Diversity in Engagement. Studienanforderungen im ersten Semester:  Das Erstsemestererleben von Studierenden in zwei professionsorientierten Studiengängen

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Diese Studie untersucht an zwei professionsorientierten Studiengängen (Lehramt, Physiotherapie), welche Studienanforderungen Studierende im ersten Semester als bedeutsam erleben und in welchem Zusammenhang dies zum Engagement fürs Studium steht.

Inhalt dieser Seite

Steckbrief

Projektleitung
Franziska Zellweger Moser (PHZH)
Projektteam
Lena Götz (PHZH, ehemalige Mitarbeiterin), Albiona, Hajdari (UZH, Institut für Erziehungswissenschaft), Iris Hauser (ZHAW Gesundheit, Institut für Physiotherapie), Cécile Ledergerber (ZHAW Gesundheit, Institut für Physiotherapie), Hannah Gabriela Schädler (PHZH, studentische Mitarbeiterin)
Organisationseinheit
F-BW (Bildungswissenschaftliche Forschung)
Projektphase
Abgeschlossen (31.8.2022 – 30.6.2025)
Projekttyp
Forschungs- und Entwicklungsprojekt
Finanzierung
PH Zürich
Beteiligte Institutionen
Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW)

Beschreibung

Der Start ins Studium ist für viele eine grosse Herausforderung, bei der es nicht nur ums Lernen geht, sondern auch darum, sich an der Hochschule einzuleben. Die Forschung beschäftigen sich damit, wie Studierende diesen neuen Lebensabschnitt meistern und wie ihre Erfahrungen den weiteren Studienerfolg beeinflussen. Sowohl persönliche Eigenschaften wie Selbstregulation und Motivation als auch die Unterstützung durch die Hochschule spielen dabei eine Rolle. Vor dem Hintergrund einer diverseren Studierendenschaft wird in diesem Projekt den Spezifika professionsorientierter Studiengänge in der Schweiz nachgegangen. Studiengänge in der Lehrer:innenbildung oder den Gesundheitsberufen unterscheiden sich von akademisch orientierten Bachelorprogrammen, indem Studierende über eine starke berufliche Motivation verfügen, die Studiengänge meist längere Praktikumsphasen wie auch Lehrformate beinhalten, die auch berufsorientierte Kompetenzen fördern. In diesem Kontext untersucht das Projekt, wie Studienanfänger:innen diese Herausforderungen erleben und was sie benötigen, um erfolgreich zu sein.

Teilprojekt 1: Das Erstsemestererleben in zwei professionsorientierten Studiengängen

In diesem Teilprojekt wurden anhand von Fokusgruppeninterviews die inhaltlichen, organisatorischen, personalen und sozialen Studienanforderungen im ersten Semester untersucht. Dabei stand das Erleben von Studierenden zweier professionsorientierter Studiengänge (Ausbildung zur Sekundarlehrperson respektive Physiotherapeut:in) im Fokus. Diese bauen in dieser Transitionsphase sowohl eine akademische als auch eine professionsorientierte Identität auf.

In professionsorientierten Studiengängen zeigt sich die berufliche Orientierung in hohen Eigenerwartungen im Umgang mit Wissen und der Betonung der beruflichen Relevanz der Lernaktivitäten. Studierende sind im gleichzeitigen Aufbau einer studentischen und professionellen Identität gefordert.

Zwischen der sozialwissenschaftlich ausgerichteten Lehrer:innenbildung und der naturwissenschaftlich geprägten Physiotherapie bestehen Unterschiede hinsichtlich der Reflexion und der Hinterfragbarkeit von Wissen. Dies wird sichtbar in den Erwartungen an das Studium, den vertretenen Normen und im Narrativ, welches die Studiengänge begleitet. Massnahmen zur Stärkung der akademischen und sozialen Integration müssen diese Spezifika berücksichtigen.

