Bildung, Diversität und Un­gleich­heit

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Die PH Zürich erforscht das Wechselspiel von Diversität und Ungleichheit in Bildungskontexten mit dem Ziel, eine kritisch-reflexive Auseinandersetzung mit Problemen der Bildungsgerechtigkeit in der pädagogischen Praxis zu fördern.

Inhalt dieser Seite

Eine Gruppe Personen sitzt in einem Sitzungszimmer und bespricht ein Thema.

Bildungschancen und Bildungserfolge sind sozial nach wie vor höchst ungleich verteilt. Die Beharrlichkeit dieser Ungleichheiten zu verstehen und Wege zu ihrer Überwindung zu identifizieren, ist eine der drängendsten Aufgaben der Bildungswissenschaften. An der PH Zürich wird zu diesem Querschnittsthema aus verschiedenen disziplinären und methodologischen Perspektiven geforscht.

Die gemeinsame Klammer bildet dabei die Schlüsselrolle, die Schulen und Lehrpersonen für die Gestaltung gerechter Bildungsverhältnisse zukommt. Ein Schwerpunkt der Forschung an der PH Zürich liegt auf Logiken und Praktiken der Unterscheidung und der Bewertung im schulischen Alltag. Beispielsweise wird untersucht, wie Kategorien wie «Leistung», «Begabung», «Gender» oder «Migrationshintergrund» in der pädagogischen Praxis verstanden und wirksam werden, indem sie professionelle Wahrnehmungen und Handlungen prägen.

Forschungsschwer­punkte

Fragen von Bildungsgerechtigkeit und ‑ungleichheit wird an der PH Zürich in nationalen und internationalen Konsortien, in Drittmittelprojekten, in Lehr-Forschungsprojekten sowie in Promotions- und Habilitationsprojekten nachgegangen. Diese Forschungsaktivitäten schliessen vielfältig an aktuelle bildungspolitische und pädagogische Diskurse an – von Diskussionen zum Umgang mit Vielfalt und Heterogenität über die Schlagworte der Inklusion und der inklusiven Bildung hin zu migrationsgesellschaftlichen Debatten zu Diskriminierung und Rassismus.

Pädagogisches Wissen im Kontext beharrlicher Bildungsungleichheiten

Jedem pädagogischen Handeln liegt ein facettenreiches Wissen zugrunde, das sich durch seine vielfältigen professionellen und gesellschaftlichen Bezüge (von Fachwissen über schulische Qualitäts- und Gerechtigkeitsvorstellungen hin zu bildungspolitischen Diskursen). Dieses Wissen ist sozial folgenreich, weil es im Schulalltag permanent in Diagnosen, Bewertungen und Entscheidungen einfliesst und so zum Abbau, aber auch zur Verfestigung von Benachteiligungen beitragen kann. Im Schwerpunkt wird untersucht, wie dieses Wissen Gestalt annimmt, wie es im pädagogischen Alltag wirksam wird und welche Folgen sich für Fragen der Bildungsgerechtigkeit ergeben.

Inklusive Bildung in heterogenen Kontexten

Inklusive Bildung verknüpft system- und personenzentrierte Perspektiven. Sie zielt auf ein Bildungssystem, in dem die relevanten Akteur:innen zusammenarbeiten und auf eine Lernumgebung, in der alle Schüler:innen trotz individueller Unterschiede gemeinsam lernen.

Darüber wird eine Schulkultur der chancengerechten Bildung gefördert, in der Lernende ihre Lernpotenziale entfalten und Lehrende ihre Professionalität weiterentwickeln können. Besondere Aufmerksamkeit erhalten die Barrierefreiheit und prekäre Bildungssituationen, um negative Diskriminierung und Stigmatisierung durch Kategorisierungen zu reduzieren.

