Interview : CAS Berufsfeldbezug stärken: Vielfältige Zielgruppen
Der Einsatz des eigenen fachlichen und fachdidaktischen Wissens in der Ausbildung von Studierenden an Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen ist für Promovierte eine attraktive Option. Der Abschluss des CAS Berufsfeldbezug stärken ist eine Qualifikation, die diesen Weg ermöglichen hilft. Simone Heller-Andrist, Dozentin und Leiterin des CAS Berufsfeldbezug stärken, beschreibt den Lehrgang, dessen Potenzial für Doktorierende an Universitäten und die geplante Weiterentwicklung des CAS.
Simone Heller-Andrist, was genau beinhaltet der Lehrgang CAS Berufsfeldbezug stärken?
Im CAS verknüpfen die Teilnehmenden ihre aktuelle Tätigkeit an der Hochschule mit den für sie relevanten Berufsfeldern. Das heisst, dass sie mit konkreten Fragestellungen, die sich in ihrem Alltag ergeben, eine Projektarbeit mit Partner:innen im Schulfeld planen und durchführen. Zwei Beispiele: Eine Fachdidaktikerin für Mathematik auf der Primarstufe erprobte mit verschiedenen Primarschulklassen Aufgaben für ein neues Lehrmittel. Sie brachte eine Aufgabe zum räumlichen Vorstellungsvermögen mit Knüpftechniken, die zuvor nicht überzeugt hatten, zum Erfolg. Ein Fachdidaktiker für Deutsch befasste sich mit der kognitiven Aktivierung im Unterricht: Er stellte fest, dass Studierende in der berufspraktischen Ausbildung ihre eigene Unterrichtstätigkeit in dieser Hinsicht schlechter einschätzten als er, der sie beobachtete. Eine Strategie der Ermutigung war eine der Schlussfolgerungen für seinen Unterricht an der PH. Die Projektthemen im Studiengang sind so vielfältig wie die Teilnehmenden. Deshalb ist der Austausch im Studiengang zentral – sowohl auf fachlicher als auch auf persönlicher Ebene. Die Arbeit an der individuellen Fragestellung erfolgt wissenschaftlich fundiert; hierfür bietet der Studiengang modulare Elemente und Fachberatungen bei Expert:innen zu verschiedensten Themenbereichen – und begleitet durch ein Coaching in der Peer-Group. Im Austausch mit allen Beteiligten im Studiengang und im Berufsfeld werden nicht nur gute Wege in den Projekten gefunden, sondern formt sich auch ein Netzwerk von Personen, das für die Arbeit an einer PH ein grosser Gewinn ist. Wie der Studiengang aufgebaut ist, stellen wir an der Online-Informationsveranstaltung vom 21. Mai 2024 vor. An der Veranstaltung geben eine ehemalige Teilnehmerin und ein Teilnehmer aus dem aktuellen Studiengang Einblick in ihre Projekte. Die Erfahrungsberichte sind meiner Meinung nach besonders aufschlussreich, wenn man sich für den Studiengang interessiert.
Warum kann ein Abschluss des CAS Berufsfeldbezug stärken für Doktorierende an Universitäten interessant sein?
Der Abschluss, also die formale Professionalisierung, ist das eine. Die inhaltliche Professionalisierung ist das andere. Für Doktorierende oder wissenschaftliche Assistierende an Universitäten (oder anderen Hochschulen), deren Forschungs- und Lehrtätigkeit einen Bezug zum Schulfeld hat, ist letztere bereits für das Doktorat relevant. Der CAS ermöglicht es, sich auf die aktuellen Bedingungen des jeweiligen Berufsfeldes zu beziehen. Der Abschluss wiederum ist für diejenigen Personen interessant, die eine Laufbahn an einer Pädagogischen Hochschule anstreben. Dazu benötigen sie sowohl eine wissenschaftliche als auch eine schulfeldbezogene Qualifikation. Diesen Schulfeldbezug können sie mit dem CAS-Abschluss nachweisen. Oft erwerben Personen auf Qualifikationsstellen neben dem Doktoratsabschluss auch ein Lehrdiplom als Gymnasiallehrperson. Wenn sie sich mit diesen Qualifikationen für eine Stelle an der PH Zürich bewerben wollen, können sie im CAS die für eine Lehrtätigkeit relevante/n Zielstufe/n kennenlernen. Es gibt noch weitere Gründe, sich in der Qualifikationsphase auf eine Vielzahl von Laufbahnmöglichkeiten vorzubereiten. Der klassische akademische Weg zu einer Berufung als Professor:in ist mit grosser Unsicherheit und vielen Unwägbarkeiten verbunden. Der Studiengang ist daher sowohl inhaltlich als auch formal für Doktorierende und Personen auf Qualifikationsstellen interessant. Aus diesen Gründen sind wir bestrebt, den Studiengang beim wissenschaftlichen Nachwuchs bekanntzumachen.
Welche Neuerungen sind in den nächsten Jahren im Lehrgangskonzept geplant?
Wir prüfen derzeit die Öffnung des Angebots für weitere Zielgruppen, beispielsweise für Lehrpersonen an Berufsfachschulen. In ihrem Unterricht an Berufsfach- oder Berufsmaturitätsschulen bilden sie junge Menschen für die künftige Berufspraxis aus. Auch sie sind daran interessiert, mit Bezug zur betrieblichen Praxis zu unterrichten – gerade in Zeiten der Handlungskompetenzorientierung. Wissenschaftliches Personal an Hochschulen, das Lehrpersonen an Berufsfachschulen ausbildet, wird bereits als Zielgruppe angesprochen. Der doppelte Bezug zum Schulfeld und zur betrieblichen Praxis ist sehr anspruchsvoll. Auch hier wollen wir genauer hinschauen, wovon diese Personengruppe im Studiengang besonders profitieren könnte. Es gäbe noch weitere Möglichkeiten, die zu prüfen wären: Im Zentrum steht das Bestreben, die Ausbildung der kommenden Generationen sowohl wissenschafts- als auch berufsfeldorientiert zu gestalten.
Weitere Informationen
- Weitere Informationen zum CAS Berufsfeldbezug stärken sowie Anmeldemöglichkeit
- Postdoc-Jobworld-Event an der Universität Zürich am 16. Mai 2024


