MENSCHENAusgabe 2/2026 : Alumni-Präsident und vieles mehr

Manuel Juon ist seit der Gründung vor bald 10 Jahren Präsident der Alumni PHZH. Jedes Jahr investiert der Primarlehrer dafür mehrere Hundert Stunden Freiwilligenarbeit. Was treibt ihn an und wie findet er die Energie dafür? «Akzente» hat den Winterthurer im Einsatz begleitet.

Text und Fotos: Christian Wagner

Ein Mann steht mit weit nach oben ausgestreckten Armen vor einer Gruppe von Kindern in einem hellen Klassenzimmer. Die Kinder stehen im Kreis um ihn herum und machen die Bewegung mit erhobenen Armen begeistert nach. Im Hintergrund gewährt eine Fensterfront den Blick auf eine Wiese und ein Gebäude im Freien.
Manuel Juon übt mit seiner 3. Primarklasse für einen Auftritt an einem Tanzwettbewerb.

Es geht wild zu und her im Klassenzimmer der 3b in Winterthur Neuhegi. Dem Tanz, den die Klasse ein letztes Mal vor den Frühlingsferien einübt, fehlt nur noch der letzte Schliff. Ob es für den ZO-Danceaward reichen wird, wird sich beim Finale im Mai zeigen. Klassenlehrer Manuel Juon gibt noch ein paar letzte Tipps und versprüht Zuversicht, bevor die Schüler:innen in die Pause gehen. «Unterrichtet habe ich schon immer gerne», sagt Juon zufrieden, «aber mit dieser Klasse kommt es mir vor, als hätte ich den schönsten Beruf der Welt.»

Sein Job als Klassenlehrer einer 3. Klasse ist nicht sein einziger. Seit Beginn seines Master-Studiums an der HfH arbeitet Juon auch als Schulischer Heilpädagoge in seiner Klasse. Seit seinem Abschluss im Januar übt er diese Tätigkeit während eines Tages pro Woche auch in einer Sekundarschule aus. Ab diesem Sommer nimmt er einen weiteren Job als Praxisleiter an und ist dann in einem 20-Prozent-Pensum an der PH Zürich angestellt.

Wenig Freizeit in der Freizeit

Neben seinen drei Jobs nimmt sich Manuel Juon viel Zeit für die Pflege seiner Beziehungen. Sein Netzwerk ist gross und weitverzweigt. Einladungen, Ausflüge, Abendessen, Zügeln, gemeinsame Projekte, Ausgang, «irgendwo läuft eigentlich immer etwas», bestätigt er. Er geniesst das Zusammensein mit seinen Freund:innen, organisiert selbst vieles und ist fast immer mit dabei, wenn jemand einlädt. Zurzeit muss er etwas kürzer treten mit den Einladungen. Im Winter ist er mit seiner Partnerin in ihr gemeinsames Haus eingezogen und dort stehen viel Einräum- und Gartenarbeiten an. Am Samstag läuft der FC Winterthur auf der Schützenwiese auf. Saisonkartenbesitzer Juon möchte kein Spiel verpassen. Zumindest keines der Heimspiele. Erst kürzlich hat er sich auch einen Bubentraum erfüllt und die Fahrberechtigung für schwere Lastwagen und Gabelstapler erworben. «Das kann man immer brauchen, und ich hatte gerade Zeit und Lust darauf», rechtfertigt sich der 31-Jährige verschmitzt.

Das oben Erwähnte klingt bereits nach einem gut ausgelasteten Leben. Doch Manuel Juon investiert nebenher auch viel Zeit in Freiwilligenarbeit. Für die Pfadfinder:innen war er bis vor kurzem Regionsleiter aller 15 Abteilungen in der Region Winterthur. Im grossen Pfadi-Bundeslager, das 2022 mit 30’000 Pfadfinder:innen im Obergoms stattfand, war «Kumulus» – so sein Pfadiname – Beizen-Chef. Mit allen Vor- und Nachbereitungen hat ihn dieses Amt während mehr als zwei Jahren intensiv in Anspruch genommen.

Immer in leitender Funktion zu stehen, mag er aber nicht. In der Feuerwehr ist er einfacher Soldat, an den Winterthurer Musikfestwochen hilft er jeweils beim Auf- und Abbau mit und bei den Rettungsschwimmer:innen war er jahrelang einfaches Mitglied ohne Vereinsfunktion. «Ich mag beides», sagt der Primarlehrer dazu, «ob Herr oder Diener ist mir eigentlich egal. Ich möchte mich einfach für etwas einsetzen, das ich sinnvoll und wichtig finde, und das kann ich in beiden Rollen.»

300 Stunden pro Jahr im Einsatz

Viel Verantwortung trägt Juon in seiner Rolle als Präsident des Vereins Alumni PHZH, ein Amt, das er seit der Gründung 2018 innehat. Vor seinem Abschluss an der PH Zürich erhielt er als Vorstandsmitglied der Studierendenorganisation VS PHZH eine Anfrage von der Hochschulleitung, ob er Lust habe, einen Alumniverein auf die Beine zu stellen. Juon war sofort begeistert. «So schwer kann das nicht sein», blickt er auf sein optimistisches Befinden vor bald zehn Jahren zurück und schiebt hinterher: «Hätte ich damals gewusst, wie viel Arbeit damit verbunden ist, hätte ich mich wohl nicht so blauäugig in dieses Abenteuer begeben.»

