Digitalisierungsinitiative Zürich : PH Zürich eröffnet Immerse Lab
Im neu eröffneten Immerse Lab der PH Zürich treffen sich Fachpersonen aus verschiedenen Disziplinen, um immersive Technologien für den Bildungsbereich kennenzulernen und deren Potenzial auszuloten. Der Raum bietet die Möglichkeit, Konzepte zu testen und zu Prototypen weiterzuentwickeln. Im Interview erklärt Martin Berger, Projektverantwortlicher seitens PH Zürich, die Möglichkeiten.
Martin Berger, welches Ziel verfolgt das Projekt Immerse? Welche Rolle haben die drei beteiligten Hochschulen? Oder anders gefragt: Welche Wissensgebiete fliessen da zusammen?
IMMERSE verfolgt das Ziel, einen didaktisch fundierten Einsatz neuer visueller Technologien beispielsweise aus dem Bereich der Human-Computer-Interaction zu fördern. Die drei leitenden Hochschulen bündeln dafür ihre Stärken: Die Universität Zürich bringt ihre Expertise in Visual Computing und künstlicher Intelligenz ein, die ZHAW ihre technologische Entwicklungskompetenz und Industrienähe und die PH Zürich ihre Fachkenntnis in Pädagogik und Didaktik. Diese Synergie ermöglicht praxisnahe Innovationen. Die Mission von IMMERSE ist, konkrete Ideen anzustossen und eine Organisationsstruktur aufzubauen, mit der das Prototyping begleitet und eine nachhaltige Integration gefördert wird.
Kürzlich wurde an der der PH Zürich das Immerse Lab in Betrieb genommen. Was ist die Idee dieses Raums? Was passiert dort? Und wer soll ihn nutzen?
Das Immerse Lab steht allen Interessierten aus der Berufs- und der Hochschulbildung zur Verfügung. Es dient als Werkraum für Ideen, in dem virtuelle Technologien entdeckt und erprobt, didaktisch reflektiert und zu Prototypen weiterentwickelt werden. Beispielsweise bringen wir in sogenannten Sandbox-Veranstaltungen gezielt Fachpersonen aus Didaktik und Technologie zusammen. Zwei Veranstaltungen zur virtuellen Kommunikation in der Pflegedidaktik und zum Co-Embodiment in der Sportdidaktik haben bereits stattgefunden. Ende Oktober wird eine Sandbox zu Geo-Immersion stattfinden, in der Fachleute der Zürcher Hochschulen, der Baugewerblichen Berufsschule Zürich, des Zürcher Amts für Städtebau, des DIZH-Projekts «Gestalte Zürich» sowie des Technologie-Partners AFCA gemeinsam Szenarien diskutieren, wie urbane Räume immersiv erfahrbar gemacht werden können.
Weshalb ist der physische Raum wichtig für eine virtuelle Technologie?
Der physische Raum ist entscheidend, weil Lernen ein sozialer Prozess ist. Der physische Raum schafft Sichtbarkeit, Vertrauen und den notwendigen sozialen Rahmen, damit Innovationen in die Lehre diffundieren können. Und was mir als Berufspädagoge besonders am Herzen liegt: Das Lab fördert die physische Begegnung zwischen Akteur:innen der Berufs- und der Hochschulbildung, was die beiden Welten in der digitalen Transformation enger miteinander verzahnen und Synergien zu nutzen hilft. Mit dem geplanten Immerse Theatre, das voraussichtlich im Sommer 2026 eröffnet wird, kommt eine weitere Dimension dazu: Ganze Datenräume können als gemeinsames, immersives Lernerlebnis erfahren werden.
Was können immersive Technologien in der Bildung erreichen, was analoge Vorgehen nicht können? Gibt es Beispiele, wo immersive Lerntechnologien bereits gewinnbringend eingesetzt werden?
Immersive Technologien ermöglichen Lernräume, die analog kaum zugänglich sind. Sie erlauben es, riskante Handlungen gefahrlos zu trainieren, komplexe Prozesse zu visualisieren und heikle Situationen ohne Druck durchzuspielen. Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz bieten hier viele zusätzliche Möglichkeiten. Es gibt schon zahlreiche Anwendungsbeispiele in der Berufsbildung, etwa mit einer Lern-App, die wir für angehende Detailhändler:innen entwickelt haben. Sie trainieren damit ein anspruchsvolles Verkaufsgespräch mit einem KI-Kunden, der ihnen als lebensgrosser Avatar im realen Raum gegenübersteht. Immersive Technologien sollen Lernen effektiver machen und sie sollen auch Freude bereiten.
Digitalisierungsinitiative
Die Digitalisierungsinitiative hat zum Ziel, die Zusammenarbeit der Zürcher Hochschulen im Digitalisierungsbereich zu fördern und damit den Forschungs- und Wirtschaftsstandort Zürich zu stärken. Die Universität Zürich, die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, die Zürcher Hochschule der Künste und die PH Zürich vernetzen sich in der DIZH systematisch, um Forschung und Innovation im Digitalisierungsbereich interdisziplinär voranzutreiben.


