Bedeutung von Coaching : Belastung verringern und Engagement stärken

Selbstregulation hilft Lehrpersonen, Belastung zu verringern sowie Engagement und Motivation zu stärken. Ein Forschungsprojekt der PH Zürich konnte dies nachweisen. Nun ist eine Publikation dazu erschienen.

Dienstag, 3. Februar 2026

Im Zentrum der Interventionsstudie «Die Kunst, sich als Lehrperson selbst zu managen» unter der Leitung von Christine Bieri Buschor und Simone Berweger stand die Frage, wie die Selbstregulationsfähigkeit von Lehrkräften gestärkt werden kann. Ein Teil der Studienergebnisse wurde nun publiziert. Zippora Bührer, Mitglied des Projektteams und PH-Dozentin, gibt Auskunft.


Zippora Bührer, Sie haben eine Interventionsstudie dazu durchgeführt, wie sich die Selbstregulation von Berufseinsteiger:innen stärken lässt, und unter anderem untersucht, wie sich diese auf das Wohlbefinden auswirkt. Wie sind Sie vorgegangen?
Wir haben für die Interventionsstudie ein Selbstmanagement-Training entwickelt, das zum Ziel hat, den Lehrpersonen Kompetenzen und Methoden zur Selbstregulation zu vermitteln und sie anzuleiten, ihre konkreten Herausforderungen im Berufsalltag zielorientiert anzugehen. Dazu wurden im Training das persönliche Arbeitsverhalten analysiert und Herausforderungen identifiziert. Sodann übten wir Strategien und Übungen, unter anderem aus der positiven Psychologie, aber auch Coaching-Methoden. Ein wichtiger Teil des Trainings war, dass sich die Teilnehmenden persönlich bedeutsame Ziele setzten und die Umsetzung durch Handlungspläne mit Wenn-dann-Formulierungen vorbereiteten. Das Besondere war, dass wir zusätzlich zum Training ein professionelles Coaching integrierten, das die Lehrpersonen bei der Umsetzung ihrer Handlungsziele während fünf Monaten unterstützte.

In welchem Setting haben Sie dieses Training durchgeführt?
Das Training konnten wir innerhalb der Berufseinführungs-Weiterbildung der PH Zürich mit Kindergarten- und Primarlehrpersonen durchführen. Dabei untersuchten wir, welches Setting für die Stärkung der Selbstregulation und die Entwicklung des Wohlbefindens besonders günstig ist. Dazu teilten wir die Teilnehmenden in drei Trainingsgruppen ein: in eine, die nur das Selbstmanagement-Training besuchte, in eine, die zusätzlich ein Coaching erhielt, und in eine Kontrollgruppe, die ohne Selbstmanagement-Training an der Weiterbildung teilnahm.

Wie ging es weiter in der Studie?
Anhand verschiedener Datenerhebungen konnten wir nachverfolgen, ob und wie die Lehrpersonen an ihren Zielen dranblieben und welche Entwicklungen sie im Bereich der Selbstregulation und des Wohlbefindens kurz- und langfristig machten – die Gruppen verglichen wir diesbezüglich miteinander. Zusätzlich prüften wir, inwiefern die Selbstregulation der Lehrpersonen mit Aspekten des Wohlbefindens wie emotionaler Erschöpfung und dem beruflichen Engagement zusammenhängt. Ob also die Annahme zutrifft, dass eine Stärkung der Selbstregulation die Lehrpersonen unterstützt, mit den vielfältigen Anforderungen im Beruf gut umzugehen, was wiederum zu verbessertem Wohlbefinden führt. Dem gingen wir in unserem Forschungsartikel auf den Grund.

Forschungsartikel «Why coaching matters»

Ein Teil der Ergebnisse der Studie «Die Kunst, sich als Lehrperson selbst zu managen» wurde im Paper «Frontiers in Psychology» publiziert.

Welches sind die zentralen Erkenntnisse der Studie?
Spannend war vor allem, dass sich vordergründig keine direkten Effekte zeigten – in dem Sinne, dass sich die Selbstregulation zum Beispiel bei der Trainingsgruppe verbesserte und bei der Coachinggruppe dann noch mehr. Auch auf die erlebte Belastung hatte das Training keinen direkten Einfluss. Was wir aber sehen konnten: dass die Gruppe mit Coaching häufiger an ihren Zielen dranblieb als die Gruppe ohne Coaching und sich insgesamt etwas anders verhielt. Bei den Analysen zum Einfluss der Selbstregulation auf das Wohlbefinden sahen wir signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen. Es zeigte sich, dass sich nur in der Gruppe mit Coaching die Selbstregulation positiv sowohl auf die Erschöpfung als auch auf das Engagement auswirkte: In dieser Gruppe führten bessere selbstregulative Kompetenzen zu einer tieferen emotionalen Erschöpfung und gleichzeitig zu einem höheren beruflichen Engagement. Das heisst: Selbstregulation kann tatsächlich eine persönliche Ressource in Bezug auf das Wohlbefinden sein – vorausgesetzt, sie wird aktiviert und unterstützt.

Wie interpretieren Sie diese Zusammenhänge?
Wir gehen davon aus, dass die intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Selbstregulation und mit persönlich bedeutsamen Zielen längerfristig die Wahrnehmung beruflicher Belastungen und den Umgang damit verändern kann. Für uns eine zentrale Erkenntnis ist daher, dass die zusätzliche Unterstützung durch das Coaching ein wichtiger Baustein ist, um das Training nachhaltig wirksam zu machen. Das Coaching unterstützte darin, auch im hektischen Berufsalltag an den Zielen dranzubleiben. Zudem konnten die Coaches auf die individuellen Herausforderungen eingehen und bei der Anwendung der erlernten Methoden helfen.

Welche Empfehlungen leiten Sie aus diesen Erkenntnissen für Berufseinsteiger:innen ab?
Dass sich die Auseinandersetzung mit der eigenen Selbstregulation und das Dranbleiben an der professionellen Weiterentwicklung tatsächlich lohnt, indem es längerfristig Belastung verringern und das Engagement und die Motivation im Beruf stärken kann. Auch wenn dies zunächst mehr Engagement erfordert, macht es längerfristig einen Unterschied für das Wohlbefinden, was angesichts einer eher hohen Grundbelastung bei Lehrpersonen wichtig ist. Es ist sinnvoll, dass sich Lehrpersonen mit dem eigenen Arbeitsverhalten und mit Stressbewältigung beschäftigen, sich diesbezüglich Ziele setzen, sich weiterbilden oder eben Unterstützung in Form eines Coachings holen. Unsere Ergebnisse lassen darauf schliessen, dass es nicht reicht, positiv eingestellt zu sein respektive lediglich Veränderungswünsche zu formulieren. Vielmehr sollte man sich konkrete Ziele setzen, sich auch mit den Hindernissen in der Zielverfolgung beschäftigen sowie Strategien erarbeiten, wie man diese Hürden überwindet. Das kann man zum Beispiel mit der WOOP-Strategie, die wir ins Training integrierten. Und natürlich ist es hilfreich, wenn Lehrpersonen dabei begleitet werden, sei dies mit einem Coaching oder auch niederschwellig im Team.

Coaching- und Beratungsangebote

  • Lehrpersonen
  • Lehrpersonen
  • Dozierende
  • Führungspersonen

Zur Person