Buch-Neuerscheinung : Multiprofessionelle Teams stärken
Kollektive Partizipation von Schüler:innen und von Lehr- und weiteren Fachpersonen verlangt von inklusiven Schulen einen gezielten Entwicklungsprozess und eine tragfähige Handlungspraxis. Das geschieht bevorzugt und traditionell durch die Zusammenarbeit spezialisierter Berufsgruppen in multiprofessionellen Teams, geführt von Schulleiter:innen. Mit den Herausforderungen, die sich den Schulleitungen stellen, befasst sich das Buch «Multiprofessionelle Teams stärken». Mitautorin und PHZH-Dozentin Silvia Pool Maag gibt Auskunft.
Silvia Pool Maag, warum sollte eine zeitgemässe Pädagogik nicht auf Inklusion verzichten?
Schulische Inklusion befähigt zum Umgang mit heterogenen Lerngruppen; die Schweiz als pluralistisches Land benötigt eine solche Handlungskompetenz an Schulen. Die Schule hat eine gesellschaftliche Integrationsfunktion. Schulische Inklusion macht sichtbar, worin diese Aufgabe besteht, und ermöglicht, dafür Verantwortung zu übernehmen.
Mit welchen Herausforderungen sehen sich Schulleiter:innen an inklusiven Schulen konfrontiert?
In der Schweiz ist jede Schule eine inklusive Schule. Aufgrund des Bevölkerungswachstums hat die Schülerschaft im Kanton Zürich seit den 2000er Jahren um 20 Prozent zugenommen. Deshalb fehlt es an qualifiziertem Lehrpersonal an Schulen, Klassen wurden grösser und im Schulzimmer ist es enger geworden. Diese Situation kann zu Belastungen führen. Schulen neigen – wie andere Systeme – zu professionellen Ausdifferenzierungsprozessen. An Schulen wird für jeden pädagogischen Bedarf eine vom Kerngeschäft Unterricht entkoppelte Massnahme geschaffen. Gerade in Belastungssituationen wird darin Entlastung gesucht, bis die vermeintliche Entlastung zum Bumerang wird und dazu führt, dass Klassenlehrpersonen zu Massnahmen-Managerinnen werden, wo sie doch Lehrpersonen sein wollten. Aus dieser Rolle können Lehrpersonen mit Unterstützung der Schulleitung aussteigen.
Inwiefern stärkt das Buch Schulleitungen im schulischen Alltag?
Es zeigt Schulleitungen auf, dass es eine Ausstiegsmöglichkeit aus der eben skizzierten Situation gibt und sie darin eine Schlüsselrolle spielen können. Das Buch holt Schulleitungen mit Episoden aus der Praxis in ihrem Arbeitsalltag ab und bietet Argumente für die Gestaltung ihrer Schlüsselrolle sowie konkrete Ansätze zur Gestaltung multiprofessioneller Praxis in Form von Handlungsimpulsen – um morgen damit beginnen zu können.


