FOKUS CHANCENGERECHTIGKEITAusgabe 3/2025 : Chancen für alle

Gerechtigkeit im Schulsystem bedeutet, Bildungsprozesse so zu gestalten, dass alle Kinder und Jugendlichen die Möglichkeiten erhalten, ihr Potenzial zu entwickeln – und somit gleichwertige Chancen auf Bildungsqualifikationen haben.

Text: Natalie Avanzino, Illustrationen: Andrea Pfister

Die Grafik ist eine abstrakte Illustration auf lila Grund. Sie besteht aus einer Ansammlung von verschiedenen geometrischen Formen und Symbolen, die lose zu einer Gesamtstruktur, die an ein Haus erinnert, zusammengesetzt sind. Zu den Hauptelementen gehören ein grosses, gelb gepunktetes Dreieck an der Spitze, mehrere Sprechblasen in Lila und Dunkelblau, eine globale Verbindung symbolisiert durch eine grosse, blau-lila Weltkugel und eine rote Wolke, die mit Sternen und einem Smiley verziert ist (Kreativität oder Emotion). Die Basis wird durch farbige, rechteckige Blöcke und einen markanten, bunten Bleistift an der Seite gebildet.

Die Schule soll allen Kindern und Jugendlichen die gleichen Chancen bieten. Diesem Grundsatz stimmen wohl sämtliche Lehrpersonen in der Schweiz zu. Doch im Schulalltag zeigt sich schnell: Schüler:innen starten mit unterschiedlichsten Voraussetzungen in ihre Schullaufbahn – sprachlich, kognitiv, kulturell, finanziell, sozial. Zwar kann die Schule private und gesellschaftliche Probleme nicht lösen, gute schulische Bildung ist aber ein entscheidender Hebel, um Ungleichheiten abzufedern und Kinder in ihrer Resilienz und Selbstwirksamkeit zu stärken. Es ist bekannt: Der Einfluss einer Lehrperson auf die Lernbiografien ihrer Schüler:innen ist erheblich.

Seit den 1960er Jahren steht das Thema Chancengerechtigkeit auf der bildungspolitischen Agenda. Damals sprach die Schweizerische Konferenz der kantonalen Bildungsdirektorinnen und -direktoren (EDK) noch vom Ziel der Chancengleichheit und bezog sich auf die Kinder, die als Familiennachzug der Migrant:innen aus vorwiegend südeuropäischen Ländern in die Schweiz kamen. Diese Vision musste längst einer Annäherung an Gerechtigkeit weichen. Im Zusammenhang mit international vergleichenden Studien wie PISA ist der Begriff der Chancengerechtigkeit seit der Jahrtausendwende in den bildungspolitischen Diskussionen dominierend. Heute ist die Vision der Chancengerechtigkeit gesetzlich breit verankert, etwa im Bildungsbericht Schweiz, in der Bundesverfassung, den UNO-Behindertenrechtskonventionen und auch in den Legislaturzielen des Zürcher Regierungsrats.

Benachteiligung reduzieren

Chancengerechtigkeit würde bedeuten, dass alle Kinder und Jugendlichen dieselben Zugangschancen zu Bildungszielen haben. Der Begriff kann aber mehrdeutig ausgelegt werden, in der pädagogischen Praxis wird Chancengerechtigkeit meist als Möglichkeit für ausgleichende Massnahmen interpretiert. Dies heisst eine bestmögliche schulische Förderung, damit Potenzialentfaltung sowie Partizipation in allen gesellschaftlichen Lebensbereichen ermöglicht werden, definiert Silvia Pool Maag, Professorin für Sonderpädagogik an der PH Zürich, den Begriff Chancengerechtigkeit. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Inklusion und Diversität in Bildungskontexten. Für sie geht chancengerechte Bildung immer von unterschiedlichen Lernvoraussetzungen aus und ergreift Massnahmen wie Individualisierung und Differenzierung, damit die für Bildungsprozesse relevanten Unterschiede zwischen Kindern und Jugendlichen die Chancen auf bestmögliche Entfaltung nicht schmälern.

