Sammelband : Schulen im digitalen Wandel
Der digitale Wandel ist ein umfassender Transformationsprozess, mit dem sich die Schule auseinandersetzen muss. Der neue Sammelband Schulen im digitalen Wandel. Stand und Entwicklungen in der Schweiz» leistet dazu einen Beitrag. Er bietet einen Überblick über die gegenwärtig sichtbaren Folgen der digitalen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft für die öffentliche Bildung in der Schweiz. Die Publikation basiert auf empirischen Forschungsergebnissen und überträgt diese in den Bildungskontext. Denn nur, wenn Politik und Verwaltung wissenschaftliche Erkenntnisse einbeziehen, lässt sich der digitale Wandel im Bildungswesen sinnvoll und nachhaltig gestalten.

Das Herausgeberteam vereint Know-how aus Forschung und Weiterbildung. Eliane Burri leitet in der Weiterbildung der PH Zürich das Zentrum Medienbildung und Informatik, welches unter anderem die PICTS-Ausbildungen durchführt und neu auch einen MAS in digitaler Transformation in der Bildung anbietet. Michael Geiss leitet an der PH Zürich das Forschungszentrum Bildung und Digitaler Wandel, in dem zahlreiche Forschungsprojekte zum digitalen Wandel durchgeführt werden. Mit dem Buch «Schulen im digitalen Wandel» wollen die beiden dazu anregen, digitale Transformation an Schulen grösser zu denken und Wandel als Veränderung auf mehreren Ebenen zu verstehen. Wir haben nachgefragt.
Was bedeutet der digitale Wandel konkret für Schulen und welche neuen Gestaltungsmöglichkeiten ergeben sich daraus?
Michael Geiss: In jedem Schulhaus, in den verschiedenen Gemeinden und Kantonen zeigt sich der digitale Wandel sehr unterschiedlich. Dies gilt nicht nur für die Infrastruktur und die Ausstattung, sondern auch für die Kultur vor Ort und die vorhandenen Unterstützungsangebote. Nur wenn die Schulentwicklung dies berücksichtigt, kann der Wandel nachhaltig gestaltet werden.
Eliane Burri: Im digitalen Wandel verändert sich grundlegend, wie gelernt, kommuniziert und zusammengearbeitet wird. Digitale Medien schaffen neue Lernzugänge und können den Unterricht vielfältiger gestalten. Auch im Schulalltag entstehen neue Formen der Zusammenarbeit. Teams teilen ihr Wissen über Plattformen und profitieren voneinander. Lehrpersonen entwickeln Unterricht gemeinsam und stellen sich die Materialien gegenseitig zur Verfügung. Der Wandel betrifft nicht nur einzelne Personen. Schulleitungen, PICTS, Lehrpersonen und weitere Fachpersonen gestalten die Schulkultur gemeinsam. Dazu gehören Austausch und Vernetzung mit unterschiedlichen Akteur:innen innerhalb und ausserhalb der Schule. So entstehen Gestaltungsmöglichkeiten, die über den Einsatz von Technologie hinausgehen.
Welche Erkenntnisse aus dem Buch sind für Schulleitungen und PICTS besonders relevant, wenn sie die digitale Entwicklung an ihrer Schule mitgestalten möchten?
Eliane Burri: Der digitale Wandel ist nicht in erster Linie ein Technikprojekt, sondern eine Führungs- und Schulentwicklungsaufgabe, die alle Ebenen von Schule betrifft und entsprechend gemeinsam gestaltet werden muss. Technologie bildet die Grundlage. Entscheidend ist aber, wie Schulleitungen, PICTS und weitere Beteiligte sie in Unterricht und Schulkultur einbinden.
Michael Geiss: Ja, das sehe ich auch als den zentralen Beitrag des Bandes zur aktuellen Diskussion. Es gibt kaum eine Dimension der Schulentwicklung, die vom digitalen Wandel unberührt bleibt. Für jede Ebene, jedes Schulfach und jede Gruppe von Akteur:innen ist spezifisches Wissen erforderlich, um die öffentliche Bildung unter den aktuellen Bedingungen weiterzuentwickeln.
Woran zeigt sich, dass eine Schule bei der digitalen Transformation auf einem guten Weg ist – jenseits von technischer Ausstattung und digitalen Tools?
Eliane Burri: Eine Schule ist auf einem guten Weg, wenn das Lernen der Schüler:innen im Mittelpunkt steht und nicht die Ausstattung. Das zeigt sich daran, dass die Lernumgebungen anregend gestaltet sind und die Schüler:innen befähigen, an einer digital geprägten Welt teilzuhaben und diese mitzugestalten. Ein weiteres Zeichen ist ein geteiltes Verständnis im Team. Schulleitungen, PICTS und Lehrpersonen tauschen sich regelmässig darüber aus, wie Lernen gelingt.
Michael Geiss: Das Ziel aller Anstrengungen sollte sein, dass die Volksschule ihrer Aufgabe zukünftig gerecht wird. Werden die notwendigen Kompetenzen vermittelt? Werden Lernfreude und Leistungsbereitschaft gefördert? Werden die individuellen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler berücksichtigt? Lernen sie, zu kooperieren und Verantwortung zu übernehmen? Wenn der digitale Wandel dies befördert und nicht verhindert, dann sind wir auf einem guten Weg.


