Sex Education Switzerland (SES):  Nationale Studie zur Umsetzung der Sexualaufklärung in der Schweiz

Die Studie «Sex Education Switzerland (SES)» untersucht, wie die sexuelle Bildung für Kinder und Jugendliche in der Schweiz umgesetzt wird und ob die sprachregionalen Lehrpläne zu einer Vereinheitlichung der Umsetzung in Schulen geführt haben.

Inhalt dieser Seite

Steckbrief

Projektleitung
Roger Keller (PHZH)
Projektteam
Esther Kirchhoff (PHZH), Simone Schoch (PHZH)
Organisationseinheit
F-BW-IGS (Inklusion und Gesundheit in der Schule)
Projektphase
Abgeschlossen (1.11.2023 – 31.12.2024)
Projekttyp
Dienstleistungsprojekt
Finanzierung
Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation

Beschreibung

Die Debatte um die schulische Sexualaufklärung wird in der Schweiz seit Jahrzehnten geführt. Im Zentrum steht die Frage, ob die Familie oder die Schule für die Sexualaufklärung zuständig ist, sowie die Ziele, Inhalte und Formen der Vermittlung. Gemäss den Rechtsgrundlagen auf Bundes- und Kantonsebene ist Sexualaufklärung nicht nur eine private, sondern auch eine öffentliche Bildungsaufgabe. Die Verantwortung liegt primär bei den Eltern, während Schulen – gestützt auf die sprachregionalen Lehrpläne (Lehrplan 21, Plan d’études romand, Piano di Studio) – sowie ausserschulische Angebote eine unterstützende Rolle einnehmen.

Obwohl die Sexualaufklärung seit vielen Jahren in den Lehrplänen verankert ist, bleibt die konkrete Umsetzung in der obligatorischen Schule, in Sonderschulen und auf der Sekundarstufe II vielerorts unklar. Aus diesem Grund wurden in den letzten Jahren mehrere politische Vorstösse eingereicht, um zu klären, was Bund und Kantone unternehmen, um die Qualität der schulischen Sexualaufklärung sicherzustellen.

Basierend auf dem nationalrätlichen Postulat 22.3877, gab das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) deshalb die Studie Sex Education Switzerland (SES) in Auftrag, welche vom Zentrum Inklusion und Gesundheit in der Schule der PH Zürich durchgeführt wird. 

Die Studie untersucht:

  • Wie Sexualaufklärung in der Schweiz in den verschiedenen Sprachregionen, Schulstufen und Schultypen umgesetzt wird.
  • Wie Lehrpersonen und weitere Fachpersonen in diesem Bereich aus- und weitergebildet werden.
  • Welche formellen und informellen Zugänge zur Sexualaufklärung für Kinder und Jugendliche in der Schweiz vorhanden sind.

Die Studie wendet ein Mixed-Method-Design an, das quantitative Online-Befragungen mit vertiefenden Einzelinterviews und Gruppendiskussionen kombiniert. Befragt werden nationale und kantonale Ämter, interkantonale Gremien, Fach- und Dienststellen sowie Berufsverbände und Weiterbildungsstätten.

News zum Projekt

Projektergebnisse

Das Bewusstsein für die Bedeutung der schulischen Sexualaufklärung ist in der Schweiz gestiegen, bedingt durch politische Vorstösse und die Integration des Themas in die sprachregionalen Lehrpläne. Fachstellen bieten wichtige Ressourcen für Schulen und fungieren als Anlaufstellen für Kinder, Jugendliche und deren Familien. 

Schulische Sexualaufklärung zielt darauf ab, Kinder und Jugendliche zu schützen und ihnen altersgerechtes Wissen sowie Handlungskompetenzen zu vermitteln. Die Studie identifizierte drei übergeordnete Bereiche, in denen schulische Sexualaufklärung angesiedelt ist: Biologisch-medizinische Aspekte, Bildung für Nachhaltige Entwicklung und überfachliche Kompetenzen. Diese Bereiche sind in den Lehrplänen enthalten, jedoch variieren die Vorgaben und Umsetzungskonzepte zwischen den Kantonen. Einige Kantone haben verbindliche Rahmenkonzepte, während andere nur Empfehlungen abgeben. Die Umsetzung wird selten überprüft; zudem ist die Finanzierung von Fachstellen häufig unzureichend.

Der Zugang zu qualitativ hochwertiger Sexualaufklärung variiert sprachregional, kantonal und auch innerhalb der Kantone, was insbesondere für Schüler:innen mit besonderen pädagogischen Bedürfnissen oder geringen Kenntnissen in der vorherrschenden Landessprache zu Benachteiligungen führen kann. In der deutsch- und italienischsprachigen Schweiz entwickelt sich zunehmend ein kooperatives Modell zwischen Volksschulen und externen Fachstellen, während dieses Modell in der französischsprachigen Schweiz bereits etabliert ist. Die Verantwortung für Planung und Umsetzung liegt in der Deutschschweiz, im Tessin sowie für Sonderschulen und die Sekundarstufe II im Vergleich zur Romandie stärker bei den einzelnen Schulen und Lehrpersonen.

Empfehlungen

Die Studie gibt klare Empfehlungen ab, wie die Qualität der schulischen Sexualaufklärung sichergestellt werden kann und was es braucht, um Lehrpersonen und Schulleitungen bei der Umsetzung zu unterstützen. Es braucht unter anderem eine verbindliche Festlegung der Inhalte zur schulischen Sexualaufklärung, ausreichend Ressourcen für den Einbezug von Fachstellen sowie eine fundierte Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen und Schulleitungen. Wichtig ist auch ein aktiver Einbezug der Eltern in den Schulen. Damit dies gelingt, wird ein national koordiniertes Gremium sowie eine Begleitgruppe empfohlen, die aus allen Interessensgruppen besteht und so eine schweizweit einheitliche Umsetzung der schulischen Sexualaufklärung unterstützt.

Publikationen

Keller, Roger, Kirchhoff, Esther, und Schoch, Simone (2024) Sex Education Switzerland (SES) – Studie zur Umsetzung der Sexualaufklärung in der Schweiz

Schlussbericht im Auftrag des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation. Zürich: Pädagogische Hochschule Zürich.

Kontakt

Porträtfoto von Prof. Dr. Roger Keller

+41 43 305 58 91