Bildungs- und Schul­ge­schich­te

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Die Bildungs- und Schulgeschichte befasst sich aus historischer Perspektive mit Wandel und Kontinuität der Bildung sowie des Lehrberufs.

Inhalt dieser Seite

Zwei Personen beschäftigen sich mit der Archivierung von Büchern.

Ziel der Bildungs- und Schulgeschichte ist es, bildungshistorisch fundiertes Wissen zu erarbeiten. Es soll dabei helfen, gesellschaftliche Tradierungen, Erwartungen und Dynamiken in schulischen und ausserschulischen Feldern kritisch und analytisch zu ordnen. Schwerpunkte der Untersuchungen sind verschiedene historische Erkenntnisse und Praktiken in der Ausbildung von Lehrpersonen, der Wandel pädagogischen Wissens inner- und ausserhalb des schulischen Kontexts, institutionelle Transformationen und Pädagogisierungsambitionen.

Die Forschungstätigkeiten im bildungshistorischen Bereich folgen einer kultur- und wissensgeschichtlichen sowie einer praxeologischen Perspektive. Besondere Bedeutung haben Projekte, die sich auf die Bestände der Forschungsbibliothek Pestalozzianum der PH Zürich beziehen. Diese teilweise einmaligen Bestände der Sammlung ermöglichen eine historische Analyse zu verschiedenen Entwicklungen in pädagogisch relevanten Praxisfeldern und über gesellschaftliche Aushandlungen zu (ausser-)schulischer Bildung und Erziehung.

Diese Aktivitäten im Themenbereich Bildungs- und Schulgeschichte werden vom Zentrum für Schulgeschichte wahrgenommen, welches die bildungshistorische Forschung an der PH Zürich bündelt.

Forschungsschwer­punkte

Die Schulgeschichte befasst sich aktuell mit der Geschichte der Lehrpersonenbildung, der Geschichte einzelner Schulfächer, sozialtechnologischen Entwürfen in der Pädagogik im Zusammenhang von Krisenwahrnehmungen, Bildungsreformen und sozio-kulturellem Wissen.

Historische Praktiken und Wissenszirkulationen in der Lehrpersonenbildung

In diesem Forschungsschwerpunkt richtet sich das Augenmerk besonders auf Wissenszirkulationen und Praxisverflechtungen zwischen institutionalisierter Lehrpersonenbildung und sozialen Bewegungen während der sogenannten Bildungsexpansion. Damit wird in der Geschichte der Lehrpersonenbildung auf die Herausbildung verschiedenen, nicht klar voneinander abgrenzbaren Erkenntnissen und Wissensformationen fokussiert. Darunter versteht man zum einen wissenschaftliche Wissenselemente, aber auch institutionalisierte, lokale sowie teilweise populäre, esoterische und antiintellektuelle Wissensbestände.

Sozialtechnologie und Pädagogik

Krisendiagnosen führten und führen häufig zur Forderung, dass als Missstände etikettierte Phänomene durch pädagogisches Handeln überwunden werden. Der Forschungsstrang Sozialtechnologie und Pädagogik legt den Fokus auf erzieherische Interventionsabsichten in schulischen und ausserschulischen Feldern. Angesichts von zeitgenössisch beobachteten Krisen wurde von Exponent:innen sozialer Bewegungen (Abstinenz- und Frauenbewegungen, Bewegungen der Lebensreform, der Eugenik, der sozialen Jugendfürsorge, der 1968er-Bewegung) oftmals eine (moralisch bedingte) Pflicht zur Intervention abgeleitet, wobei Krisen als Anlässe für die Neukonstituierung sozialer Ordnungen begriffen wurden. Die Untersuchungen zielen auf Krisenbeschreibungen, Varianten der Krisenbewirtschaftung und vor allem auf pädagogische sowie schulische Lösungsvorschläge zur Krisenbewältigung.

