Neue Lehr- und Studiengänge : Digitale Bildung strategisch gestalten
Tobias M. Schifferle arbeitet seit zehn Jahren als Dozent und Forscher im Bereich Medienbildung und Informatik an der PH Zürich. Er wirkte in zahlreichen Projekten mit, betreut schulinterne Weiterbildungen und forscht zu neuen Technologien und Bildungsgerechtigkeit. Als Studiengangsleiter des neuen MAS Educational Leadership verantwortet er auch die Inhalte des neuen DAS-Lehrgangs Digital Innovation in Education.
Tobias M. Schifferle, wo stehen Schulen heute in Sachen Digitalität?
Wir sind heute deutlich weiter als noch vor einigen Jahren. Ich erlebe selten Schulen, denen es an Engagement fehlt. Im Gegenteil: Es gibt viele versierte Lehrpersonen und PICTS beziehungsweise Schulleitungen. Teilweise sprechen sie jedoch in verschiedenen Sprachen über Digitalität. Das digitale, organisatorische und didaktische Handwerk sowie die Führung einer Schule sind getrennt voneinander gewachsen. Die Folge sind im Extremfall entweder gute Einzelinitiativen, die wenig verankert sind, oder strategische Vorgaben ohne Bezug zum Unterricht. Der Schlüssel zum Erfolg liegt im Zusammenführen dieser zwei Kompetenzwelten. Wo beides zusammenkommt, gelingt digitale Transformation. Dieses Zusammenkommen möchten wir durch unsere beiden neuen Weiterbildungen gezielt unterstützen.
Ein DAS und ein MAS – beide mit dem Anliegen Digitalität. Wo liegt der Unterschied?
Der DAS-Lehrgang Digital Innovation in Education befähigt dazu, digitale Bildung an der eigenen Schule innovativ zu gestalten. Der MAS-Studiengang Digital Transformation in Education baut darauf auf und unterstützt dabei, die digitale Transformation einer Bildungsorganisation umfassend zu steuern und zu verantworten. Beide greifen auf individuelle Vorerfahrungen zurück, beispielsweise als PICTS oder einen abgeschlossenen CAS Digital Leadership in Education. Im DAS verbinden wir das Verständnis für digitale Innovation im Schulbereich mit aktueller Führungs- und Managementkompetenz. In der Diplomarbeit setzen die Teilnehmenden ein eigenes Projekt aus ihrem beruflichen Alltag um. Der MAS geht einen Schritt weiter: Hier rückt die Transformation der ganzen Bildungsorganisation ins Zentrum, und die Teilnehmenden bearbeiten im Master-Lab ein Entwicklungsvorhaben ihrer Organisation. So können Schulen ihre digitale Zukunft gezielt und massgeschneidert gestalten.

Sprechen die Weiterbildungen eher PICTS, also Pädagogische ICT-Supporter, und Lehrpersonen an oder Schulleitungen?
Wir möchten mit den neuen Angeboten bewusst von beiden Seiten eine Brücke bauen. Wer auf seinen Erfahrungen als Lehrperson oder PICTS aufbaut, vertieft im DAS Führung und Management und erweitert beides allenfalls im MAS. Eine Schulleitung wiederum ergänzt ihre Führungserfahrung stärker um Know-how zur digitalen Transformation – mit dem DAS, oder indem sie nach dem DAS direkt in den MAS einsteigt. Beide Wege führen zum gleichen Punkt: zur Fähigkeit, digitale Bildung und Schulführung auf unterschiedlichen Ebenen zusammenzudenken. Diese Brücke braucht es ohnehin, unabhängig davon, ob eine Schule bereits eine eigene Funktion wie «Leitung Digitalität» geschaffen hat oder ob bestehende Mitarbeitende diese Aufgabe zunehmend übernehmen. Im DAS und MAS steht der digitale Wandel in direktem Zusammenhang mit Schulentwicklung und strategischem Management. Durch flexibel wählbare Module kann jede Person ihr Profil individuell stärken und entsprechend der persönlichen sowie der Situation der Schule ausrichten.
Digitale Bildung ist ein grosses Schlagwort. Wie schaffen es Schulen, alle mitzunehmen?
Indem man digitalisierungsbezogene Schulentwicklung und das Management einer Schule zusammen denkt, nicht nach- oder nebeneinander. Denn auf allen Ebenen gibt es relevante Aspekte, sei es bei der Zusammenarbeit im Team oder aber beim Lernen der Schüler:innen selbst.


