Digitalisierung : Neue DIZH-Projekte stellen den Menschen ins Zentrum
«Playful work», Bekämpfung von Zwangsheirat oder Bildung für die Generation 60+: Die Gesuche, die beim zweiten Projekt-Call im Innovationsprogramm der Digitalisierungsinitiative der Zürcher Hochschulen (DIZH) bewilligt wurden, nutzen Technologien und entwickeln innovative Anwendungen, um menschliche Bedürfnisse und Werte im Kontext der Digitalisierung anzusprechen. Für die insgesamt 18 Projekte mit einer Laufzeit von ein bis drei Jahren konnten bis zu 300’000 Franken an Mitteln aus dem DIZH-Sonderkredit beantragt werden. Die eingereichten Projekte wurden von einer gemeinsamen Jury der Partnerhochschulen ausgewählt und gemäss dem verfügbaren Finanzrahmen unterstützt.
Dirk Wilhelm, Vorsitzender des Innovationsprogramms der DIZH und Direktor der School of Engineering der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), zur Projektvergabe: «Beim zweiten Projekt-Call wurden mehr Gesuche aus dem sozialen, künstlerischen, pädagogischen und geisteswissenschaftlichen Bereich eingereicht. Die disziplinen- und hochschulübergreifende Zusammenarbeit hat sich dabei etabliert und im Dialog mit unterschiedlichen Praxispartnern sind neuartige Fragestellungen entstanden, deren Umsetzung wir gespannt begleiten.»
Hohe Beteiligung der PH Zürich
Zahlreiche Forschende und Dozierende der PH Zürich beteiligten sich an der zweiten Ausschreibung im Rahmen des Innovationsprogramms. Von den 18 bewilligten Projekten ist die PH Zürich an vier Projekten beteiligt, bei zwei Projekten hat sie zudem die Projektverantwortung inne:
- Edugame4Change: Ein digital augmentiertes Planspiel für den digitalen Wandel an Schulen
Schulen sehen sich im digitalen Wandel zahlreichen Herausforderungen gegenüber. Diese betreffen zum Beispiel Infrastrukturen, Geräte, Werkzeuge und Unterrichtsinhalte sowie die Entwicklung des Personals auf Kompetenz- und Haltungsebene. Mit dem Planspiel «Edugame4Change» wollen Forschende der PH Zürich und der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) Schulen dabei unterstützen, diesen Wandel auf unterschiedlichen Ebenen mitzugestalten. Durch die Kooperation mit dem Schulamt der Stadt Zürich und dem Hep-Verlag wird ein nachhaltiger Impact im Schulfeld erzeugt. Das Projekt «Edugame4Change» wurde 2021 bereits mit dem Förderpreis der Lehre der PH Zürich ausgezeichnet. Projektleiter Tobias Röhl von der PH Zürich zum Ziel des Projekts: «Mit ‹Edugame4Change› wollen wir ein Spiel entwickeln, das Schulen dabei hilft, sich selbstständig den Herausforderungen des digitalen Wandels zu stellen. Spielerisch können Schulleitungen und ihre Teams anders über Risiken und Chancen nachdenken und für sich passende Lösungen finden.» - Partners in a Trading Zone: Erarbeitung einer Trading Zone zwischen Ethnologie und Informatik im Kontext von Sticken
Das Projekt «Partners in a Trading Zone» geht der Frage nach, wie eine Trading Zone gestaltet werden kann, in der Akteur:innen aus den Disziplinen Ethnologie und Informatik zusammentreffen und an gemeinsamen, transdisziplinären Produkten, unter anderem an Unterrichtseinheiten, arbeiten. Das Forschungsteam setzt sich aus Vertreter:innen der PH Zürich und des Völkerkundemuseums der Universität Zürich (UZH) zusammen. Praxispartner sind das Volksschulamt des Kantons Zürich und das Völkerkundemuseum der UZH. Projektleiter Thomas Schmalfeldt von der PH Zürich: «In unserem Projekt gehen wir der Frage nach, wie Disziplinen, deren Bezüge zur Digitalisierung nicht offensichtlich sind, Teil des digitalen Wandels sein können. Dazu treffen sich exemplarisch Ethnologie und Informatik und wir ergründen gemeinsam unter anderem die Rolle eines klassischen Handwerks, konkretisiert am Sticken, in einer digital geprägten Gesellschaft.» - Crafting Playbook: Ein spielerischer Weg zu mehr Balance und Sinn bei der Arbeit
Im Projekt Crafting Playbook werden gleich vier Hochschulen – UZH, ZHAW, ZHdK und PH Zürich – transdisziplinär zum Thema Work-Life-Balance zusammenarbeiten. Über die Entwicklung eines digitalen Crafting Playbooks soll eine aktive Auseinandersetzung mit der Arbeitswelt angestossen werden. Mit kurzen Aktivitäten – sogenannte Crafting Plays – wie Geschichten, Mini-Games oder Chat-Bots können Nutzerinnen und Nutzer über Stärken und Ressourcen bei der Arbeit reflektieren und Veränderungen im Alltag umsetzen. Die Plays werden von der Praxis zusammen mit Expert:innen aus Kunst, Pädagogik und Psychologie entwickelt. «Die Auseinandersetzung mit den Crafting Plays soll bei den Anwender:innen langfristig zu einer besseren Balance von Arbeitsressourcen und -belastungen sowie zu einem erhöhten Sinnerleben bei der Arbeit führen», sagen Heike Beuschlein und Larissa Hauser-Fitze von der PH Zürich. - Geschichte(n) für die globale Gegenwart: Digitale Co-Creation in Schule und Museum
Das «Projekt Geschichte(n) für die globale Gegenwart» entwickelt eine digitale, interaktive Vermittlungsplattform für Sekundarschulen. Die Plattform bereitet Objekte aus der Sammlung der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte in Winterthur gestalterisch-didaktisch auf, um die globale Verflechtungsgeschichte der Schweiz zu thematisieren. Zum Projektziel äussern sich Sophia Prinz von der ZHdK und Michael Geiss von der PH Zürich wie folgt: «Historische Sammlungsobjekte haben einiges über die globalen Verflechtungen unserer Gegenwart zu erzählen. Oft aber fehlt es an einer zeitgemässen Übersetzung. Eine App soll Schüler:innen ermöglichen, die Objekte selbst zu befragen und in neue Kontexte stellen.»
Digitalisierungsinitiative
Die Digitalisierungsinitiative hat zum Ziel, die Zusammenarbeit der Zürcher Hochschulen im Digitalisierungsbereich zu fördern und damit den Forschungs- und Wirtschaftsstandort Zürich zu stärken. Die Universität Zürich, die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, die Zürcher Hochschule der Künste und die PH Zürich vernetzen sich in der DIZH systematisch, um Forschung und Innovation im Digitalisierungsbereich interdisziplinär voranzutreiben.
Das Innovationsprogramm ist ein zentrales Instrument der DIZH. Durch verschiedenartige Innovationsprojekte der Zürcher Hochschulen mit dem privaten und öffentlichen Sektor im Digitalisierungsbereich sollen die Erkenntnisse aus der Forschung näher an die Praxis herangeführt und für Anwendungen verfügbar gemacht werden. Umgekehrt sollen die Bedürfnisse und Erfahrungen der Anwendungspartner:innen in die Wissenschaft einfliessen.
Weitere Informationen zu den im Innovationsprogramm geförderten Projekten sind auf der Website der DIZH verfügbar. Unter PH Zürich digital finden sich weitere Informationen zu den Digitalisierungsprojekten und -Aktivitäten der PH Zürich.