Digitale Editionen

Die Forschungsbibliothek Pestalozzianum verfügt über ein Archiv, das in den vergangenen Jahren zu grossen Teilen digitalisiert wurde. In den nächsten Jahren steht die erleichterte Zugänglichkeit der archivalischen Bestände und digitalen Editionen im Vordergrund. Gemeinsam mit der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung des DIPF (BBF) in Berlin wurden bereits zwei Editionen zur Geschichte der Schule im Übergang von der kirchlichen zur staatlichen Organisation zugänglich gemacht.

Schule und Lehrerbildung zwischen kirchlicher und staatlicher Organisation, «EditionenBildungsgeschichte», BBF

Publi­ka­tionen

  • Hoffmann-Ocon, Andreas und Bruno Leutwyler (2025) Der LEMO-Bericht als Katalysator und als Beschränkung – Forschungs- und Wissenschaftsorientierungen in der Lehrpersonenbildung.

    In: Schweizer Kompromisspapier und bedeutsames Referenzdokument zur Lehrerinnen- und Lehrerbildung. 50 Jahre «Lehrerbildung von morgen». Erörterungen – Einschätzungen – Entwicklungen, hrsg. v. Christina Huber und Peter Tremp, 83–95. Luzern: Pädagogische Hochschule Luzern.

  • Hoffmann-Ocon, Andreas (2025) Mehr Wissenschaft wagen? PH-Kulturen zwischen Handwerks-, Lehrkunst- und Wissenschaftsorientierung.

    In: Zwei Jahrzehnte hochschulische Lehrerinnen- und Lehrerbildung: Bilanzierungen und Perspektiven = Deux décennies de formation des enseignant·e·s en haute école: bilans et perspectives, hrsg. v. Bruno Leutwyler, Deniz Gyger Gaspoz, Barbara Kohlstock, Heinz Rhyn und Peter Tremp, 203–09. Bern: Hep.

  • Horlacher, Rebekka (2025) Erziehungswissenschaft.

    In: Rousseau-Handbuch, hrsg. v. Skadi Siiri Krause, 581–89. Berlin, Heidelberg: J.B. Metzler.

  • Tremp, Peter und Andreas Hoffmann-Ocon (2025) Verwandtschaftlich verbunden – LEMO und die Höhere Pädagogische Lehranstalt in Zofingen/Aargau.

    In: Schweizer Kompromisspapier und bedeutsames Referenzdokument zur Lehrerinnen- und Lehrerbildung. 50 Jahre «Lehrerbildung von morgen». Erörterungen – Einschätzungen – Entwicklungen, hrsg. v. Christina Huber und Peter Tremp, S. 211–23. Luzern: Pädagogische Hochschule Luzern.

  • Bühler, Caroline, Tomas Bascio, Jessica Bollag, Tamara Deluigi, Mira Ducommun und Urs Hafner (2024) Stigmatisierung abweichender Familienkonstellationen in Fremdplatzierungsprozessen.

    In: Schicksale der Fremdplatzierung. Behördenentscheidungen und Auswirkungen auf den Lebenslauf. Nationales Forschungsprogramm «Fürsorge und Zwang», Band 3, hrsg. von René Knüsel, Alexander Grob und Véronique Mottier, 105–17. Basel: Schwabe Verlag.

  • De Vincenti, Andrea, Norbert Grube und Andreas Hoffmann-Ocon (2024) Wissenskonflikte und ‑zirkulation um die Zürcher Lehrer*innenbildung in der Phase neuer sozialer Bewegungen 1950–1980: Universitätsaffinität, antiakademische Kritik und das Nicht-Akademische.

     In: Universitäten und Hochschulen zwischen Beharrung und Reform. Bildungshistorische Perspektiven, hrsg. von Edith Glaser, Carola Groppe und Jürgen Overhoff, 254–70. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.

