MENSCHENAusgabe 1/2026 : Schon früh war klar, das kommt gut

Larissa Hauser gestaltet Weiterbildung, die wirkt: An der Tagesschule Himmeri stärkt die Dozentin der PH Zürich die individuelle und die gemeinsame Resilienz eines multiprofessionellen Teams – praxisnah, nachhaltig und für alle Beteiligten spürbar.

Text: Kay Janina Hefti, Fotos: Alessandro Della Bella

Das Foto zeigt eine Frau mit schulterlangen, brünetten Haaren und einem schwarzen Oberteil, die in einem hellen Raum vor einer dunklen Wandtafel steht. Sie hält weisse Papierblätter in der linken Hand und gestikuliert mit der rechten, während sie spricht.
PHZH-Dozentin Larissa Hauser ist es wichtig, dass sich die Schule auf die Weiterbildung und das Thema freut.

Wenn Larissa Hauser mit einer Schulleitung eine schulinterne Weiterbildung (Schilw) plant, hat sie meistens schnell ein Gefühl dafür, ob diese Weiterbildung ein Erfolg wird. Hauser ist Dozentin an der PH Zürich und bietet Weiterbildungen an Schulen an. In diesem Beispiel war sie an der Schule Himmeri, einer Tagesschule in Zürich, und ihr war schon früh klar: Das kommt gut. Eine Weiterbildung mit allen Mitarbeitenden einer Tagesschule ist jedoch eine Herausforderung, da das Team äusserst divers ist: Lehrpersonen, Betreuungspersonen, Leitungsteam, Schulsozialarbeitende, Administration. Wie gelingt es mit so vielen verschiedenen Rollen, eine Weiterbildung anzubieten, die alle Beteiligten abholt?

Manuela Menghetti, Co-Schulleiterin der Schule Himmeri, wandte sich an die PH Zürich mit dem Wunsch nach einer Schilw zum Thema Gesundheit für das gesamte Team der Tagesschule. Laut Menghetti kam es aufgrund der hohen Belastung im Schulalltag häufig zu Überlastungen und Ausfällen, was die Stabilität der Schule beeinträchtigte. Die Schulleitung erhoffte sich durch diese Schilw eine Stärkung der Resilienz aller Mitarbeitenden und dadurch mehr Ruhe im gesamten Schulbetrieb. Das Thema Gesundheit wurde aber keineswegs ausschliesslich von der Führung bestimmt: In einer vorangehenden Schulkonferenz wurden Themen gesammelt, mit denen man sich als Team befassen möchte. Am häufigsten nannten die Mitarbeitenden die eigene Gesundheit, die Zusammenarbeit im Team und die Gesundheit der Schüler:innen.

Anliegen im Vorgespräch einholen

Für Larissa Hauser als Dozierende ist das Erstgespräch wichtig, um ein Gefühl zu bekommen, um was es genau geht. Sie erfragt die Hintergründe für die Schilw-Anfrage, die Motivation der verschiedenen Involvierten und entscheidet dann, was sich in dieser spezifischen Situation am besten eignet. Möglich ist eine klassische Schilw mit ein oder zwei Kurstagen. Es kann sich aber auch im Gespräch herausstellen, dass eine Schilw nicht ausreicht, sondern ein Teamentwicklungsprozess geeigneter wäre. In diesem Fall legt Larissa Hauser dies offen auf den Tisch und macht alternative Vorschläge. Die Motivation oder die Indikatoren für die Schilw-Anfrage werden im Vorgespräch meistens schnell klar. Kommt das Bedürfnis nach einer Weiterbildung in einem Thema aus dem gesamten Team, oder ist es eher ein Wunsch der Führung? Oder kam der Anstoss aus dem Bildungssystem, und es passt eigentlich gar nicht in die momentane Strategie der Schule? In diesen Fällen wird es für Larissa Hauser schwierig, da die Zeichen für eine nachhaltige Weiterbildung schlecht stehen, wenn das Thema nicht von allen Beteiligten als wichtig erachtet wird.

Im Vorgespräch, das im Januar zwischen Larissa Hauser und Manuela Menghetti stattgefunden hatte, wurden die Anliegen der Beteiligten, mögliche Formate, konkrete Themen sowie potenzielle Herausforderungen besprochen. Für Manuela Menghetti stand dabei im Zentrum, eine möglichst hohe Passung zwischen den Bedürfnissen des Teams und dem Weiterbildungsangebot zu erreichen. Im Gespräch zeigte sich, dass Larissa Hauser die richtige Person war, da sie gezielte, auf das Schulhaus und den Tagesschulbetrieb bezogene Fragen stellte. Dies war besonders wichtig, da im Schulbetrieb sowohl Lehr- als auch Betreuungspersonen tätig sind und die Weiterbildung für alle passend sein sollte. Im Vorgespräch erhielt die PHZH-Dozentin zudem einen vertieften Einblick in die Situation der Schule, die Belastungen der Mitarbeitenden und deren Weiterbildungswünsche.