Nach wie vor beeinflusst der Bildungshintergrund der Eltern den schulischen Erfolg der Schü­ler:innen stark.

Doch diese Bildungsgerechtigkeit und die Chance aller auf eine bestmögliche schulische Förderung sind in der Schweiz noch nicht Realität. Denn das Erreichen von Bildungszielen darf nicht abhängig vom sozioökonomischen Status, von Geschlecht, Wohnort, Sprache, Migrationsgeschichte oder körperlicher und kognitiver Beeinträchtigung eines Kindes sein. Nach wie vor beeinflusst aber beispielsweise der Bildungshintergrund der Eltern den schulischen Erfolg der Schüler:innen stark. Jugendliche aus sozial privilegierten Verhältnissen haben eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit, anspruchsvolle Bildungsziele zu erreichen, als solche aus sozial wenig privilegierten Familien, dies belegen verschiedene Studien. Zudem verstärken Selektionsmechanismen, mangelnde personelle Ressourcen an Schulen oder gemeindespezifische Unterschiede diese Ungleichheiten. Und dies, obwohl sich die Schweiz im internationalen Vergleich eines der teuersten Bildungssysteme leistet.

Bei aller Kritik ist es wichtig, auch die erfolgreichen Ansätze und Fortschritte im Bereich Chancengerechtigkeit zu würdigen. So haben integrative Schulmodelle in vielen Kantonen die frühere Trennung von Regel- und Sonderschulen abgelöst. Kinder mit besonderem Förderbedarf werden häufiger inkludiert statt separiert – ein wichtiger Schritt zu mehr Bildungsgerechtigkeit. Angebote wie Logopädie, Heilpädagogik, Förderunterricht und Schulsozialarbeit sind mittlerweile fester Bestandteil des Schulalltags – besonders in städtischen Regionen. In Pilotprojekten werden neue, chancengerechte Lernformen entwickelt: Vor allem Teamteaching, offene Lernlandschaften und -coaching zeigen positive Wirkungen.

Eltern als Partner

Ein chancengerechtes Bildungssystem hat die Aufgabe, Benachteiligungen bei Schüler:innen – die sich aufgrund von sozialen Ungleichheiten in der Gesellschaft ergeben – zu erkennen und zu reduzieren, dies entspricht auch dem internationalen Verständnis erfolgreicher Bildungssysteme. Folglich stellt sich die Frage: Wie sollen hiesige Bildungsprozesse gestaltet werden, sodass alle Schüler:innen gerechte Möglichkeiten haben, ihr Potenzial zu entfalten, und somit gleiche Chancen auf Bildungsqualifikationen erhalten?

Die Grafik ist eine abstrakte, farbenfrohe Illustration, die eine Art Waage darstellt, die auf einem grossen, blauen Halbbogen balanciert wird. Die Waage besteht aus einem langen, lila Balken, auf dem links ein grosser Buchstabe «A» mit einem Wellenmuster und rechts eine Ansammlung von Formen liegt. Diese Ansammlung beinhaltet einen leuchtend roten Kreis, einen gelben Rechteckblock und den Buchstaben «B» in Violett über einem kleinen, dunkelblauen Würfel mit Punkten.

Insbesondere die frühkindliche Förderung rückte in den letzten Jahren in den Fokus der Bemühungen um möglichst grosse Chancengerechtigkeit in der schulischen Laufbahn. Für die Soziologin und Sprachwissenschaftlerin Denise Da Rin ist die diesbezügliche Unterstützung der wichtigste und wirkmächtigste Hebel: «Die frühkindliche Förderung zeigt im Bereich Sozialverhalten und Sprachfähigkeit in Erhebungen ausserordentliche Erfolge.»

