Publikation : Kompetenzorientiert unterrichten

Das AVIVA-Modell ist ein Stufen- und Phasenmodell für die Gestaltung des Unterrichts. Es findet in der Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen grosse Beachtung. Eine neu überarbeitete Fassung ist jetzt im Hep-Verlag erschienen.

Dienstag, 19. Dezember 2023

Planung und Ablauf von Unterricht haben wesentlichen Einfluss auf die Art und Weise, wie in der Schule gelernt wird. Wenn immer alle Fäden in der Hand der Lehrperson zusammenlaufen, werden die Lernenden nie dazu ermutigt, ihr Lernen selbst zu steuern. Und wenn die Lehrperson den Lernenden von Anfang an das Feld überlässt, ist die Chance, dass diese sich selbstständig Wissen und Können aneignen, genauso gering – ihnen ist dann oft nicht klar, wie sie in einer bestimmten Situation vorgehen sollen. Es braucht also eine gute Balance zwischen Steuerung durch die Lehrperson und Elementen des selbstregulierten Lernens. Und es braucht eine klare Vorstellung, welche Phasen der Unterricht durchlaufen muss. Genau hier setzt das AVIVA-Modell an.

AVIVA ist ein Fünfphasen-Modell für einen wirkungsvollen Unterricht, das in der Schweiz und in anderen deutschsprachigen Ländern grosse Beachtung gefunden und in den vergangenen Jahren zu einem Referenzpunkt in zahlreichen wissenschaftlichen Grundlagenwerken und Beiträgen zur Schulpädagogik geworden ist. Das Modell basiert auf Ergebnissen der Lernpsychologie und Best Practices guten Unterrichts. Die Abkürzung AVIVA nimmt Bezug auf diese Schritte. Lernen setzt zunächst die Bereitschaft voraus, sich auf Neues einzulassen («Ankommen und einstimmen»). Beim Vorhandenen («Vorwissen aktivieren») setzt das eigentliche Lernen («Informieren») an und baut darauf auf. Damit dieses Neue sich festigen kann, braucht es Gelegenheit zur Anwendung, Vertiefung und Übung («Verarbeiten»). Und schliesslich wird man sich beim Lernen immer wieder Rechenschaft über den zurückgelegten Weg ablegen, bevor die nächste Wegstrecke in Angriff genommen wird («Auswerten»). Es ist wichtig, dass sich Unterricht an diesen Phasen orientiert. Nur so besteht Gewissheit, dass der Lernprozess inhaltlich und methodisch sauber und vollständig durchlaufen wird.

Kompetenzorientiert unterrichten heisst, die fünf Phasen nach dem AVIVA-Modell bei der Planung und Durchführung des Unterrichts sorgfältig zu beachten, den Lernenden den Weg mit verschiedenen Methoden – mehr oder weniger strukturiert, je nach den Voraussetzungen der Lernenden – vorzugeben und sie durch die Wahl der Methoden in  Situationen zu versetzen, die sie nur durch den klugen Einsatz von Ressourcen meistern können. Der gezielte (und kreative) Einsatz von geeigneten Ressourcen selbst ist dann das, was wir als (Lern-)Kompetenz bezeichnen könnten.

Christoph Städeli ist Co-Autor des Buches «Das AVIVA-Modell – Kompetenzorientiert unterrichten und prüfen», das kürzlich in einer neuen, 2. Auflage erschien. Im Interview gibt er einen Einblick ins AVIVA-Modell.

Christoph Städeli – weshalb wurde das Buch neu überarbeitet?
Aus zwei Gründen; ersten liegen neue wissenschaftliche Erkenntnisse vor, die wir systematisch eingebaut haben. Und zweitens haben wir einige Kapitel grundlegend überarbeitet, wie das kompetenzorientierte Prüfen, AVIVA und das Blended Learning und AVIVA und die Positive Bildung. Gerade im Bereich der Positiven Bildung gibt es in anderen Ländern zahlreiche Projekte, welche die entsprechenden Kernelemente in den Unterricht und in die Schule integrieren.

Lernende sollen ihr Lernen und Arbeiten selbst in die Hand nehmen, um künftige Herausforderungen in Arbeit und Beruf bewältigen zu können. Inwiefern trägt das AVIVA-Modell zu diesem Ziel bei?
John Hattie, der das Vorwort zu unserem Buch geschrieben hat, bezeichnet das AVIVA-Modell als ein hervorragendes Beispiel dafür, wie es den Lehrpersonen gelingen kann, das Lernen mit den Augen der Lernenden zu sehen und sie dazu zu befähigen, ihre eigenen Lehrpersonen zu sein. Mit dem AVIVA-Modell lässt sich gut das selbstverantwortete Lernen fördern. Dies hilft den Schülerinnen und Schülern, die künftigen Herausforderungen in der Gesellschaft und der Arbeitswelt gut zu bewältigen.

Welche Vorteile bringt das Unterrichten mit dem AVIVA-Modell?
Das AVIVA-Modell bringt die wesentlichen Elemente eines gut strukturierten, kompetenzorientierten Unterrichts in einen praxisgerechten und klaren Ablauf. Diese Klarheit hilft den Lehrpersonen, einen roten Faden in den Unterricht einzubringen und ermöglicht es ihnen, auf die Fragen und Anliegen der Schülerinnen und Schüler optimal einzugehen.

Das Buch «Das AVIVA-Modell – Kompetenzorientiert unterrichten und prüfen» ist kürzlich in zweiter Auflage im Hep-Verlag erschienen. Verfasst wurde es von Christoph Städeli, Markus Maurer, Claudio Caduff du Manfred Pfiffner. Vorwort von John Hattie.
Das Buch «Das AVIVA-Modell – Kompetenzorientiert unterrichten und prüfen» ist kürzlich in zweiter Auflage im Hep-Verlag erschienen. Verfasst wurde es von Christoph Städeli, Markus Maurer, Claudio Caduff du Manfred Pfiffner. Vorwort von John Hattie.