Dieses Foto fängt eine Gesprächssituation in einer Gruppe junger Erwachsener ein. Im Fokus stehen zwei Frauen, die nebeneinander sitzen und sich intensiv austauschen. Die Frau auf der linken Seite hat langes braunes Haar, das zu einem Pferdeschwanz gebunden ist, und trägt eine graue Strickjacke; sie spricht gestikulierend mit ihrer Sitznachbarin. Diese trägt ein grünes Kopftuch und ein kariertes Hemd über einem schwarzen Oberteil und hört aufmerksam zu, während sie ein Blatt Papier in den Händen hält. Im Hintergrund sind weitere Teilnehmende zu sehen, die dem Geschehen folgen. Die Szene spielt in einem hellen Bildungsraum mit Holztüren und farbigen Aushängen an der Wand.
Die Teilnehmenden behandelten das Thema Zusammenarbeit in Stufen- bzw. Betreuungsteams.

Die Schule Himmeri ist eine Tagesschule mit zwei Standorten und einem multiprofessionellen Team. Da die Schulleitung wünschte, möglichst allen Mitarbeitenden die Teilnahme an der Weiterbildung zu ermöglichen, wurde die Schilw auf drei statt der üblichen zwei Kurstage ausgeweitet. Der erste Kurstag «Aufblühen statt ausbrennen – eigene Resilienz stärken» fand im Juni für 55 Mitarbeitende, einen Grossteil des Teams, statt und fokussierte auf die individuelle Resilienz. Der zweite Teil «Aufblühen statt ausbrennen – Resilienz im Team stärken» wurde im November an zwei separaten Tagen durchgeführt: ein Tag für die Lehrpersonen und ein Tag für die Betreuungspersonen. Diese Aufteilung erwies sich als zielführend, da die Teilnehmenden jeweils im eigenen Team arbeiten konnten – ein Bedürfnis, das bereits im Voraus geäussert wurde. Laut Rosita Schaub, Leitung Betreuung der Schule Himmeri, wurde diese Lösung sehr geschätzt und als optimal empfunden.

Einstellung und Haltung

Beim Start der Weiterbildung spürte Larissa Hauser sofort, dass diese Schilw gut laufen würde. «Wenn ich merke, dass die Schulleitung sich auf die Weiterbildung und das Thema freut und froh ist, dass ich da bin, dann macht das für mich als Dozierende extrem viel aus», so Hauser. Den Singsaal, in dem die Weiterbildung stattfand, richteten sie und Manuela Menghetti gemeinsam ein. Es war ein einfacher, aber heller Raum, was Larissa Hauser entgegen kam. Die Einrichtung und die Art des Schulungsraumes sind für sie aber eher zweitrangig, genau wie die Zusammensetzung der teilnehmenden Gruppe. Wichtiger sind die Einstellung und Reaktion der Leitung und der Teilnehmenden. Manchmal merkt Hauser, dass es gewisse Spannungen gibt, die nicht unbedingt mit der aktuellen Situation oder mit ihr zu tun haben. In solchen Fällen versucht sie, das direkt anzusprechen. Ihre Erfahrung hilft ihr dabei, einen Umgang damit zu finden.

Der erste Weiterbildungstag startete mit der Begrüssung durch die Schulleitung. Dass die Schulleitung begrüsst, ist für Larissa Hauser zentral für die Einbettung der Weiterbildung in den Arbeitsalltag. Anschliessend führte sie mit Elementen der positiven Psychologie und einem kurzen Speeddating spielerisch ins Thema ein. Im theoretischen Teil wurde auf Wunsch der Schulleitung der Begriff «Resilienz» vertieft erklärt. In der Pause wurden die Teilnehmenden von der Schulleitung mit einem üppigen Buffet beehrt. Dies empfand Hauser als äusserst wertschätzendes Zeichen seitens der Schulleitung, da aufgrund der Aufgabenvielfalt und Standorte selten gemeinsame Pausen möglich waren. Nach der Pause wurde kurz aus einer vorgängigen Gruppenarbeit berichtet, gefolgt von einem Ressourcenparcours. An zwölf frei wählbaren Posten konnten sich die Teilnehmenden selbstständig in das Thema «Umgang mit Stress» vertiefen. Dies war der Teil der Weiterbildung, der am meisten positive Resonanz erzeugte aufgrund der grosszügig eingeplanten Zeit und der praxisorientierten Übungen.

