Schulentwicklung : Im Lehrgang das eigene Projekt umsetzen

Der neue CAS Schule entwickeln bietet grösstmögliche Flexibilität sowohl für die Verbindung von Theorie und Praxis als auch für die individuelle Vertiefung. CAS-Verantwortliche Heike Beuschlein spricht im Interview über dessen Konzept.

Montag, 6. März 2023

Heike Beuschlein, Sie leiten das Zentrum für Schulentwicklung der PH Zürich und verantworten den neuen CAS Schule entwickeln konzeptionell. Was ist an diesem Lehrgang so besonders?
Die Möglichkeit, parallel zur theoretischen Wissensaneignung ganz praktisch ein eigenes Projekt oder Anliegen umzusetzen. Die meisten Lehrgänge bieten viel Theorie und teilweise auch einen praktischen Bezug, aber unmittelbar in einer Weiterbildung eine eigene Fragestellung ganz konkret und praktisch umsetzen zu können, schätzen wir als Vorzug dieses Lehrgangs ein. Man lernt die theoretischen Grundlagen und kann sie sofort an der eigenen Schule oder in einem laufenden Projekt anwenden. Dies ist für viele Schul- und Projektleitungen eine wertvolle Unterstützung, da sie das Profil ihrer Schule weiterentwickeln sollen und gleichzeitig im Alltag viele Herausforderungen bewältigen müssen. In unserem CAS Schule entwickeln bauen sich die Teilnehmenden mehr Kompetenz und Sicherheit in der Steuerung von Veränderungsprozessen auf, zugleich entwickeln sie Ideen für ihr eigenes Projekt – und das noch mit einer spezifischen Vertiefungsmöglichkeit.

Sie sprechen die drei Profile an. Heisst das, ich kann mir meinen CAS weitestgehend selbst zusammenstellen?
Ja, im Grunde ist das so. Je nach persönlicher Priorität oder Vorkenntnissen kann ich ein Profil wählen, ein Projekt mitbringen (beim Profil Tagesschule) oder auch einzelne Elemente des CAS auswählen. Das Grundlagenmodul kann als einzelne Weiterbildung besucht werden. Wer sich für den ganzen Lehrgang entscheidet, belegt Modul 2, 3 und 6 gemeinsam mit allen Teilnehmenden. Die Vertiefung wird dann in den Modulen 4 und 5 je nach Profil stattfinden. Das bedeutet, dass sich Gruppen bilden, die sehr spezifisch arbeiten können und auch von mindestens einer Fachperson begleitet werden, die in diesem Feld einen breiten Erfahrungshintergrund mitbringt. Eliane Burri und Tobias Röhl zum Beispiel leiten gemeinsam das Profil Digitalität. Wir erwarten hier einen grosse Nachfrage, da die digitale Transformation in den Schulen gerade erst begonnen hat und noch viele Fragen offen sind, gleichzeitig aber ein hoher Handlungsdruck besteht, sich zu einer digital kompetenten Schule zu entwickeln. Ebenso beim Thema Tagesschule: Frank Brückel und Reto Kuster verantworten dieses Profil, bei dem es um Faktoren für die Qualität in Tagesschulen geht. Also beispielsweise um die Raumplanung, die Gestaltung von Tagesabläufen oder die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen allen Interessengruppen. Beide Themen sind zudem politisch. Das dritte Profil dient dazu, individuellen Anliegen nachgehen zu können. Neben den jeweiligen fachspezifischen Inhalten wird allen Teilnehmenden das notwendige Wissen im Bereich Projekt- und Change-Management vermittelt. Egal, welches Profil jemand wählt: Alle lernen in diesem Lehrgang, wie Veränderungsprozesse analysiert und implementiert werden können, und können dieses Know-how gleich anwenden.

Der CAS spricht Schulleitende und andere Führungspersonen an, die oft keine Zeit für Zusatzprojekte haben. Wann ist es sinnvoll, sich trotzdem Zeit zu nehmen für eine solche Weiterbildung?
Viele Schulleitende haben Zeit- und Umsetzungsdruck. Die tägliche Flut im Tagesgeschäft erschwert es ihnen, grössere Aufgaben zu erledigen oder Projekte strategisch sinnvoll auszurichten. Gerade deswegen ist es gewinnbringend, sich einmal aus dem Alltagsgeschäft herauszunehmen und mit ganzer Aufmerksamkeit auf die Gestaltung der Schule zu konzentrieren. Oft geht es um die Frage, wie man einen Prozess – auch gegen Widerstand – erfolgversprechend aufgleist oder was die ersten Schritte sind. Oder es mangelt an innovativen Ideen, an Erfahrungswerten und aktuellen Grundlagen für eine effektive und strukturierte Durchführung. Unsere Konzeption ermöglicht Schulleitenden wie auch Teacher-Leaders und anderen Personen mit steuernden Aufgaben in der Schulführung, ihre Verantwortung für Weiterentwicklungen qualitätsvoll wahrzunehmen: Sie lernen theoretische Konzepte kennen und übertragen diese mit unterstützender Expertise auf ihre Praxis. Für beides können sich Führungspersonen am Schulentwicklungsrad orientieren. Dieses Instrument zeigt Ebenen und Faktoren der Schulentwicklung und wie diese zusammenwirken. Der Lerneffekt, den jemand damit für sich erarbeitet, hilft nicht nur für das im Lehrgang bearbeitete Projekt, sondern auch für künftige Projekte. Denn die Prozessschritte werden klarer, das Vorgehen strukturierter und so letztlich das ganze Vorgehen erfolgreicher. Mit unserem Lehrgang möchten wir Schul- und Projektleitungen unterstützen, konkrete und nachhaltige Schritte in der Gestaltung ihrer Schule zu machen. Der Lehrgang ist wie eine Prozessbegleitung: Ich baue mir solide Handlungskompetenzen für spätere Projekte auf und werde gleichzeitig sofort in der Umsetzung von etwas, was mich beschäftigt, begleitet.

Eine Frage noch zum individuellen Schwerpunkt – mit welchem Anliegen könnte ich in den Lehrgang kommen? Und was könnte mein Projekt sein, das ich als Teilnehmerin mitbringe?
Ebenso politisch gewollt wie der digitale Wandel oder Tagesstrukturen ist Chancengerechtigkeit für alle Kinder. Hierunter fallen gesellschaftliche Entwicklungsansprüche wie Inklusion und Diversität. Damit hängen auch alle Nachhaltigkeitsthemen zusammen, etwa eine gesunde Schule. Mindestens genauso beschäftigen Schulen aber auch alle Formen des selbstständigen und selbstgesteuerten Lernens oder der kompetenzorientierten Beurteilung. Kooperatives und sinnorientiertes Zusammenarbeiten, Umgang mit Krisen und Konflikten, Demokratiebewegungen oder andere Felder der Schulhauskultur könnten ebenfalls Anlass für Schulentwicklungsprozesse sein. Es kann auch eine Kombination aus mehreren Anliegen sein. Wir freuen uns auf alle Fragen, die eingebracht werden.

Hinweis

Zurzeit findet kein CAS Schule entwickeln statt. Wenn Sie informiert werden möchten, sobald der CAS Schule entwickeln wieder ausgeschrieben ist, senden Sie bitte eine E-Mail an schulentwicklung@phzh.ch.

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