Projekt DECIDE : Voneinander lernen: 15 Jahre schweizerisch-ukra­i­ni­sche Zu­sam­men­ar­beit

Seit mehr als fünfzehn Jahren arbeitet die PH Zürich mit der Ukraine in den Bereichen Bildung und Demokratie zusammen. Mit einem Fokus auf berufliche Orientierung tritt die langjährige Partnerschaft nun in die nächste Phase.

Dienstag, 26. August 2025

In den letzten Jahren hat das ukrainische Bildungssystem erhebliche Veränderungen erfahren. Dies ist hauptsächlich auf die Umsetzung von Bildungs- und Dezentralisierungsreformen zurückzuführen, doch auch die Pandemie und der russische Angriffskrieg beeinflussten das System. Seit 2009 arbeitet die PH Zürich im Rahmen verschiedener Initiativen in den Bereichen Bildung und Demokratie eng mit der Ukraine zusammen. Ein aktuelles Beispiel ist das von der Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit finanzierte DECIDE-Projekt, das in Zusammenarbeit mit der ukrainischen NGO DOCCU implementiert wird. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen konnte die erste Phase des Projekts von 2020 bis 2025 erfolgreich umgesetzt werden.

Aufgrund der Grösse der Ukraine und der anhaltenden Auswirkungen des Kriegs sind die Aktivitäten von DECIDE, die den Wiederaufbau und die Reformen im Bildungsbereich unterstützen, von grosser Bedeutung. Anfang Juli kündigten die Schweiz und die Ukraine auf der Ukraine-Wiederaufbau-Konferenz in Rom an, ihre Zusammenarbeit durch die Unterzeichnung eines Memorandums für die zweite Phase des DECIDE-Projekts zu verlängern. Dieses soll vom 1. September 2025 bis zum 31. August 2030 dauern. Ilona Postemska, Senior National Programme Officer der Schweizer Botschaft in der Ukraine, ist seit Beginn an den Projekten der PH Zürich beteiligt.

llona Postemska, Senior National Programme Officer der Schweizer Botschaft in der Ukraine in einem roten Jackett hält ein Mikrofon in der Hand und spricht vor einem Banner.
llona Postemska, Senior National Programme Officer der Schweizer Botschaft in der Ukraine

Ilona Postemska, was ist das Ziel der zweiten Phase von DECIDE?
Das Hauptziel ist es sicherzustellen, dass Kinder in der Ukraine auch während des andauernden Kriegs Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung haben. Diese muss von den lokalen Gemeinden effektiv verwaltet werden können. Mit Blick auf die Zukunft ist es entscheidend, die Bildung an die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes anzupassen, junge Menschen auf zukünftige Berufsfelder vorzubereiten und sie in den Wiederaufbau und die Entwicklung ihrer Gemeinden einzubeziehen. Dies erfordert eine kontinuierliche, systemische Unterstützung der ukrainischen Dezentralisierungs- und Bildungsreformen.

Wie baut die zweite Phase des DECIDE-Projekts auf früheren Projekten auf, die in Zusammenarbeit mit der PH Zürich realisiert wurden?
In der ersten Phase schuf DECIDE sichere Lernräume, unterstützte nationale und lokale Strategien zur Bildungsentwicklung und stellte digitale Instrumente für eine wirksame und transparente Verwaltung des Bildungssektors bereit. Dank der von DOCCU geförderten Minizuschüsse und Aktivitäten zur politischen Bildung hatten Schulkinder die Möglichkeit, über 100 Projekte in ihren Gemeinden umzusetzen. Die zweite Phase baut auf diesen Erfolgen auf und erweitert die Aktivitäten von DECIDE auf insgesamt neun Regionen und 40 Gemeinden. Darüber hinaus fokussieren wir die Wiederherstellung von Arbeitsressourcen, insbesondere die Unterstützung der lokalen Behörden bei der Modernisierung der Bildungsstrukturen. Ebenso konzentrieren wir uns auf die Förderung einer Bildungsreform, die den Schüler:innen akademische und berufliche Bildungswege eröffnet. Ein Schlüsselelement dieser Bildungsreform wird die Unterstützung eines Berufsorientierungssystems durch die Schweiz sein. Dabei wird auf dem Fachwissen der PH Zürich und dem in der ersten Phase erfolgreich erprobten Unterrichtsmaterial «JOBS» aufgebaut. So sichert der Wiederaufbau von heute das Wachstum von morgen.

Drei Personen, zwei Frauen und ein Mann, sitzen an einem Tisch, besprechen Unterlagen und schreiben Notizen.
Die zweite Phase von DECIDE fokussiert auf die Ausweitung der bisherigen Aktivitäten und auf die Berufsorientierung.

Wie können die Schweiz und die Ukraine voneinander lernen?
Die Schweiz verfügt über wertvolles Fachwissen und Erfahrung in den Bereichen lokale Demokratie, partizipative Bildung und Verwaltung. Zudem hat sie einen einzigartigen Ansatz zur beruflichen Orientierung entwickelt, der Bildung mit den Anforderungen des Arbeitsmarktes verknüpft. All diese Elemente sind für den Wiederaufbau der Ukraine von grosser Bedeutung. Die Ukraine wiederum beweist eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit und zeigt, wie unter extremen Umständen systemische Reformen umgesetzt und Innovationen sowie digitale Instrumente zur Unterstützung von Kindern und Gemeinden in Krisensituationen eingesetzt werden können. Der Lernprozess ist also gegenseitig: Die Schweiz stellt bewährte Modelle für eine gute Bildungsverwaltung zur Verfügung, während die Ukraine wertvolle Einblicke in Innovation, Krisenmanagement und eine umfassende Mobilisierung der Zivilgesellschaft bietet.

Weitere Informationen

Kontakte

Ilona Postemska

Schweizerische Botschaft in der Ukraine

Porträtfoto von Dr. Corinna Borer

+41 43 305 54 08