Denise Da Rin leitet an der PH Zürich das Zentrum Fachdidaktiken und Mehrsprachigkeit der Abteilung Weiterbildung und Beratung. Neben der frühkindlichen Förderung sieht sie drei weitere wichtige Schwerpunkte, an denen verstärkt angesetzt werden müsse – dies sind die Sprachförderung und -sensibilität im Unterricht, die Abschaffung der frühen Selektion und die intensive Zusammenarbeit mit den Eltern. «Das Beherrschen der Schulsprache ist für den Schulerfolg absolut prägend», betont Denise Da Rin. Wenn die Deutschkenntnisse nicht ausreichten, zeige dies beispielsweise deutliche Auswirkungen auf den Mathematikunterricht. Deshalb ist für sie ein sprachsensibler Unterricht in jedem Fach elementar, auch Lehrmittel müssten durchgehend sprachsensibel gestaltet werden. Davon würden ebenso deutschsprachige Schüler:innen profitieren.

Für eine gerechtere Schullaufbahn vieler Kinder fände Denise Da Rin auch die Abschaffung der Selektion nach der Primarschule zielführend. «Zwar gibt es in unserem Schulsystem das Prinzip der Durchlässigkeit, trotzdem belegt die Forschung, dass eine frühe Selektion soziale Ungleichheiten verstärkt und sich auf die Potenzialentfaltung negativ auswirken kann», sagt Denise Da Rin. Ein weiterer wichtiger Hebel ist die Zusammenarbeit mit den Eltern oder Erziehungsberechtigten. Eine gute Partnerschaft mit den Eltern wirke sich positiv auf das schulische Erleben der Kinder aus – dies gelte grundsätzlich für alle Eltern, unabhängig vom sozioökonomischen Hintergrund oder der Migrationsgeschichte.

Potenzialorientierung

Gerade auch im Bereich der Mehrsprachigkeit wünscht sich Denise Da Rin zusätzliche positive Blickwinkel: «In einer globalisierten Welt ist es an der Zeit, das Narrativ des negativ konnotierten Migrationshintergrunds abzulegen und den Fokus auf die Bereicherung durch die Mehrsprachigkeit zu richten.» Eine aktive Zusammenarbeit mit den Eltern lohne sich gerade auch in Bezug auf die Mehrsprachigkeit auf jeder Schulstufe. Schliesslich hätten Eltern und Lehrpersonen dasselbe Interesse – dass sich Kinder und Jugendliche in der Schule wohlfühlten und ihr Potenzial entwickeln könnten.

5 DIMENSIONEN VON BIL­DUNGS­BE­NACH­TEI­LI­GUNG

Bildungsbenachteiligung entsteht in mindestens fünf Dimensionen – welche Fragen man sich stellen kann, um diese zu reduzieren.

1. Das einzelne Kind und seine Eltern

Kennen die Eltern unser Bildungssystem? Sind sie vertraut mit unserer Schule und dem Schulteam?

2. Ich als Lehrperson

Inwieweit beeinflusst der familiäre (finanzielle, kulturelle und sprachliche) Hintergrund jeder Schüler:in meine Erwartungen an die Leistungsfähigkeit? Sehe ich bei wirklich jedem Kind Potenzial, das ich noch fördern kann? Unterrichte ich individualisiert und adaptiv?

3. Wir als Schuleinheit und Schulteam

Ist das Thema Chancengerechtigkeit strukturell im Schulprogramm verankert? Wird es im Alltag gelebt und regelmässig evaluiert?

4. Unser Schulsystem, seine Strukturen und Prozesse

Gibt es bei uns neben Noten auch prognostische Beurteilungen? Nutzen wir unser Wissen und unseren Entscheidungsspielraum gerade auch an vorgegebenen Bruchstellen wie der Sek-I-Zuteilung, insbesondere unter dem Aspekt möglicher positiver Entwicklungen beim Kind?

5. Schule als Teil unserer Gesellschaft

Sind wir uns der unausgesprochenen Werte unserer Gesellschaft bewusst («Richtig erfolgreich ist, wer studieren kann.» «Glücklich wird, wer viel verdient.» usw.)? Wie können wir mit den dadurch entstehenden Zielkonflikten für uns als Lehrpersonen und Schulteams umgehen?