Teilprojekt 2: Die Kraft von Metaphern

In diesem Teilprojekt wurde untersucht, wie Studierende ihr Erstsemestererleben in einer Metapher ausdrücken und inwiefern darin Agency im Sinne der eigenen aktiven Mitgestaltung der Transition in die Hochschule sichtbar wird.

Anknüpfend an die Fokusgruppen wurde zu Beginn des zweiten Semesters (Frühjahrssemester 2023) eine schriftliche Befragung in drei Studiengängen durchgeführt, in welcher Studierende im Rahmen einer offenen Fragestellung ihr Erstsemestererleben mit einer Metapher beschrieben. Mit einem Teil der eingegangenen Metaphern wurden Einzelanalysen durchgeführt und schliesslich wurde in einem zweiten Schritt das gesamte Material von 179 Metaphern induktiv kodiert.

Die Analyse ergab Hinweise auf ein vielfältiges Erleben. Die folgenden Themen stellten die Studierenden in den Vordergrund:

Kernthemen Präzisierung
Orientierung Zurechtfinden, Zu Beginn Übersicht in den vielen Informationen schaffen. Schwierigkeiten, Ziele zu setzen und Aktivitäten zu priorisieren In wenigen Fällen Passung des Studiums und der Suche der eigenen Rolle.
Auf- und Ab Achterbahn als dominantes Bild. Schwankungen über das ganze Semester bezüglich emotionalen Höhen und Tiefen sowie unterschiedlichen Tempi/​Belastung Aktive Entscheidung einzusteigen, während der Fahrt geringe Einflussnahme.
Kraftakt Grosser Kraftakt bzw. existentieller Kampf, die Kräfte reichen kaum oder nicht. Raue Bedingungen und dabei fehlendes oder falsches Equipment. Hohe Grundspannung, fehlende Pausen.

Sportliche Herausforderung

Start als deutliche Herausforderung, erfordert Anstrengung. Die Herausforderung scheint bewältigbar. Erkennbare Fortschritte und das Gefühl «Angekommen zu sein».
Überraschung Anders als erwartet oder schwer vorstellbar, wie es sein wird (Wagnis). Positiv (staunen, weniger schlimm) wie negativ überrascht (Schock, ins kalte Wasser).

Die Metaphernanalyse macht deutlich, wie unterschiedlich handlungsmächtig sich die Studierenden selbst wahrnehmen. Während einige Studierende verdeutlichen, wie sie sich über die Zeit Wege und Lernstrategien entwickelten, um die Anforderungen zu bewältigen, dominierte bei vielen Studierenden das Gefühl, ausgeliefert zu sein. Die Ergebnisse zeigen eine Vielfalt des Erstsemestererlebens und verdeutlichen, dass der Start in die Hochschule für die Mehrheit der Studierenden eine deutliche Herausforderung darstellt.

Die Arbeit mit Metaphern ist ein vielversprechender Zugang, um das Erstsemestererleben sichtbar und diskutierbar zu machen.

Poster mit Erkenntnissen im Überblick

Teilprojekt 3: Metaphern nutzen, um Agency im ersten Semester zu stärken

Auf der Basis der Erkenntnisse der Metaphernanalyse wurden im Herbstsemester 2025 Kurzinterventionen (60 Minuten) innerhalb von Mentoratssitzungen umgesetzt. Es wurden Erfahrungen gesammelt, wie Metaphern zur Reflektion und als Werkzeug genutzt werden können. Studierende sollen Übergänge verstehen und wissen, dass vielfältige Anforderungen zu bewältigen sind. Sie sollen eigene Erfahrungen mit Mitstudierenden reflektieren und persönliche oder institutionelle Ressourcen mobilisieren. Die Intervention wird evaluiert und basierend auf den Rückmeldungen von Studierende als auch Dozierenden weiterentwickelt. Unterrichtsmaterialen werden aufbereitet und zur Verfügung gestellt.

Kontakt

Porträtfoto von Prof. Dr. Franziska Zellweger Moser

+41 43 305 63 56