MENSCHENAusgabe 1/2026 : Im fremden Klas­sen­zim­mer

Sie studieren ein oder zwei Semester an der PH Zürich und hospitieren dabei auch an Zürcher Schulen. «Akzente» fragt nach, wie Austauschstudierende den Schulalltag bei uns erleben.

Texte: Eveline Jehle, Fotos: Sophie Stieger

Ein Porträtbild von Ciara Conlon
CIARA CONLON «Das Klassenzimmer ist fantastisch, und mitten im Raum steht ein Sofa», erzählt Ciara Conlon begeistert. Die Studentin aus Irland verbringt während ihres Mobilitätssemesters einen Tag pro Woche in einer sechsten Klasse der Primarschule Uster. Ihr gefällt, dass die Schüler:innen in der Schweiz sehr selbstständig sind – und neugierig. «Sie interessieren sich für Irish Dance, aber auch für Musik und Essen in Irland», so die Studentin. «Und ich staune, wie international die Klasse ist und wie offen die Schüler:innen über ihre Herkunft reden.» Von der Lehrperson fühlt sie sich sehr gut unterstützt. «Er hat mich beruhigt und darin bekräftigt, die Chance für neue Erfahrungen zu nutzen.» Er lasse ihr viel Freiraum und unterstütze sie gleichzeitig mit positivem Feedback. «Das hat mein Selbstvertrauen enorm gestärkt», hält sie dankbar fest.
Ein Porträtbild von Martí Casado Pagà
MARTÍ CASADO PAGÀ «Schule funktioniert in der Schweiz ein bisschen anders als in Spanien», stellt Martí Casado Pagà fest. Der Student aus Spanien ist einer von dreizehn Mobilitätsstudierenden, die im Herbstsemester 2025 an einer Schule im Kanton Zürich hospitieren – in seinem Fall an der Primarschule Kilchberg. «In der Schweiz läuft der Unterricht individueller ab, die Kinder arbeiten selbstständiger und mehr in ihrem eigenen Tempo als in Spanien», so der Student. Wenn es den Kindern etwa zu laut wird, nehmen sie sich einfach einen Kopfhörer – das kannte er so nicht. «Klar gibt es gewisse Einschränkungen durch die fehlenden Sprachkenntnisse, aber die Lehrperson nimmt sich viel Zeit, um sich mit mir auszutauschen und Einblick in den Schultag zu gewähren – das schätze ich sehr.»
Ein Porträtbild von Sarah Kieffer
SARAH KIEFFER «Was mir sofort aufgefallen ist: Die Kinder arbeiten viel mit den Händen und sie erhalten viel Raum, um Neues auszuprobieren.» Sarah Kieffer kommt aus Luxemburg und verbringt einen Tag pro Woche in einem Kindergarten der Schule Rafz. In ihrer Heimat Luxemburg studiert sie für die Eingangs- und Primarstufe und hat bereits mehrere Schulpraktika absolviert. «Mir gefällt, wie hier der Fokus auf die sprachliche Integration gelegt wird», beobachtet die Studentin. Auch der Umgang mit den Kindern sei anders als zu Hause. «Hier erforschen wir gemeinsam die Welt und die Kinder werden ermutigt, mit allen Sinnen Neues zu entdecken.» Sie spüre, dass sich die Kinder dabei wohlfühlten. Gleiches gelte für sie selbst: «Meine Praxislehrperson begegnet mir auf Augenhöhe und ermutigt mich, neue Erfahrungen zu sammeln.»
Ein Porträtbild von Tetta Yamamoto
TETTA YAMAMOTO «Die fehlenden Deutschkenntnisse haben mir schon etwas Sorgen bereitet, zum Glück sprechen die Sekundarschüler:innen alle sehr gut Englisch.» Tetta Yamamoto aus Japan studiert zwei Semester an der PH Zürich. Er schätzt die Möglichkeit, einmal wöchentlich praktische Erfahrung im Klassenzimmer zu sammeln. Zumal es hier ziemlich anders zu und her geht als in Japan. Der Wandel vom lehrerzentrierten hin zum lernendenzentrierten Unterricht findet in seiner Heimat erst langsam statt. «Zuhause muss ich im Anzug und mit Krawatte unterrichten, überhaupt ist alles weniger strikt hier in der Schweiz.» Die Schüler:innen seien deswegen aber nicht weniger ernst bei der Sache, was ihm sehr gefalle. «Ich erhalte regelmässiges Feedback von meiner Lehrperson an der Sekundarschule Rychenberg. Damit fühle ich mich gut gerüstet, um zum Wandel in Japan beizutragen.»