Medienmitteilung : Lageraktivitäten stärken psychische Gesundheit

Das Forschungsprojekt Scout (Study on Competence Development in Out-of-school Settings) der PH Zürich und der Pfadibewegung Schweiz kommt zum Schluss, dass die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen durch Lageraktivitäten gestärkt wird.

Donnerstag, 27. Oktober 2022

Gemeinsam mit der Pfadibewegung Schweiz hat die PH Zürich diesen Sommer im Bundeslager der Pfadibewegung im Goms eine Studie durchgeführt. Untersucht wurde zu Beginn und am Ende des Lagers bei rund 650 Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren, ob gemeinsame Lageraktivitäten in der Natur das Wohlbefinden und die Lebenskompetenzen, die sogenannten Life-Skills, von Kindern und Jugendlichen fördern. Die Forschungsergebnisse der Scout-Studie (Study on Competence Development in Out-of-school Settings) zeigen: Bei den Jugendlichen hat sich nach nur 10 Lagertagen ein höheres Wohlbefinden und eine signifikant positive Veränderung bei sieben von elf untersuchten Life-Skills entwickelt.

Lageraktivitäten erhöhen positive Emotionen

Mit Blick auf das Wohlbefinden stellt die Studie fest, dass sich die positiven Emotionen bei den befragten Jugendlichen deutlich erhöht hatten und die negativen Emotionen stabil geblieben waren, und dies trotz (oder eben gerade wegen) dem Leben unter einfachen Bedingungen im Zelt und in der Natur, Müdigkeit und starkem Regen zum Zeitpunkt der zweiten Befragung.

In Lagern werden Life-Skills gefördert

Die grössten positiven Entwicklungen zeigen sich gemäss Scout-Studie in Bezug auf die Kompetenz, sich als Kind oder Jugendliche für die Gemeinschaft einzusetzen, den Selbstwert, die Selbstkontrolle sowie die Durchsetzungsfähigkeit, wenn es etwa darum geht, die eigene Meinung gegenüber anderen zu vertreten. Studienleiter Roger Keller ordnet ein: «Die Veränderungen sind klein, in Anbetracht der kurzen Lagerzeit jedoch beeindruckend. Sie zeigen die Bedeutung und Wichtigkeit von Lageraktivitäten für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.»

Hohes Ausmass an Life-Skills stärkt psychische Gesundheit

Um sich kompetent zu erleben und in die Gemeinschaft einbringen zu können, müssen sich Kinder und Jugendliche mit eigenen Verhaltensweisen, Einstellungen und Werten auseinandersetzen und lernen, mit anderen zusammenzuarbeiten, Konflikte zu lösen, Verantwortung zu übernehmen und mit Vielfalt umzugehen. Life-Skills sind entscheidend, um diese Entwicklungsaufgaben zu bewältigen. Gelingt dies, trägt es zu einem höheren Wohlbefinden der Kinder und Jugendlichen bei, was langfristig ihre psychische Gesundheit stärkt.

Pfadibewegung Schweiz sieht sich bestärkt

Die Ergebnisse der Scout-Studie zeigen weiter, dass der grösste Zuwachs an Life-Skills dann erreicht wird, wenn die Jugendlichen von den Leitungspersonen sozial unterstützt werden. Adrian Elsener, Geschäftsleiter der Pfadibewegung Schweiz, streicht denn auch die Qualität der Ausbildung in der Pfadi heraus: «Jedes Pfadilager ist eine Lebensschule. Weil unsere Leitenden sehr gut auf ihre Verantwortung vorbereitet werden, können sie selbst sowie auch teilnehmende Kinder Kompetenzen erwerben, die ihnen im Alltag und späteren Berufsleben nützlich sind.» Co-Präsidentin der Pfadibewegung Schweiz und PHZH-Dozentin Barbara Blanc fügt an, dass die Pfadibewegung den Erwerb dieser Kompetenzen nach aussen tragen will: «Das Pfadiprogramm fördert unsere Mitglieder in ihrer ganzheitlichen Entwicklung. Unsere Kampagne ‹gelernt ist gelernt›, die in den letzten Monaten schweizweit präsent war, zeigt genau das auf. Die Studienresultate bestätigen unsere pädagogischen Grundlagen.»

Die Scout-Studie der PH Zürich unterstreicht entsprechend die Bedeutung von ausserschulischen Angeboten von Jugendverbänden als wichtige Lernorte von Kindern und Jugendlichen.

Ansprechpersonen für Interviews

Porträtfoto von Prof. Dr. Roger Keller

+41 43 305 58 91

Adrian Elsener

Geschäftsleiter Pfadibewegung Schweiz

Erreichbar: Donnerstag, 27. Oktober 2022, 9 bis 12 Uhr, +41 43 305 45 34

Facts and Figures zum Forschungsprojekt Scout

  • Auftraggeber: Kooperationsprojekt PH Zürich und Pfadibewegung Schweiz
  • Finanzierende Institute: PH Zürich, Schweizerische Pfadistiftung, Geschwister Kahl Stiftung
  • Projektleitung: Roger Keller, Professor Gesundheitspsychologie und Leiter Zentrum Inklusion und Gesundheit in der Schule, PH Zürich
  • Befragungszeitraum: 24./25. Juli 2022 (erste Befragung), 4./5. August 2022 (zweite Befragung)
  • Zu beiden Messzeitpunkten befragte Jugendliche: 648
  • Erste Ergebnisse der Scout Studie von PH Zürich und Pfadibewegung Schweiz