Datenschutztag : Künstliche Intelligenz: Was passiert? Wer bestimmt?
Seit 2007 wird auf Initiative des Europarats jährlich am 28. Januar der Europäische Datenschutztag begangen. Die Datenschutzbeauftragte des Kantons Zürich organisierte dazu am 28. und 29. Januar 2024 das öffentliche Festival «Künstliche Intelligenz – Mitbestimmen statt mitlaufen» mit Filmbeiträgen, Workshops und Referaten im Kino Frame in Zürich. Flurin Senn, Dozent für Medienbildung und Informatik der PH Zürich, äusserte sich als Podiumsgast zu den Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz auf Bildung und Gesellschaft.
Flurin Senn, welche Kompetenzen sind künftig gefragt, wenn die künstliche Intelligenz zu unserem Alltagsbegleiter wird?
Die Menschen müssen fähig sein, die Potenziale und Herausforderungen der Technologie zu erkennen, einzuschätzen und kritisch zu bewerten, um selbstbestimmt und sozial verantwortlich mit den Möglichkeiten der Anwendungen umgehen zu können. Dazu ist die medienpädagogische Bildung ein unverzichtbares Gut.
Was verstehen Sie konkret unter medienpädagogischer Bildung?
In der schulischen Medienbildung sind zwei Ebenen relevant: die medienpädagogische Kompetenz der Lehrperson und die Förderung der Medienkompetenz der Schüler:innen. Die Lehrpersonen brauchen vielfältige Kompetenzen in Bereichen wie Mediendidaktik, Mediensozialisation und Medienerziehung. Wenn beispielsweise eine Lehrperson Formen und Merkmale von personalisierter Werbung thematisieren will, braucht sie neben dem entsprechenden Fachwissen auch Kenntnisse, wo die Schüler:innen in ihrem Medienhandeln solchen Werbeformen begegnen und ob und wie sie diese wahrnehmen. Bei Kindern und Jugendlichen steht die Sensibilisierung für Chancen und Herausforderungen im Umgang mit Medien und aktuellen digitalen Phänomenen im Fokus. Ziel ist, dass die Heranwachsenden lernen, sachgerecht, kritisch, selbstbestimmt, sozial verantwortlich und kreativ mit Medien und deren Angeboten umzugehen.
Wo sehen Sie Risiken und Gefahren für die Gesellschaft?
Da technologische Innovationen im Bereich der Künstlichen Intelligenz sehr vielfältige Anwendungsmöglichkeiten bieten, werden wir immer wieder mit ethischen Dilemmata konfrontiert sein. Es ist daher entscheidend, dass die Gesellschaft diese Entwicklungsprozesse und den Einsatz dieser Technologien aktiv mitgestaltet, sowohl auf rechtlicher und politischer Ebene als auch durch medienpädagogisch informierte Bürger:innen. Im Rahmen der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz ist gerade der Datenschutz ein bedeutendes Thema. In Kooperation mit der Datenschutzbeauftragten des Kantons Zürich gibt die PH Zürich die Lehrmittelreihe «Selbstbestimmt digital unterwegs» heraus, die den Schutz der Privatsphäre im Kontext der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen zum Thema macht und eine altersgerechte Vermittlung der Inhalte ermöglicht. Die Reihe wurde für alle drei Stufen der Volksschule konzipiert. Im Frühling 2024 erscheint der dritte und letzte Band als Online-Publikation.