  • De Vincenti, Andrea, und Andreas Hoffmann-Ocon (2024) Erinnerungen an die pädagogische Zukunft? Bezugnahmen auf Vergangenes in Debatten um Schule und Kindergarten in der Zürcher Lehrer*innenbildung der 1960er und 70er Jahre.

    In: Das Historische als Argument. Geschichtsbezüge in Bildungsdebatten, hrsg. von Katharina Gather, Ulrich Schwerdt und Norbert Grube, 153–73. Berlin: Peter Lang.

  • De Vincenti, Andrea, und Rebekka Horlacher (2024) Lebenswelt- und Gegenwartsorientierung jenseits disziplinärer Fachlichkeit. Sexualerziehung als Unterrichtsprinzip an Zürcher Volksschulen der 1970er- und 1980er-Jahre.

    In: Fachunterrichtsgeschichten. Studien zur Geschichte der Praxis des Fachunterrichts, hrsg. von Josefine Wähler, Marco Lorenz, Sabine Reh und Joachim Scholz, 149–61. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.

  • De Vincenti, Andrea (2024) Undoing the Knots. A Gender-Historical Perspective on Debates about Kindergarten in German-Speaking Switzerland (1950–1980).

    Paedagogica Historica: 1–18.

  • Gather, Katharina, Ulrich Schwerdt und Norbert Grube (2024) Das Historische als Argument. Geschichtsbezüge in Bildungsdebatten.

    Berlin: Peter Lang.

  • Gather, Katharina, Ulrich Schwerdt und Norbert Grube (2024) Einführende Gedanken zum «Historischen als Argument».

    In: Das Historische als Argument. Geschichtsbezüge in Bildungsdebatten, hrsg. von Katharina Gather, Ulrich Schwerdt und Norbert Grube, 9–33. Berlin: Peter Lang.

  • Gather, Katharina, Ulrich Schwerdt und Norbert Grube (2024) Wie konturiert sich das Historische als Argument? Geschichtsbezüge in westdeutschen Bildungsreformdebatten der 1960er und 70er Jahre.

    In: Das Historische als Argument. Geschichtsbezüge in Bildungsdebatten, hrsg. von Katharina Gather, Ulrich Schwerdt und Norbert Grube, 77–107. Berlin: Peter Lang.

  • Hoffmann-Ocon, Andreas, Till Kössler und Sabine Reh (2024) Temporalitäten. Zur Geschichte des Verhältnisses von Erziehung.

    In: Jahrbuch für Historische Bildungsforschung 29. Schwerpunkt Temporalitäten. Zur Geschichte des Verhältnisses von Erziehung, Zeit und Zeiten, hrsg. v. Andreas Hoffmann-Ocon, Till Kössler und Sabine Reh, 11–26. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.

  • Hoffmann-Ocon, Andreas, Till Kössler und Sabine Reh (2024) Jahrbuch für Historische Bildungsforschung 29. Schwerpunkt Temporalitäten. Zur Geschichte des Verhältnisses von Erziehung, Zeit und Zeiten.

    Bad Heilbrunn: Klinkhardt.

  • Hoffmann-Ocon, Andreas, und Norbert Grube (2024) Pädagogik als (strittiges) Unterrichtsfach an Zürcher Pädagogischen Gymnasien – Ansprüche, Paradoxien, Wissenskämpfe 1920–1980.

    In: Fachunterrichtsgeschichten. Studien zur Geschichte der Praxis des Fachunterrichts, hrsg. von Josefine Wähler, Marco Lorenz, Sabine Reh und Joachim Scholz, 149–91. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt.

  • Hoffmann-Ocon, Andreas (2024) «Bildungsdschungel»: Die Volksschule und Lehrpersonenbildung in der Krise?

    Zentralinfo (Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz): 8–9.

  • Horlacher, Rebekka (2024) Pestalozzis Konzept von Arbeit im Spiegel ökonomischer, politischer und sozialer Veränderungen.