Transkulturelles Lernen

Internationale Bildungskooperationen eröffnen Räume für Begegnung und Dialog unter allen Beteiligten. Neben konkreten fachlichen Fragestellungen bezüglich bestimmter Kompetenzen (fachliche, überfachliche, didaktische) stellen sich in der Zusammenarbeit mit Projektpartnern auch Fragen des Mehrwerts der transkulturellen Kooperation. Wie gestaltet sich Lernen im gemeinsamen transkulturellen Raum? Welche Zugewinne nehmen die Beteiligten in ihren Kompetenzen wahr? Fragestellungen wie diese werden in internationalen Expert:innen-Communities qualitativ bearbeitet, reflektiert und für die jeweiligen Zielgruppen zugänglich gemacht: Dozierenden an Hochschulen, Lehrpersonen in Schulen sowie Mitarbeitenden von NGOs.

Publi­ka­tionen

  • Horvath, Kenneth, Andrea Isabel Frei und Mario Steinberg (2025) How Do Problematisations «Materialise»? A Neopragmatic Perspective on the (In-)Visibilisation of Justice Concerns in AIED.

    British Journal of Sociology of Education: 1–20.

  • Horvath, Kenneth (2025) Das Problem mit der Praxisrelevanz – oder: zur Schlüsselrolle Pädagogischer Hochschulen für eine zeitgemässe Bildungsforschung.

    In: Zwei Jahrzehnte hochschulische Lehrerinnen- und Lehrerbildung: Bilanzierungen und Perspektiven = Deux décennies de formation des enseignant·e·s en haute école: bilans et perspectives, hrsg. v. Bruno Leutwyler, Deniz Gyger Gaspoz, Barbara Kohlstock, Heinz Rhyn und Peter Tremp, 311–16. Bern: Hep.

  • Hessdörfer, Florian und Kenneth Horvath (2024) Potenziale. Zur Kritik eines Leitmotivs zwischen Politik und Pädagogik

    Zeitschrift für Pädagogik 6: 737–41.

  • Horvath, Kenneth (2024) Zur folgenreichen Unmöglichkeit, Potenziale zu prüfen

    Zeitschrift für Pädagogik 6: 758–74.

  • Steinberg, Mario, Horvath Kenneth und Andrea Isabel Frei (2024) Die (neo-)pragmatische Perspektive der Soziologie der Kritik auf Herrschaft, Macht und Ungleichheit in der schulischen Bildung

    Gesellschaft – Individuum – Sozialisation. Zeitschrift für Sozialisationsforschung 5 (2): 1–15.

  • Berner, Hans, Rudolf Isler und Wiltrud Weidinger (2023) Einfach gut kooperieren

    Bern: hep. 

  • Bühler-Garcia, Georg, Gisela Bürki und Wiltrud Weidinger (2023) Unterwegs. Das bin ich. Das kann ich. Da will ich hin

    2. Auflage. Bern: hep.

  • Grimmer, Bettina und Jennifer Hobbins (2023) Neue Subjektpositionen – alte Klassismen? Übergangsregime und aktivierende Arbeitsmarktpolitik in Deutschland und Schweden

    In: Übergänge mit Klasse, herausgegeben von Antje Handelmann und Karolina Siegert, im Erscheinen. Bad Heilbrunn: Klinkhardt Verlag.

  • Horvath, Kenneth, Mario Steinberg und Andrea Isabel Frei (2023) Bridging inquiry and critique: a neo-pragmatic perspective on the making of educational futures and the role of social research

    Learning, Media and Technology 48 (2): 280–93.

  • Horvath, Kenneth (2023) How Economics and Sociology of Conventions Helps to Understand the Social Dynamics of Testing and Sorting

    In: Handbook of Economics and Sociology of Conventions, herausgegeben von Rainer Diaz-Bone und Guillemette de Larquier, 1–19. Cham: Springer International Publishing.

  • Horvath, Kenneth und Mario Steinberg (2023) Social classification and the changing boundaries of learning. A neopragmatic perspective on social sorting in digital education

    Learning, Media and Technology 48 (4): 566–80.

  • Horvath, Kenneth, Andrea Isabel Frei und Mario Steinberg (2023) Hinter den Kulissen künstlicher Intelligenz: ein soziologischer Blick auf Gefahren und Potenziale adaptiver Lernsoftware

    EP (Education Permanente) Schweizerische Zeitschrift für Weiterbildung (1): 33–43.

