PEER-Net : Unterricht im globalen Austausch

Im Rahmen des Projekts PEER-Net gestalten schweizerische und ausländische Hochschulen gemeinsam ein Modul, das von Studierenden beider Länder besucht wird. Zum Start der Austauschbesuche geben eine kosovarische und eine schweizerische Studentin Einblick in ihre bisher gesammelten Erfahrungen.

Mittwoch, 21. Februar 2024

Von Windisch nach Assiut, von Gjakova nach Zürich und von Genf und Biel nach Tunis: Letzte Woche fanden die ersten Austauschbesuche des Projekts Peer Exchange Network in Teacher Education (PEER-Net) statt. Dabei entwickeln die PH Zürich und vier weitere Pädagogische Hochschulen in der Schweiz zusammen mit Hochschulen in Ägypten, Albanien, Kosovo und Tunesien Module, die Studierende beider Länder besuchen. Dozierende und Studierende erhalten dadurch nicht nur Einblicke in andere akademische Traditionen und Kulturen, sondern tauschen sich auch darüber aus, wie sie ihren Unterricht verbessern können.

An der PH Zürich stellt das PEER-Modul die erste Lehrveranstaltung im neuen Wahlbereich Globales Lernen für die Sekundarstufe I dar. Das Ziel dieses Bereichs ist es, globale Kompetenzen zu fördern und eine Brücke zwischen den internationalen Projekten der Abteilung für Internationale Bildungsentwicklung der PH Zürich und dem zukünftigen Arbeitsfeld der Studierenden zu schlagen.

Foto von Sihana Kryeziu und Livia Pfäffli
Sihana Kryeziu und Livia Pfäffli

Sihana Kryeziu studiert im letzten Jahr ihres Pädagogik-Bachelors an der Universität Gjakova im Kosovo, Livia Pfäffli ist im dritten Jahr des Bachelorstudiums Sekundarstufe I an der PH Zürich. Beide besuchten letzte Woche gemeinsam das Modul «Quality Dimensions of Teaching in Switzerland and Kosovo» an der PH Zürich und berichten nun von ihren Erlebnissen.

Sihana Kryeziu und Livia Pfäffli, was war der Grund, weshalb Sie sich für dieses Modul angemeldet haben und welche Fragestellungen haben Sie mitgebracht?
Sihana Kryeziu: Zum einen wollte ich wissen, wie das Bildungssystem in der Schweiz funktioniert. Andererseits konzentrieren wir uns an meiner Universität zu Hause hauptsächlich auf Theorie. Aber von meinen Freundinnen und Freunden in der Schweiz wusste ich, dass die Schulen hier praxisorientierter arbeiten, weshalb ich neugierig war, das mit meinen eigenen Augen zu sehen.

Livia Pfäffli: Wie Sihana war auch ich neugierig, wie sich das Schulsystem im Kosovo von dem der Schweiz unterscheidet. Als angehende Sekundarschullehrerin interessiert es mich, welche Möglichkeiten jungen Menschen im Kosovo nach der Schule offen stehen. Zum Beispiel, welche Berufsfelder gefragt sind. Ausserdem gibt es in der Schweiz einige Schülerinnen und Schüler mit kosovarischen Wurzeln, und ich sah dieses Modul als eine Gelegenheit, mehr über ihren kulturellen Hintergrund zu erfahren.

Was bedeutet gute Unterrichtsqualität für Sie?
Sihana Kryeziu: Für mich basiert gute Unterrichtsqualität auf einer starken Verbindung zu den Schülerinnen und Schülern. Als Lehrperson muss man wissen, was die einzelnen Schüler:innen brauchen und wo ihre Stärken und Schwächen liegen. Ausserdem ist es wichtig, das Unterrichtsfach so aufzubereiten, dass es für die Schüler:innen zugänglich ist, und gleichzeitig auf Rückmeldungen und Anregungen zu hören.

Livia Pfäffli: Ich finde diese Frage schwierig zu beantworten. In meinem bisherigen Studium haben wir sehr unterschiedliche Antworten auf diese Frage erhalten, je nachdem, mit wem wir gesprochen haben. In diesem Modul haben wir gelernt, dass eine gute Unterrichtsqualität darin liegt, wissenschaftliches Wissen mit dem Vorwissen der Schülerinnen und Schüler zu verknüpfen. Aber wie Sihana schon sagte, ist es wichtig, erst eine gute Beziehung zu den Jugendlichen aufzubauen, um zu verstehen, was sie bereits wissen.

Welche Erkenntnisse aus dieser Woche werden Sie in Ihre Praxis übernehmen?
Livia Pfäffli: Indem ich sowohl Sihana wie auch andere Studierende aus dem Kosovo kennengelernt habe, kann ich den kulturellen Hintergrund einiger meiner Schüler:innen nun besser verstehen. Und ich denke, ich habe generell mehr über die verschiedenen kulturellen Hintergründe gelernt, mit denen Jugendliche und auch Eltern in die Schule kommen.

Sihana Kryeziu: Ich habe mit dem Gedanken gespielt, meinen Master an einer Universität im Ausland zu machen. Daher war dieser Austausch eine grossartige Möglichkeit, andere Lehrmethoden kennenzulernen. Einige Lehrmethoden hier haben mich besonders beeindruckt, zum Beispiel die Visualisierung mathematischer Probleme, statt sie nur theoretisch zu erörtern. Diese Methode möchte ich definitiv in meine zukünftige Lehrtätigkeit integrieren.

Weitere Informationen

Das Modul Quality Dimensions of Teaching in Switzerland and Kosovo wird von Rachel Waldvogel und Daniel Weissmüller von der PH Zürich zusammen mit Melinda Mula von der Universität Gjakova durchgeführt. Ein zweiter Austausch findet im Juni statt, wenn die Schweizer Dozierenden und Studierenden für eine Woche an die Universität Gjakova in Kosovo reisen. Im gleichen Semester finden im Rahmen des Projekts PEER-Net auch gemeinsame Kurse mit Hochschulen in Ägypten, Albanien und Tunesien statt. Das Projekt wird von Samir Boulos und der Abteilung Internationale Bildungsentwicklung der PH Zürich koordiniert und vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation unterstützt.

Zum Projekt

Kontakt

Porträtfoto von Dr. Samir Boulos

+41 43 305 63 15