Ein Mann sitzt an einem Tisch mit Laptops und spricht zu einer Zuhörer:innengruppe in einem Seminarraum. Die Teilnehmenden sitzen an U-förmig angeordneten Tischen, hören aufmerksam zu und haben teilweise Snacks oder Unterlagen vor sich liegen. Am rechten Bildrand ist ein Roll-up-Banner mit der pinken Aufschrift «ALUMNI» zu sehen.
Als Alumni-Präsident leitet Manuel Juon auch die alljährliche Mitgliederversammlung.

Heute zählt der Verein rund 1500 Mitglieder. Rund zwei Drittel sind Studierende, die während des Studiums gratis Mitglied sein können; rund 500 sind ehemalige Studierende und Mitarbeitende der PH Zürich. Damit ist er der grösste Alumniverein einer Schweizer Pädagogischen Hochschule. Die meisten Vereine existieren nur kurze Zeit, verschwinden dann wieder und werden einige Jahre später von einer neuen Gruppe wieder aufgebaut. Zurzeit führen einzig die HfH und die PH Bern Alumniorganisationen. Die Alumni PHZH bieten ihren Mitgliedern rund 40 Anlässe jährlich an, eine praktische Austauschplattform für das Teilen von erprobten Unterrichtsideen sowie einige Goodies wie etwa ein Jahresabo von «Akzente».

Juon ist stolz auf den heutigen Verein und die Führungscrew, die auch in den schwierigeren Zeiten nicht hingeschmissen hat. «Wir haben auf unserem Weg so viele dicke Bretter gebohrt, verhandelt, mobilisiert, Frust eingeholt und wieder Hoffnung geschöpft», blickt der Präsident zurück. Die grösste Herausforderung sei aber immer die Unsicherheit gewesen: «Weil alles Pionierarbeit ist, was wir tun, wussten wir nie, ob sich die ganze Mühe und das Geld, das wir investiert haben, auch auszahlen werden.» Es sei von Anfang an klar gewesen, dass der Verein eine gewisse Grösse erreichen muss, um nicht einzugehen. Die Rechnung ist einfach: Je mehr Mitglieder, desto aktiver das Vereinsleben und desto mehr Mehrwerte können für die Mitglieder geschaffen werden, was wiederum eine Mitgliedschaft attraktiver macht. Dieser Druck habe zwar abgenommen, aber Zeit zum Ausruhen gebe es trotzdem nicht, auch wenn sie mittlerweile kein Start-up, sondern eher ein KMU seien. «Ein KMU», ergänzt der Präsident lachend, «das von Leuten geführt wird, die zumeist hochprozentig als Lehrer:innen arbeiten.»

Würde es den Verein in der heutigen Form geben ohne seinen unermüdlichen Einsatz? «Wohl eher nicht», entgegnet Juon, «aber ebenso wenig ohne den Einsatz von jedem und jeder, die den Verein mit aufgebaut haben und betreiben, oder die vielen engagierten Mitglieder.» Auch ohne die Fördergesellschaft Pestalozzianum und ihre Förderbeiträge gäbe es keine Alumni PHZH, oder ohne die PH Zürich, die die Administration übernimmt, bis sie der Verein aus eigenen Mitteln finanzieren kann. «Und ohne die vielen ermutigenden Gesten und positiven Feedbacks aus dem Umfeld hätten wir wohl schon alle längst aufgegeben», schliesst der Präsident.

«Einfach weil es Spass macht»

Mit einer Vorstandssitzung, einem Alumni- Event und einer Diplomfeier an der PH Zürich hat der Winterthurer allein in der Woche des Interviews drei Einsätze für den Verein. Inklusive Reisezeit summiert sich das auf 17 Stunden. Um zu erklären, was ihn motiviert, holt er einen alten Alumni-Flyer aus der Schublade und liest daraus vor: «Wenn wir unsere Erfahrungen und unsere besten Ideen teilen, dann wird das Berufsleben für alle inspirierter und einfacher.» «Daran glaube ich mit voller Überzeugung», sagt Juon, «und diese Vision ist der Grundstein meiner Motivation.»

Die Kraft für seine Arbeit holt er nicht aus dem Idealismus, sondern aus der Zusammenarbeit mit den Menschen, mit denen er die Ideale gemeinsam realisiert. «Für mich gibt es kaum etwas Schöneres, als mit motivierten Leuten etwas Sinnvolles auf die Beine zu stellen und zusammen voranzukommen.» Wenn es richtig gut laufe, dann kriege er sogar regelmässig mehr Energie raus, als er reinstecke: «Nach einem tollen Tag in der Schule oder einem gelungenen Alumni-Anlass könnte ich jeweils noch Bäume ausreissen vor lauter Euphorie und Inspiration.» Während ihm Geld, Glanz und Gloria wenig bedeuten, ist es ihm bei jedem Engagement besonders wichtig, dass er etwas lernt. «Solange es etwas zu lernen gibt, bleibe ich eigentlich immer motiviert. Gelerntes nehme ich als Gage für meinen Einsatz jederzeit dankbar an», sagt der Primarlehrer.

Vielleicht liegt in dieser Form der Energiegewinnung das Geheimnis, weshalb Manuel Juon so viele Töpfe auf dem Herd halten kann und trotzdem immer entspannt bleibt. «In anspruchsvollen Zeiten – und diese kommen immer wieder – hilft es mir, kurz innezuhalten und mir bewusst zu machen, warum ich tue, was ich tue, was ich daraus lerne und wofür ich einstehe. Das gibt Kraft, dranzubleiben.»