Interview : Eine Anleitung für gelingende Schulprojekte
Die Schulen und das Bildungssystem befinden sich in stetigem Wandel. Das Buch «Schulentwicklung – gemeinsam unterwegs» stellt mit dem Schulentwicklungsrad ein Modell vor, das aufzeigt, welche Faktoren bei Veränderungen zu beachten sind und wie sie zusammenspielen. Mit konkreten Themen und Praxisbeispielen wird ausserdem dargelegt, wie Schule gemeinsam gestaltet werden kann. Die Publikation wurde von Dozierenden der PH Zürich in Zusammenarbeit mit dem Schulamt Lichtenstein umgesetzt. Im Interview gibt Co-Autor Frank Brückel Einblick ins neue Werk.
Frank Brückel, Sie haben an der Entwicklung des Buchs «Schulentwicklung – gemeinsam unterwegs» massgeblich mitgewirkt und stellen darin das Modell des Schulentwicklungsrades vor. Was ist die Kernaussage dieser Publikation?
Das Schulentwicklungsrad schlüsselt die Wechselwirkung von Prozessen und Faktoren auf, die zum Tragen kommen, wenn schulische Entwicklungsprojekte umgesetzt werden. Im Kern macht das Rad deutlich, dass sich Schulentwicklung immer um das Lernen der Schüler:innen drehen sollte. Wir gehen im Buch auf die verschiedenen Ebenen von Schule, Verwaltung und Politik ein. Dabei betrachten wir Faktoren wie Haltung, Kompetenzen oder Rahmenbedingungen und beleuchten die Dynamik dazwischen. So wird die Bedeutung der Führung deutlich, deren Aufgabe es ist, diese Faktoren und Ebenen in Einklang zu bringen, damit ein Schulentwicklungsprojekt maximal erfolgreich wird. Das Modell haben wir als Hilfestellung entwickelt, damit Schulen leichter durch hochkomplexe Projekte navigieren können.
Wie kann eine Schulleitung den besten praktischen Nutzen aus dem Schulentwicklungsrad ziehen?
Indem sie mit dem Buch Veränderungen strukturiert analysieren, planen oder reflektieren kann. Das bringt Ordnung ins Vorgehen und zeigt einen klareren Weg auf. Schulleiter:innen sind oft im Schulalltag gefangen und finden kaum Zeit, sich um den anderen Teil ihres Kerngeschäfts zu kümmern: nämlich die Schule agil zu halten, sie innovativ weiterzuentwickeln und sie auf äussere Veränderungen einzustellen. Manchmal handelt es sich dabei um komplexe Projekte und man scheut sich, diese anzugehen. Mit dem Schulentwicklungsrad und unserem Buch wollen wir Führungspersonen Handlungsanregungen an die Hand geben, die ihnen helfen, systematisch alle notwendigen Schritte anzugehen und auch die Zusammenhänge besser zu überschauen.
Warum braucht es überhaupt ein Buch, mit dem man Schulprojekte erfolgreich umsetzen kann? Ergibt sich das nicht aus der Praxis?
Schulentwicklung ist keine Kleinigkeit. Bei vielen Projekten müssen unterschiedliche Perspektiven zusammengebracht werden. Diese stehen nicht immer im Einklang miteinander und können sich durchaus widersprechen. Nicht selten kommen Emotionen ins Spiel. Hier möchten wir einen Beitrag leisten, damit Führungspersonen den Überblick behalten. Anfang 2024 veröffentlichen wir parallel zum Buch auch die Website schulentwicklungsrad.ch mit vielen nützlichen Materialien und Arbeitshilfen.
Auf Schulen lastet aufgrund der Vielzahl ihrer Aufgaben ein hoher Druck. Warum sollten sie dennoch laufend Schulentwicklung betreiben?
Schule ist eine zentrale gesellschaftliche Institution. Denn durch die Kompetenzen, die Kinder und Jugendliche in ihr erwerben, legt sie den Grundstein für gesellschaftliche und kulturelle Entwicklungen. Das heisst, die Sorgfalt und Intensität, mit der eine Schule die Qualität in all ihren Facetten weiterentwickelt, ist der Schlüssel dazu, wie reif sie letztlich die Kinder und Jugendlichen ins Leben entlässt. Schulentwicklung steht im Spannungsfeld von Daten und Taten. Man weiss um Veränderungen und den Handlungsdruck. Aber Veränderungen in einem anspruchsvollen Alltag umzusetzen, ist nicht einfach. Je agiler und innovativer eine Schule auf äussere Veränderungen reagiert, umso mehr wird sie ihrer eigentlichen Aufgabe gerecht: die junge Generation fit zu machen für das Leben.


