullehrpläne haben wir viel didaktische Übersetzungsarbeit geleistet, um ein möglichst einheitliches Verständnis der Ziele des Rahmenlehrplans ABU 2030 in den Projektgruppen der Kantone zu erreichen. Im weiteren Projektverlauf boten wir immer wieder Impulse, um in den Projektgruppen offene Fragen klären zu helfen. Der Fokus lag dabei auf der Unterscheidung zwischen Stoff- und Kompetenzorientierung, auf dem Umgang mit digitalen Kompetenzen und künstlicher Intelligenz sowie auf dem Aufbau eines spiralcurricularen Lehrplans, bei dem Lerninhalte wiederholt in unterschiedlichen Kontexten mit zunehmender Komplexität behandelt werden. Durch die enge Begleitung der Projektgruppen bei der Entwicklung der neuen Lehrpläne konnten wir passgenaue Weiterbildungen lancieren, die den Lehrpersonen einen Mehrwert bieten. Dabei gilt zu beachten: Im Kanton Zürich gibt es bisher 34 schulspezifische Lehrpläne. Die Veränderung hin zu einem kantonalen Lehrplan und zu einem einheitlichen Qualifikationsverfahren ist daher sehr gross.

Sie bilden ABU-Lehrpersonen weiter. Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen, die Neuerungen bei den Lehrpersonen beliebt zu machen?
Der ABU-Rahmenlehrplan existiert seit 1996. Damals entstand ABU aus mehreren Einzelfächern – auch aus der Einsicht heraus, dass eine ganzheitliche Perspektive, die sich mehr an den Lebensrealitäten der Lernenden orientiert, notwendig ist. Später wurde entschieden, dass die Lernbereiche Gesellschaft sowie Sprache und Kommunikation je hälftig im ABU umgesetzt werden müssen. Wir haben festgestellt, dass diesem Anspruch bis heute teilweise noch nicht Rechnung getragen wird. Der Lernbereich Sprache und Kommunikation ist noch nicht überall ausreichend berücksichtigt oder er wird stark von gesellschaftlichen Unterrichtseinheiten abgetrennt. Die Verbindung dieser beiden Lernbereiche bleibt somit eine Herausforderung. Die neuen Lehrpläne setzen diesbezüglich aber frische Akzente, auch im Hinblick auf Schlüssel- und Digitalkompetenzen. Letztlich wird die Umsetzung im Unterricht darüber entscheiden, ob die Lernenden davon profitieren werden. Für einige Lehrpersonen bedeutet das kompetenzorientierte Unterrichts- und Beurteilungsverständnis der neuen Lehrpläne zudem eine grössere Veränderung. Wir sehen die Umsetzung der ABU-Reform daher als Prozess, den wir bei Bedarf auch über einen längeren Zeitraum begleiten, um Unterstützung zu bieten, die den Lehrpersonen und damit auch den Lernenden zugutekommt.

Angebote und Informationen

  • Freie Plätze

  • Freie Plätze

Mehr zu ABU 2030

Allgemeinbildung 2030

Zur Person

Porträtfoto von Dr. Daniel Degen

+41 43 305 50 85