Geschichtsdidaktik : Versteckte Geschichten gesucht

Das Erasmus+-Projekt «Lethe» bringt versteckte Geschichte(n) ans Licht. Zum Auftakt des von Movetia unterstützen Projekts trafen sich Geschichtsdidaktiker:innen in Spanien.

Mittwoch, 13. Juli 2022

Lethe war in der griechischen Mythologie der Name eines der Flüsse in der Unterwelt des Hades. Er war bekannt als der Fluss des Vergessens. Diejenigen, die von ihm trinken, werden alles vergessen, so die Erzählung. Das internationale Projekt «Lethe», an dem sich auch die PH Zürich beteiligt, orientiert sich an dieser Metapher. Es startete im Juli mit einem Treffen von Geschichtsdidaktiker:innen aus ganz Europa in Murcia, Spanien.

Wenn über Geschichte gesprochen wird, kann der Eindruck entstehen, dass die Menschheit aus dem Fluss Lethe getrunken und ihre eigene, vielfältige Vergangenheit vergessen hat: Was wissen wir über die Geschichte der Frauen, der Kinder, der Migrant:innen, der Minoritäten und Ausgegrenzten? Was kann getan werden, um ihre Geschichte in den europäischen Klassenzimmern zu thematisieren?

Das Forschungsprojekt «Lethe» versucht, diese und weitere Fragen zu beantworten. Mit den Worten von Christian Mathis, Professor für Geschichtsdidaktik an der PH Zürich: «Die Beschäftigung mit ‹versteckten› Aspekten der europäischen Geschichte ist für den sozialen Zusammenhalt sowie für die Teilhabe an der Gesellschaft bedeutsam. Nur wer historisch gewachsene Machtstrukturen, Ausgrenzungsmechanismen und -dynamiken zu erkennen lernt und diese versteht, kann in Gegenwart und Zukunft verantwortungs- und geschichtsbewusst handeln.»

Das «Lethe»-Projekt fokussiert daher die Rolle der «versteckten» und unsichtbaren Kollektive im Laufe der Geschichte und deren Beitrag zur gegenwärtigen multikulturellen Identität Europas. Es handelt sich um ein internationales Erasmus+-Projekt, das von Vertreter:innen aus zehn Institutionen, darunter der PH Zürich, und neun europäischen Ländern entwickelt wurde. Co-finanziert wird es von der Europäischen Union und von Movetia (Schweizer Stiftung für Austausch und Mobilität). Movetia fördert Austausch, Mobilität und Kooperation in der Aus- und Weiterbildung sowie in der Jugendarbeit – in der Schweiz, in Europa und weltweit.

Das Endprodukt des Projekts richtet sich an Geschichtslehrer:innen der Sekundar- und Primarstufe. Es umfasst eine Website mit virtueller Lernumgebung für Schüler:innen sowie ein Handbuch mit Unterrichtsvorschlägen zum Geschichtslernen anhand von Objektquellen in nationalen, internationalen sowie transnationalen Lerngruppen.