  • Gollob, Rolf und Wiltrud Weidinger (2022) Observation handbook for trainers. Professional Development through classroom visits

    Ministry of Education Moldova/SDC: Zurich.

  • Weidinger, Wiltrud (2022) Hierarchien in der Organisation Schule – (Un)bewusste Dynamiken und Hinweise für eine gelingende Zusammenarbeit

    In: Schulmagazin 5–10, Heft 5/6 2022. Hannover: Friedrich-Verlag.

  • Berner, Hans, Rudolf Isler und Wiltrud Weidinger (2021) Einfach gut lernen

    Bern: hep.

  • Horvath, Kenneth (2021) In der Anti-Brennpunktschule? Neopragmatische Perspektiven auf pädagogisches Unterscheidungswissen, schulische Leistungsordnungen und kategoriale Ungleichheiten

    In Diversitätssensible Lehrer:innenbildung. Bildungssoziologische und überfachliche Zugänge, herausgegeben von Sven Oleschko, Katharina Grannemann, und Andrea Szukala, 33–56. Weinheim: Beltz.

  • Horvath, Kenneth, und Regula Julia Leemann (2021) The Politics of Inequalities in Education: Exploring Epistemic Orders and Educational Arrangements of Durable Disadvantaging

    Social Inclusion 9 (3): 296–300.

  • Horvath, Kenneth (2021) Elite, Begabung und soziale Ungleichheit – ungelöste Gerechtigkeitsfragen

    In Handbuch Begabung, herausgegeben von Victor Müller-Oppliger und Gabriele Weigand, 77–87. Weinheim: Beltz.

  • Horvath, Kenneth (2021) Klassifikationen zwischen Politik und Ungleichheit. Pädagogisches Unterscheidungswissen in migrationsgesellschaftlichen Kontexten

    Kumulative Habilitationsschrift, Luzern: Universität Luzern.

  • Lieger, Catherine und Wiltrud Weidinger (2021) Spielen Plus

    Bern: hep.

Promotionsarbeiten

Projektname: EdTech-Startups zwischen Innovationsversprechen und Selektionsdruck

Promotionsarbeit von: Andrea Isabel Frei

Thema: Von Edtech-Startups werden revolutionäre Innovationen zur Lösung diverser Herausforderungen der schulischen Bildung erwartet. Dabei hält das «Ökosystem» rund um die Edtech-Startups selber zahlreiche Prüfungen für sie bereit, in Form von Organisationen wie «incubators», «accelerators», oder beim «fundraising» auf der Suche nach Investorinnen. Im Projekt wird untersucht, welchen Tests sich EdTech-Startups aussetzen und wie sie mit diesen Bedingungen praktisch umgehen, um bestehen zu können. Hier scheint ein besonderer Selektionsprozess stattzufinden, der sich schliesslich auch auf die Entwicklung von digitalen Bildungstechnologien auswirken dürfte.

Finanzierung: Schweizerischer Nationalfonds (SNF)

Betreuer:in: Kenneth Horvath

Projektname: Bildung, Digitalisierung, pädagogischer Alltag – Eine multiple Fallstudie zur situationsspezifischen Einbettung und Wahrnehmung von digitalen Bildungstechnologien in pädagogischen Kontexten

Promotionsarbeit von: Mario Steinberg

Thema: Im Rahmen des Forschungsprojekts wird untersucht, wie Lehrpersonen digitale Bildungstechnologien wahrnehmen, in Situationen des pädagogischen Alltags einbetten und auf welche Wissensordnungen sie dabei zurückgreifen. Ein besonderes Augenmerk liegt auf damit verbundenen (ungewollten) Sortiereffekten und Diskriminierungspotenzialen.

Finanzierung: Schweizerischer Nationalfonds (SNF)

Betreuer:in: Oliver Nachtwey (Universität Basel), Kenneth Horvath (PHZH)

Kontakt

Porträtfoto von Prof. Dr. Kenneth Horvath

+41 43 305 68 63