Lehrmittel-Neuerscheinung : Philosophieren mit Kindern und Jugendlichen
Das neu erschienene Buch «Philosophieren und Ethik» ist Teil der Schriftenreihe «Philosophieren mit Kindern». Das Buch versammelt Beiträge, die auf eine internationale Fachtagung an der PH Zürich zurückgehen, an der aktuelle Ansätze und Perspektiven sowie neue Forschungserkenntnisse zum Philosophieren mit Kindern und Jugendlichen vorgestellt und diskutiert wurden. Die Texte richten sich sowohl an die wissenschaftliche Community als auch an Personen, die mit Kindern und Jugendlichen philosophieren.
Beatrice Kümin ist Mitherausgeberin des Buches und Dozentin an der PH Zürich. Im Interview sagt sie, wie kritisches Denken und Argumentieren in der Schule gefördert werden kann und welche Chancen Philosophieren für inklusives Lernen bietet.
Beatrice Kümin, angesichts der grossen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit plädieren Sie dafür, dass Philosophieren in der Schule wichtig ist. Warum?
Philosophieren ist grundsätzlich eine wichtige Kompetenz, weil Kinder und Jugendliche dabei eigenständiges, kritisches und empathisches Denken lernen. Beim gemeinsamen Philosophieren setzen sie sich mit philosophischen und ethischen Fragen auseinander, wie «Was ist Zeit?», «Ist Lügen manchmal richtig?», «Wem gehört die Natur?», «Haben Tiere Rechte?». Diese fragende Auseinandersetzung ermöglicht eine Haltung, bei der sie sich auch zutrauen, Dinge zu hinterfragen, selbstständig und begründet zu argumentieren, zu urteilen und wenn möglich auch entsprechend zu handeln. Und dies scheint mir eine der Kernkompetenzen im Umgang mit den heutigen gesellschaftlichen Herausforderungen.
Welche Erkenntnisse liefert uns die Forschung: Warum sollte im Schulunterricht vermehrt philosophiert werden?
Empirische Forschungen zeigen, dass regelmässiges Philosophieren im Unterricht auf verschiedenen Ebenen förderlich ist. Es fördert die kognitive, aber auch die soziale und emotionale Entwicklung der Schüler:innen. Das Philosophieren hat dabei einen sehr inklusiven Charakter, indem es alle Kinder integriert – unabhängig von ihren Lernvoraussetzungen, sprachlichen Fähigkeiten oder ihrem sozio-kulturellen Hintergrund. Zudem zeigen sich in der Forschung auch positive Auswirkungen auf die Haltung der Lehrpersonen. Sie nehmen die Kinder zum Teil anders wahr und es kommt in der Folge zu veränderten Interaktionsmustern. Diese wiederum wirken sich förderlich auf die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen aus.
Wie gehen die Schulen in anderen Ländern mit dem Thema um?
Weltweit gibt es Ansätze, das Philosophieren mit Kindern in die Schule zu integrieren. Allerdings ist es nur vereinzelt in den jeweiligen Lehrplänen verankert. In Europa ist es unterschiedlich organisiert. Ethikunterricht kann Pflicht- oder Wahlfach sein, oder die Schüler:innen besuchen verpflichtend den Ethikunterricht, wenn sie das Fach Religion nicht besuchen. Die deutschsprachige Schweiz hat mit dem Lehrplan 21 gute Voraussetzungen geschaffen, indem das Philosophieren im Lehrplan verortet ist. Im besten Fall werden in der Schule philosophische und ethische Fragen als ein integraler Bestandteil des Unterrichts verstanden und auch angegangen.
Buch «Philosophieren und Ethik»


