Tagung «Forschen und Fragen» : Über kunstpädagogische Selbstverständlichkeiten nachdenken
Im Zentrum der Tagung «Forschen und Fragen» am 21. Juni 2024 stehen die Fachentwicklung und das Netzwerk. Akteur:innen aus der Fachdidaktik Künste und der Kunstpädagogik treffen sich und denken gemeinsam über fachspezifische Fragestellungen und Forschungsschwerpunkte nach. Einblick in aktuelle Forschungsprojekte geben sechs Fachdidaktiker:innen und Kunstpädagog:innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Auch Anna Schürch, Dozentin für Art Education im Departement Kulturanalysen und Vermittlung der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), stellt ein aktuelles Forschungsprojekt vor. Katharina Eugster, Studiengangsleiterin des Master Fachdidaktik Künste der PH Zürich, erklärt davon ausgehend, wie die Erkenntnisse aus der Tagung in den Joint-Degree-Masterstudiengang Fachdidaktik Künste einfliessen.
Anna Schürch, womit befasst sich das Referat «Kunstpädagogisches Wissen verhandelbar machen»?
Das gleichnamige Forschungsprojekt befasste sich mit der Frage «Was passiert, wenn wir anfangen, über fachliche Dinge als Selbstverständlichkeiten nachzudenken?». Es fragte danach, wie disziplinäre Evidenzen sowie routinierte Denk- und Arbeitsweisen überhaupt in den Blick genommen werden können. Wir forschten dazu von Juni 2022 bis Januar 2024 an der ZHdK und in Zusammenarbeit mit vier Lehrpersonen für Bildnerisches Gestalten.
Können Sie ein Beispiel einer kunstpädagogischen Selbstverständlichkeit nennen?
Ein Beispiel einer fachlichen Selbstverständlichkeit, über das wir immer wieder nachgedacht haben, ist das Skizzenbuch als Arbeitsinstrument im Kunstunterricht. Diese Bücher oder Hefte sind schon im Studium beliebt und haben einen hohen Stellenwert. Sie suggerieren einen Raum, der dazu einlädt, gestalterischen tätig zu werden und Ideen freien Lauf zu lassen oder aber sich anregen zu lassen beim Blättern durch die Sammlung von bereits entstandenen Skizzen. Auch im Unterricht werden sie verbreitet eingesetzt und gelten als wertvolle Hilfe, um Prozesse sichtbar zu machen und zu dokumentieren.
Und was passiert, wenn man damit anfängt, über solche fachlichen Dinge als Selbstverständlichkeiten nachzudenken?
Sobald wir das Skizzenbuch als fachliche Selbstverständlichkeit betrachten, verliert es ein Stück weit diese ungebrochene Gültigkeit. Wir beginnen uns vielmehr zu fragen, was diese Instrumente eigentlich ausmacht, welche Vorannahmen und Versprechen wir damit verbinden. Und auf Basis solcher Reflexion kann noch einmal entschieden und justiert werden, ob und, wenn ja, wie mit solchen Skizzenbüchern gearbeitet werden soll und sich diese Verwendung allenfalls differenzieren liesse.
Katharina Eugster, wie fliessen Erkenntnisse aus der Fachtagung in den Masterstudiengang Fachdidaktik Künste ein?
Da sowohl die Fachdidaktik Künste als auch die Kunstpädagogik noch relativ junge Disziplinen sind, ist es uns wichtig, einige sehr aktuelle Forschungsprojekte vorzustellen. Sie sollen den Studierenden Mut machen, ihre eigenen, interessengeleiteten Projekte zu realisieren und verschiedene Forschungsansätze und Herangehensweisen kennenzulernen. An der Tagung ist zudem das Netzwerk zentral. Die Studierenden lernen verschiedene Akteur:innen ihres beruflichen Umfelds kennen, was ihnen bei den bevorstehenden Masterarbeiten sowie für ihre berufliche Zukunft hilft. Die Abteilung Master Fachdidaktik der PH Zürich will sowohl für die Studierenden als auch für die Dozierenden der Fachdidaktik Künste und der Kunstpädagogik und für alle Interessierten einen Beitrag zur Pflege und Vertiefung des Netzwerks leisten.