In Anlehnung an Kamm, C., Maag Merki, K., Suter, F. & Schoch, J. (2023): Reduktion von Bildungsbenachteiligung in der Volksschule. Theoretische Grundlagen und konkrete Handlungsmöglichkeiten. Allianz Chance+.

«Die Suche nach dem Schatz in jedem Kind ist die wichtigste Aufgabe einer Lehrperson», ist sich auch Kenneth Horvath sicher und appelliert, allen Schüler:innen eine Leistungserwartung zuzutrauen. Eine durchgängige Potenzialorientierung wäre für den Bildungssoziologen das wirkmächtigste Instrument, um den vorherrschenden Bildungsbenachteiligungen entgegenzuwirken. Dies bedeute, neue didaktische und pädagogische Konzepte zu lancieren und Denksysteme zu hinterfragen. Dafür seien Entwicklungs- und Reflexionsräume nötig, diese bräuchten Zeit und Raum, betont Kenneth Horvath. Dem wirke entgegen, dass die angehenden Lehrpersonen heute schnellstmöglich in die Praxis starteten, in Zeiten von anhaltendem Fachkräftemangel sei dies die vorherrschende Devise. Allerdings würden die aktuellen Studierenden dem Thema mit mehr Sensibilität und Interesse entgegentreten, anerkennt Kenneth Horvath. Auch seien mit den neuen Zugangsmöglichkeiten vermehrt Studierende mit heterogeneren Lebensläufen an den Pädagogischen Hochschulen.

Zugewanderte Lernende können auf der Sekundarstufe II besser ins Bildungssystem integriert werden als noch vor 10 Jahren.

Kennet Horvath leitet an der PH Zürich die Abteilung Bildungswissenschaftliche Forschung. Seine aktuellen Arbeiten widmen sich dem Problem der beharrlichen Bildungsungleichheiten – insbesondere in Zeiten des digitalen Wandels. Er co-verantwortet das Engagement der PH Zürich im Rahmen des Konsortiums DEEP (Digital Education for Equity in Primary Schools), welches erforscht, wie ein gerechter digitaler Wandel an Schweizer Primarschulen gelingen kann, mit dem Ziel, die gewonnenen Erkenntnisse nachhaltig in die Schweizer Bildungslandschaft zu integrieren. Gerade die Digitalisierung sei im Hinblick auf Chancengerechtigkeit ein elementares Thema: «Was müssen Jugendliche können, um in der digitalen Gesellschaft funktionieren zu können?», so Kenneth Horvath. Zudem würden künftig digitale Tools die Schulzimmer mitprägen: Vereinzelt können Nachhilfe-Tools bezüglich Chancengerechtigkeit ausgleichende Wirkung haben. Gleichzeitig werden aber digitale Tools die Schüler:innen (mit-)bewerten – die Frage ist, ob fairer oder diskriminierender.

Die Grafik ist eine abstrakte Illustration, die eine nach rechts oben ansteigende, gestapelte Struktur darstellt, die aus verschiedenen stilisierten Büchern und Lernmaterialien aufgebaut ist. Die Basis und die Stufen bestehen aus farbigen, rechteckigen Blöcken, die Bücher darstellen, in Lila mit Mustern, Rot und Violett, die horizontale Linien aufweisen. Auf der obersten Stufe liegen ein quadratisches Geodreieck in Gelb und ein roter Block, was mathematische und geometrische Themen symbolisiert. Rechts an der Anordnung hängt eine chemische Formel in Molekülstruktur mit bunten Atomen.