Zentrale Rolle bei Schulleitung

Die zwei Folgetage im November verliefen ähnlich, wobei die Teams tageweise in Lehrpersonen und Betreuungspersonen aufgeteilt waren. Für Larissa Hauser ist es auch am zweiten Schilw-Tag wichtig, dass die Schulleitung begrüsst und einen Bezug zum ersten Teil macht, um Inhalte aufzufrischen und potenzielle neue Mitarbeitende einzubeziehen. Um das Thema Zusammenarbeit möglichst authentisch zu behandeln, bildeten die Teilnehmenden ihnen bekannte, standortgetrennte Stufen- beziehungsweise Betreuungsteams. Auch die Schulleitung nahm als separate Gruppe teil. Es wurden Fragen zu Stärken und Schwächen der Zusammenarbeit im Schulbetrieb Himmeri bearbeitet. Bei den Gruppenaufgaben hört Larissa Hauser jeweils mit und gibt Impulse oder Anstösse, wenn es stockt.

Das Foto zeigt drei Frauen, die in einem entspannten und freundlichen Gespräch in einem Schulflur zusammenstehen. Die Frau in der Mitte trägt ein graues Oberteil und eine Brille; sie lächelt herzlich mit verschränkten Armen. Die beiden anderen Frauen stehen ihr gegenüber und beteiligen sich aktiv am Dialog. Im Hintergrund ist eine typische Garderobe mit Kinderjacken vor einer roten Backsteinwand zu erkennen, an der bunte Kinderzeichnungen hängen.
Von links nach rechts: Co-Schulleiterin Susanne Huber und Rosita Schaub, Leiterin Betreuung, im Gespräch mit Larissa Hauser.

Den Abschluss der zweiten Schilw-Tage bildete die Präsentation von Gruppenergebnissen. Hauser betont: «Dabei geht es mir stark um Würdigung. Die Leute sollen sagen dürfen, was sie beschäftigt, und ihnen soll zugehört werden.» Und ganz zum Abschluss, für Hauser auch wieder bedeutend, beendet die Schulleitung den Weiterbildungstag. Dabei soll sie erläutern, was mit den erarbeiteten Ergebnissen geschieht. Das sei sehr wichtig für die Teilnehmenden, so Hauser. Sie sagt: «Wenn man etwas gemacht hat, möchte man spüren, dass nun auch etwas damit geschieht. Sonst hat man es ja für nichts gemacht.»

Nachhaltigkeit der Weiterbildung

Für Susanne Huber, Co-Schulleiterin der Schule Himmeri, war die Schilw ein voller Erfolg: Es scheint gelungen zu sein, auf die individuellen Bedürfnisse aller einzugehen. Dies ist in einem multiprofessionellen Team nicht ganz einfach und laut Rosita Schaub gelang es Hauser, auch die Betreuungspersonen besonders gut einzubinden. Alle Teammitglieder fühlten sich abgeholt und konnten nützliche Erkenntnisse gewinnen. Susanne Huber sagt, die Resilienz-Weiterbildung sei in den momentanen unsicheren Zeiten genau zum richtigen Zeitpunkt gekommen und habe das Team gestärkt und zuversichtlich gemacht.

Die Nachhaltigkeit der Schilw wurde laut Manuela Menghetti durch zwei Weiterbildungsveranstaltungen im Abstand von fünf Monaten gefördert. Praktische Unterlagen von Larissa Hauser trugen ebenfalls dazu bei. Menghetti habe sie zur Stärkung sowohl der eigenen Resilienz als auch für das Team schon mehrfach genutzt. Zudem spielte die grosszügig bemessene Zeit, in der die Teilnehmenden sich selbstständig mit konkreten Methoden beschäftigen konnten, eine Rolle. Dennoch sei es schwierig, im hektischen Alltag immer wieder Zeit dafür zu finden, aber laut Menghetti habe die Weiterbildung eine solide Grundlage geschaffen. Schlussendlich, so Susanne Huber, liege es in der Verantwortung der Schulleitung, die Themen immer wieder aufzunehmen, wenn man Nachhaltigkeit garantieren möchte – sei es mit weiteren Weiterbildungstagen, wiederkehrend im Team oder auch bei der Neuanstellung von Personal. So kann sichergestellt werden, dass das Wissen nicht verloren geht. Larissa Hauser holt bei der Schulleitung jeweils nach der Weiterbildung Feedback ein. Zudem macht sie jeweils Fotos der erarbeiteten Plakate oder ähnlichen Outputs. Diese fügt sie in ihre Präsentation ein und schickt sie der Schulleitung. Damit ist für Larissa Hauser die Schilw grundsätzlich abgeschlossen. Und sie bereitet sich auf ihren nächsten Auftrag vor.

Die PH Zürich bietet 39 unterschiedliche schulinterne Weiterbildungen (Schilw) für die Volksschule an. Schulteams bearbeiten dabei im gewohnten Arbeitsumfeld zentrale Themen und Fragen – begleitet von einer Dozent:in der PH Zürich.

Schulinterne Weiterbildung und Prozessbegleitung für Volks­schu­len