    In: Jahrbuch für Historische Bildungsforschung 29. Schwerpunkt Temporalitäten. Zur Geschichte des Verhältnisses von Erziehung, Zeit und Zeiten, hrsg. v. Andreas Hoffmann-Ocon, Till Kössler und Sabine Reh, 185–202. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.

  • Brühwiler, Ingrid, Rebekka Horlacher, Grégory Quin und Johannes Westberg (2023) La Fabrique des corps nationaux. Autour de l’institutionalisation de l’éducation physique en Suisse et en Europe (XIXe–XXIe siècle).

    Neuenburg: Alphil-Presses universitaires suisses.

  • Bascio, Tomas (2023) There’s No Riot Going on – Social Changes from Inside Out. Discourses Surrounding Pop Culture, Authenticity, and Forms of Life in the School Context in the German-speaking Part of Switzerland around 1968.

    Historia Scholastica 9 (2): 113–42.

  • De Vincenti, Andrea, Norbert Grube und Andreas Hoffmann-Ocon (2023) The Group as a Means to Restore Community in Teacher Education? Therapeutising Technologies during the «Psycho-boom» of the 1970s in Zurich.

    Historia Scholastica 1: 83–98.

  • Bascio, Tomas, Jessica Bollag und Tamara Deluigi (2023) Mendrisio, andata e ritorno – Fürsorgerische und psychiatrische Kategorisierungen fremdplatzierter Jugendlicher im Tessin der 1970er Jahre.

    In: Das Problem Kind. Zur Geschichte der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Schweiz im 20. Jahrhundert, hrsg. von Mirjam Janett, Urs Germann und Urs Hafner, 166–79. Basel: Schwabe Verlag.

  • Hoffmann-Ocon, Andreas (2023) Mit offenen Wissensordnungen Zukunft antizipieren? – Vergangene Debatten zu den Grenzen schulischer Strukturierung.

    In: Nachdenken über Lehrerinnen- und Lehrerbildung. Anregungen zur Weiterentwicklung der Pädagogischen Hochschulen in der deutschsprachigen Schweiz, hrsg. v. Peter Tremp, 111–15. Luzern: Pädagogische Hochschule Luzern.

  • Horlacher, Rebekka (2023) L’éducation corporelle entre santé, loisirs et pédagogie. Autour de l’Institut de Johann Heinrich Pestalozzi à Yverdon.

    In: «La Fabrique des corps nationaux». Autour de l’institutionnalisation de l’éducation physique en Suisse et en Europe (XIXe–XXIe siècle), hrsg. v. Ingrid Brühwiler, Rebekka Horlacher, Grégory Quin und Johannes Westberg, 29–44. Neuenburg: Alphil-Presses universitaires suisses.

  • Horlacher, Rebekka (2023) Schleiermacher’s educational theory in the context of the vocational-or-liberal-education debate.

    In: F.D.E. Schleiermacher’s Outlines of the Art of Education. A Translation & Discussion, hrsg. v. Norm Friesen und Karsten Kenklies, 157–76. New York: Peter Lang.

  • Horlacher, Rebekka, Sébastien A. Alix und Lukas Boser Hofmann (2023) Nation-building by education statistics and data: a comparative perspective on school surveys in Switzerland, France, and Scotland.

    In: Education, Curriculum and Nation-Building: Contributions of Comparative Education to the Understanding of Nations and Nationalism, hrsg. v. Daniel Tröhler, 55–76. Milton: Routledge.

  • Juen, Adrian (2022) Die häusliche Ordnung schulischer Pädagogik.

    Zürich: Chronos.

  • Bascio, Tomas (2021) Wesentliche Voraussetzungen für gute Unterrichtsführung liegen in Schichten der Seele, die durch wissenschaftliche Ausbildung nicht erfasst werden.

    Zürich: Open Access.

  • Hoffmann-Ocon, Andreas, Andrea De Vincenti, Norbert Grube (Hrsg.) (2020) Praxeologie in der historischen Bildungsforschung. Möglichkeiten und Grenzen eines Forschungsansatzes.