«Für vulnerable Kinder und Jugendliche muss die Schule vor allem auch ein sicherer Lernort sein», betont die Erziehungswissenschaftlerin Petra Hild. Sie unterrichtet das Modul «Bildung und Gesellschaft – gestern, heute, morgen» in der Ausbildung an der PH Zürich. Rassistische und diskriminierende Handlungen kämen auf allen Bildungsstufen vor – zum Beispiel in der Bewertung von schulischen Leistungen. So würden Kinder mit gleichen Leistungen teils sehr unterschiedliche Noten erhalten. Häufig treten auch mehrfache Benachteiligungen auf, wenn etwa eine mehrsprachige Schülerin aus einer sozial wenig privilegierten Familie komme, erreiche sie im Vergleich zu ihren Mitschüler:innen eher geringere Benotungen und werde bei gleichen Leistungen häufiger unterschätzt als ihre deutschsprachigen Klassenkamerad:innen aus begüterten Verhältnissen. Teils sei es aber schwierig zu erkennen, ob eine diskriminierende Handlung auf einem rassistischen Motiv beruhe oder nicht. Petra Hild plädiert deshalb für eine diversitäts- und sprachsensible Schulhauskultur, die Lernende und Lehrende in ihrer Vielsprachigkeit und Vielstimmigkeit anerkennt und Partizipation ermöglicht – dies müsse von den Schulleitungen initiiert und getragen werden. Mit Studierenden oder Lehrpersonen in ihren Modulen thematisiert sie auch die eigenen rassistischen beziehungsweise diskriminierenden Einstellungen und Verhaltensweisen. Petra Hild betont: «Wir können lernen, zu verlernen – auch indem wir erkennen, wie wir handeln, interagieren und wie wir selbst sozialisiert wurden.»

Erfolgreiche Berufsintegration

Trotz stagnierenden Resultaten im Bereich Chancengerechtigkeit betont Silvia Pool Maag aber auch die Erfolge des Schweizer Bildungssystems, gerade, wenn es um die Integration in den Arbeitsmarkt nach Beendigung der obligatorischen Schulzeit geht. Die Abschlüsse auf Sekundarstufe II zeigen, dass zugewanderte Lernende besser ins allgemeinbildende und weiterführende Bildungssystem integriert werden können als noch vor zehn Jahren – trotz zunehmender Heterogenität auch durch kriegsbedingte Migration. Das Kerngeschäft der Lehrperson sei es, jedes Kind im Unterricht willkommen zu heissen. Dies bedinge eine positive Haltung gegenüber der inklusiven Schule und die Bereitschaft, zu sehen, dass jedes Kind Potenziale habe. Es sei ihr aber bewusst, dass in Zeiten von Fachkräftemangel der Druck auf die Schulen steige und das bisherige teils kleinschrittige integrative Verfahren noch zu viele Schnittstellen schaffe. Deshalb sollten Schritte zur Weiterentwicklung schulischer Inklusion auf Schulebene unternommen werden.

Für die Forschung ist klar, ein durchgehend chancengerechtes Bildungssystem würde nicht nur individuelle Bildungswege anders lenken, sondern auch viel zum gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Gesellschaft beitragen. Und die Schweiz könnte monetär mehrfach profitieren, dies belegen verschiedene Studien.

Bewusstsein wächst

Bis zu 14’000 sozial benachteiligte Jugendliche werden in der Schweiz jedes Jahr nicht ihrem Potenzial entsprechend ausgebildet. Dadurch entgehe der Schweizer Wirtschaft pro Jahr Wertschöpfung von bis zu 30 Milliarden Franken. Dies zeigt die Studie «Bildungsgerechtigkeit – eine Chance für die Schweizer Wirtschaft», welche die Strategieberatung Oliver Wyman, unterstützt von der Allianz Chance+ für gerechte Bildungschancen, 2023 publiziert hat. Auch der Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer Schweiz fordert seit Jahren eine nationale Strategie zur Bildungsgerechtigkeit und verlangt verbindliche Mindeststandards in allen Kantonen bei Sprachförderung, Sonderpädagogik und Schulsozialarbeit. Auch wenn viele Entwicklungsschritte in die richtige Richtung zeigen, ist die Schweiz bei der Chancengerechtigkeit nicht am Ziel. Doch das Bewusstsein für soziale Ungleichheiten wächst und damit der Wille, diese pädagogisch professionell und systematisch anzugehen. Chancengerechter Unterricht sollte denn auch nicht als zusätzlicher Auftrag für die Lehrpersonen verstanden werden, sondern als Teil professionellen Handelns im gesamten Schulkontext.

