Auslandserfahrung : «Wir werden dazu veranlasst, unsere Stereotype aufzubrechen»
Das Studium an der PH Zürich bietet vielfältige Profilmöglichkeiten, auch im Bereich des internationalen Austauschs. So können Studierende der Sekundarstufe I mit dem Wahlbereich Globales Lernen einen zusätzlichen Schwerpunkt im Masterstudium setzen. Dabei wirken sie bei Projekten der Abteilung Internationale Bildungsentwicklung der PH Zürich mit und erhalten so detaillierte Einblicke in Themen der internationalen Bildungszusammenarbeit.
Ein konkretes Beispiel hierfür ist das Blended Intensive Programme «Global Learning through International Exchange», das gemeinsam mit der Universität Ss. Cyrill und Methodius in Skopje durchgeführt und dabei vom International Office der PH Zürich und der nationalen Agentur Movetia unterstützt wurde. Während einer Woche besuchten zwölf PHZH-Studierende verschiedene Projekte in Nordmazedonien, zum Beispiel «Sustainable Democratic Culture (SUDECU)» in Kriva Palanka oder die Abschlusskonferenz des Projekts «Play and Life Skills (PALS)» in Skopje. Dabei tauschten sich die Studierenden nicht nur mit angehenden Lehrpersonen und lokalen Politiker:innen aus, sondern erhielten auch einen vertieften Einblick in die Kultur und Geschichte Nordmazedoniens.

Nadine Ritzer, Séverine Chuffart Balmer und Samir Boulos von der Abteilung Internationale Bildungsentwicklung organisierten und begleiteten den Austausch mit Nordmazedonien. Im Interview geben sie Auskunft über die Chancen der internationalen Zusammenarbeit und den Mehrwert des Wahlbereichs Globales Lernen für künftige Lehrpersonen.
Nadine Ritzer und Samir Boulos, wie beispielhaft sind die beiden Projekte PALS und SUDECU für die internationale Bildungszusammenarbeit?
Samir Boulos: PALS zeigt exemplarisch auf, was ein Projekt in der internationalen Bildungszusammenarbeit alles beinhalten kann. Dies gilt einerseits in Bezug auf die vielfältigen Outputs: ein Manual mit Unterrichtsmaterialien und Videos, Ausbildungsmodule, Weiterbildungsworkshops für Dozierende und Lehrpersonen sowie eine Begleitforschung. Andererseits ist PALS auch beispielhaft für den Prozess der Zusammenarbeit: Wir haben gemeinsam mit Partnerinstitutionen in Nordmazedonien und Serbien Inhalte entwickelt zur Verbindung von Spiel und Life-Skills für Kinder im Alter zwischen 4 und 8 Jahren. Dies entspricht dem Bedürfnis in den Ländern, in dieser Thematik die pädagogisch-didaktischen Kompetenzen der Dozierenden, der Lehrpersonen und der Studierenden zu fördern. Die Inhalte wurden auf unterschiedlichen Ebenen umgesetzt. Erstens auf der Ebene des Bildungsministeriums, welches das entwickelte PALS-Manual auf seiner Website verfügbar macht und so öffentlich unterstützt. Zweitens auf der Ebene der Partnerhochschulen, welche die PALS-Inhalte in ihr Curriculum integrierten. Und drittens auf der Ebene der Schulen, wo die Schüler:innen von den neuen Fertigkeiten ihrer Lehrpersonen profitieren.
Nadine Ritzer: Das Projekt SUDECU ist noch nicht abgeschlossen, dafür erhielten die Studierenden Einblicke in die laufende Projektarbeit und die damit verbundenen Beziehungen und Aktivitäten.

Wie bereichern Austauscherfahrungen im Rahmen des Wahlbereichs Globales Lernen die Ausbildung der Studierenden an der PH Zürich?
Nadine Ritzer: Durch das Kennenlernen anderer Regionen und kultureller Kontexte lernen wir, auch unser eigenes Umfeld mit offeneren Augen anzuschauen, unsere eigene Lebenswelt zu hinterfragen und der Heterogenität unserer Schüler:innen mit mehr Verständnis zu begegnen. Ausserdem ist jeder Austausch eine Gelegenheit, voneinander zu lernen und sich inspirieren zu lassen. Ein konkretes Beispiel hierzu wäre der Seniorinnentreff in Kriva Palanka. Wir alle konnten die Freude der Teilnehmerinnen direkt spüren und ich fragte mich «Wieso bauen wir sowas eigentlich nicht auch bei uns auf?».
Samir Boulos: Zudem finde ich, dass wir dank vielfältigen Begegnungen die Gesellschaft um uns herum kritischer betrachten können. Wir werden dazu veranlasst, unsere Stereotype aufzubrechen und uns zu fragen, was für mich «normal» ist.
Wie gehen Sie bei Projekten und Besuchen in anderen Ländern mit den unterschiedlichen Konventionen, Werten und Normen um?
Nadine Ritzer: Wir informieren uns vorab. Ohne den geschichtlichen Hintergrund zu kennen, kann man eine Region meiner Meinung nach nicht lesen. Grundlage bildet das Wissen über die historischen Entwicklungen, über die Vergangenheit und Gegenwart eines Landes. Zugang findet man aber auch über Kunst oder Literatur.
Samir Boulos: Ausserdem besprechen wir uns im Vorfeld mit unseren Partner:innen vor Ort, um nicht in Fettnäpfchen zu treten. So habe ich mich beispielsweise erkundigt, welche Kleidervorschriften für ein Treffen mit den lokalen Behörden in Kriva Palanka gelten.
Nadine Ritzer: Abgesehen von der Vorbereitung sollte man auf jeden Fall offen und stets respektvoll mit allen Menschen umgehen – egal, ob wir gerade in einem anderen Land oder zu Hause sind.


