Projekt FOYER : Austausch über Jugendarbeit in Tunesien und der Schweiz

Eine Delegation aus Tunesien besuchte letzte Woche die PH Zürich, um sich über die Jugendarbeit und die Entwicklung von Selbstkompetenzen auszutauschen. Zwei Jugendclub-Leiterinnen aus Tunesien sowie eine Studentin der PH Zürich berichten über ihre Erfahrungen.

Dienstag, 8. April 2025

Vom Besuch eines lokalen Jugendzentrums über Diskussionen zu den Strukturen der Jugendarbeit in der Schweiz und Tunesien bis hin zu praktischen Aktivitäten wie Kochen, Tanzen oder Singen: Die tunesische Delegation, die letzte Woche die PH Zürich besuchte, tauchte in alle Aspekte der Jugendarbeit ein. Im Rahmen des Projekts «Fostering Self-Competences in Tunisian Youth Centers» (FOYER) nahmen Mitarbeitende der NGO iiDebate, Jugendclub-Leiterinnen des Jugendzentrums Jedaida in Manouba sowie Akademiker:innen der Université de Tunis gemeinsam mit Studierenden und Mitarbeitenden der PH Zürich an Workshops zu Jugendarbeit und Selbstkompetenzen teil.

Die Delegation des FOYER-Projekts mit Mitarbeitenden der Abteilung Internationale Bildungsentwicklung der PH Zürich.
Die Delegation des FOYER-Projekts mit Mitarbeitenden der Abteilung Internationale Bildungsentwicklung der PH Zürich

Der Besuch, der Teil einer Reihe von Workshops im Rahmen des FOYER-Projekts ist, drehte sich um den Austausch über Dynamiken und effektive Methoden der Jugendarbeit. Darüber hinaus lag ein besonderer Schwerpunkt auf praktischen Ansätzen zur Förderung von Selbst- und Sozialkompetenzen sowie kritischem Denken.

Da Jugendzentren eine wichtige Rolle bei der persönlichen Entwicklung, der sozialen Integration und der nicht-formalen Bildung junger Menschen in Tunesien spielen, erforscht das FOYER-Projekt der PH Zürich Möglichkeiten, wie ein Programm zur Förderung von Selbst- und Sozialkompetenzen junge Menschen angesichts der anhaltenden politischen Veränderungen und wirtschaftlichen Unsicherheiten unterstützen kann.

Emna Ayari, Kenza Ghariani und Laura Kockelkorn (von links nach rechts)
Emna Ayari, Kenza Ghariani und Laura Kockelkorn (von links nach rechts)

Laura Kockelkorn, Studentin auf der Sekundarstufe I an der PH Zürich, hat im Rahmen des Wahlbereichs «Globales Lernen» zum Programm des Besuchs beigetragen. Kenza Ghariani und Emna Ayari sind Leiterinnen des Jugendzentrums Jedaida. Im folgenden Interview geben sie einen Einblick in das Projekt und ihren Austausch.

Was waren Ihre Erwartungen für diese Woche?
Laura Kockelkorn: Ich habe letztes Jahr im Rahmen des PEER-Net-Projekts an einem Austausch mit Studierenden aus dem Kosovo teilgenommen. Daher erwartete ich, dass dieser Besuch ähnlich ablaufen würde, obwohl ich wusste, dass wir dieses Mal Jugendarbeiter:innen statt angehende Lehrpersonen treffen würden. Da ich noch nie in Tunesien war, war ich sehr aufgeregt, Menschen aus einer Kultur zu treffen, über die ich sehr wenig wusste.

Kenza Ghariani: Vor der Besuchswoche hatten wir bereits eine Vorstellung vom Programm der Workshops und des Austauschs. Ich erwartete deshalb, dass alles so ablaufen und einfach auf dem aufbauen würde, was ich schon wusste.

Emna Ayari: Abgesehen von der Begegnung mit den Studierenden und den Mitarbeitenden der PH Zürich, auf die ich mich sehr freute, erwartete ich, mehr über Führungs- und Kommunikationsfähigkeiten zu lernen und meine Erfahrungen als Leiterin unseres Jugendzentrums weiterzugeben.

Mitglieder der FOYER-Delegation bei einem Workshop
Mitglieder der FOYER-Delegation bei einem Workshop

Was hat Sie überrascht?
Laura Kockelkorn: Ich wusste, dass Kenza und Emna das Jugendzentrum Jedaida leiten. Hier in der Schweiz sind die Leute in den Jugendzentren normalerweise achtzehn Jahre oder jünger. Aber sie waren beide etwa in meinem Alter, was mich überraschte. Ich war auch von ihrer Herzlichkeit und Aufgeschlossenheit beeindruckt.

Kenza Ghariani: Ich war überrascht, wie viel tiefgründiger die Diskussionen und Aktivitäten waren, als ich nach der Lektüre des Programms erwartet hatte. Eine Sache, die mir besonders auffiel, war ein Ansatz zur Problemlösung, der sich mehr auf Zusammenarbeit und Feedback als auf individuelle Anstrengungen konzentrierte, was für mich neu war.

Emna Ayari: Ich war überrascht von der Einfachheit der Aktivitäten, die wir ausprobierten, und der Wirkung, die sie hatten. Es hat mir gezeigt, dass insbesondere einfache Dinge sehr wichtig sein können und eine bemerkenswerte Wirkung auf die Zusammenarbeit und die Kommunikation innerhalb einer Gruppe haben können.

Welche neuen Ansätze wollen Sie in Ihre eigene Arbeit einfliessen lassen?
Laura Kockelkorn: Letzte Woche sprachen wir über handlungsorientiertes Lernen im Vergleich mit anweisungsbasiertem Lernen und darüber, dass Letzteres manchmal die bequemere Option ist, da handlungsorientiertes Lernen Vertrauen in den Prozess erfordert sowie die Fähigkeit, mit Fehlern umzugehen. Ich persönlich habe manchmal Probleme damit, wenn etwas nicht so läuft wie geplant. Die Leitung eines Musikworkshops letzte Woche und das Verlassen meiner Komfortzone haben mir das Vertrauen gegeben, handlungsorientiertes Lernen weiterhin in meine eigene Arbeit als Lehrerin einzubauen.

Kenza Ghariani: Die verschiedenen praktischen Aktivitäten im Rahmen unseres Besuchs waren definitiv inspirierend, und ich habe vor, mehr handlungsorientierte Lektionen und Workshops mit einem besonderen Fokus auf kritischem Denken in meine Arbeit als Jugendclubleiterin einzubauen.

Emna Ayari: Die Workshops und das Programm an der PH Zürich haben mir viele Anregungen für Aktivitäten gegeben, die ich in Zukunft umsetzen möchte. Da das Programm Themen wie Social Media, Fake News, Selbstmanagement, aber auch Musik, Geschichte und Making umfasste, gibt es eine Vielfalt an Themen und Ansätzen, die ich in meiner eigenen Arbeit weiterverfolgen möchte.

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Porträtfoto von Doris Kuhn

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