  • Rund zwei Drittel der Jugendlichen wechseln nach der obligatorischen Schule in eine Berufslehre. Rund ein Drittel der Jugendlichen macht eine schulische Ausbildung (Fachmittelschule oder Gymnasium), die auf ein Studium an einer Hochschule vorbereitet. Über 90 Prozent der Jugendlichen erwerben einen Abschluss auf Sekundarstufe II. Die Maturitätsquote beträgt dabei 40,9 Prozent (gymnasiale Maturität, Fachmaturität und Berufsmaturität). Quelle: EDK

    ANSCHLUSS

    Rund zwei Drittel der Jugendlichen wechseln nach der obligatorischen Schule in eine Berufslehre. Rund ein Drittel der Jugendlichen macht eine schulische Ausbildung (Fachmittelschule oder Gymnasium), die auf ein Studium an einer Hochschule vorbereitet. Über 90 Prozent der Jugendlichen erwerben einen Abschluss auf Sekundarstufe II. Die Maturitätsquote beträgt dabei 40,9 Prozent (gymnasiale Maturität, Fachmaturität und Berufsmaturität). Quelle: EDK
  • Das wirtschaftliche Potenzial einer flächendeckenden Mobilisierung von Jugendlichen aus «bildungsfernen» Familien – einem gemäss einer Studie des Strategieberatungsunternehmen Oliver Wyman grossen, aber häufig vernachlässigten Talentpool – beträgt zirka 21–29 Milliarden Franken pro Jahr. Die Studie basiert auf einer Auswertung von Basisstudien, Experteninterviews und einer Befragung von rund 1000 Jugendlichen. Quelle: Strategieberatungsunternehmen Oliver Wyman

    POTENZIAL

    Das wirtschaftliche Potenzial einer flächendeckenden Mobilisierung von Jugendlichen aus «bildungsfernen» Familien – einem gemäss einer Studie des Strategieberatungsunternehmen Oliver Wyman grossen, aber häufig vernachlässigten Talentpool – beträgt zirka 21–29 Milliarden Franken pro Jahr. Die Studie basiert auf einer Auswertung von Basisstudien, Experteninterviews und einer Befragung von rund 1000 Jugendlichen. Quelle: Strategieberatungsunternehmen Oliver Wyman
  • Kinder aus Akademiker:innen-Familien haben in der Schweiz doppelt so hohe Chancen auf einen Uni-Abschluss wie Nichtakademikerkinder. Dies zeigt eine Auswertung des  «Tagesanzeigers» auf der Grundlage von Daten aus der Langzeitstudie Tree der Universität Bern. Demnach absolvieren von 100 Kindern aus Nicht-Akademiker:innen-Familien 19 Prozent mindestens einen Bachelor oder einen Master. Bei Kindern aus Akademiker:innen-Familien sind es 40 Prozent. Quelle: Tagesanzeiger/Tree-Studie

    UNIVERSITÄT

    Kinder aus Akademiker:innen-Familien haben in der Schweiz doppelt so hohe Chancen auf einen Uni-Abschluss wie Nichtakademikerkinder. Dies zeigt eine Auswertung des «Tagesanzeigers» auf der Grundlage von Daten aus der Langzeitstudie Tree der Universität Bern. Demnach absolvieren von 100 Kindern aus Nicht-Akademiker:innen-Familien 19 Prozent mindestens einen Bachelor oder einen Master. Bei Kindern aus Akademiker:innen-Familien sind es 40 Prozent. Quelle: Tagesanzeiger/Tree-Studie
  • Erwartete Anzahl der Generationen, die in der Schweiz die Nachkommen einer Familie aus den zehn Prozent mit den tiefsten Einkommen benötigen, um das mittlere Einkommen der Gesellschaft zu erreichen. Quelle: Tagesanzeiger/OECD

    EINKOMMEN

    Erwartete Anzahl der Generationen, die in der Schweiz die Nachkommen einer Familie aus den zehn Prozent mit den tiefsten Einkommen benötigen, um das mittlere Einkommen der Gesellschaft zu erreichen. Quelle: Tagesanzeiger/OECD