    Bielefeld: Transcript Verlag.

  • Metzger, Franziska, David Neuhold, Andrea De Vincenti, Norbert Grube und Andreas Hoffmann-Ocon (Hrsg.) (2020) Schweizerische Zeitschrift für Religions- und Kulturgeschichte 114: Themenschwerpunkt «Gemeinschaftsvorstellungen».

    Basel: Schwabe.

  • De Vincenti, Andrea, Norbert Grube, Andreas Hoffmann-Ocon (Hrsg.) (2020) 1918 in Bildung und Erziehung: Traditionen, Transitionen, Visionen.

    Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt.

  • De Vincenti, Andrea, Norbert Grube, Michèle Hofmann, Lukas Boser (Hrsg.) (2020) Pädagogisierung des «Guten Lebens»: Bildungshistorische Perspektiven auf Ambitionen und Dynamiken im 20. Jahrhundert.

    Bern: Bibliothek am Guisanplatz.

  • Grube, Norbert, Andreas Hoffmann-Ocon und Andrea De Vincenti (Hrsg.) (2017) Erster Weltkrieg, Schule und Volksbildung in der Deutschschweiz.

    Zürich: LIT Verlag.

  • De Vincenti, Andrea, Norbert Grube und Andreas Hoffmann-Ocon (2018) Pädagogisierung von Räumen: Reale, imaginierte und fiktive Bildungsorte in der Deutschschweiz im 19. und 20. Jahrhundert.

    In: Historia Scholastica Jg. 4, Nr. 1/Themenheft. Prag: Historia Scholastica.

  • Hoffmann-Ocon, Andreas und Lucien Criblez (2017) Scheinbarer Stillstand – Pädagogische Diskurse und Entwicklungen in den Achtzigerjahren.

    In: Jahrbuch für Historische Bildungsforschung, Jg. 23. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.

  • Kasper, Tomáš, Karel Rýdl und Andreas Hoffmann-Ocon (Hrsg.) (2017) Historical Reflection of Education and its Significance in (not only) Teacher Education.

    In: Pedagogika – Journal of Research in Educational Sciences (Vol. LXVII).

  • Grube, Norbert und Claudia Mäder (2017) Papa Pestalozzi.

    In: Pestalozzi − Die dunklen Seiten des Vaters der Nation.

  • Hoffmann-Ocon, Andreas und Rebekka Horlacher (Hrsg.) (2016) Pädagogik und pädagogisches Wissen − Pedagogy and Educational Knowledge.

    Bad Heilbrunn: Klinkhardt.

  • Hoffmann-Ocon, Andreas (Hrsg.) (2015) Orte der Lehrerinnen- und Lehrerbildung im Kanton Zürich.

    Bern: Hep.

Promotionsarbeiten

Projektname: Von der autoritären Wissensvermittler:in zum Coach? Kontinuität und Wandel von Rolle, Aufgaben und Erwartungen an Lehrpersonen durch den «Psychoboom» in der Schweiz (Arbeitstitel)

Promotionsarbeit von: Patricia Janser

Thema: Zwischen 1950 und 1980 gewannen psychologische und therapeutisierende Wissensformen zunehmend an Bedeutung und prägten unterschiedlichste gesellschaftliche Bereiche. Vor dem Hintergrund dieses sogenannten «Psychobooms» steht die Zirkulation solcher Wissensbestände unter Lehrpersonen sowie deren Bedeutung für die Rollen der Lehrpersonen im Fokus. Im Zentrum steht die Frage, wie Wissensverflechtung und ‑zirkulation Aufgaben, Erwartungen sowie Vorstellungen von Autorität, Eignung und Professionalität von Lehrpersonen veränderten und welche Kontinuitäten dabei fortbestanden. Zugleich richtet sich der Blick auf Debatten, Kritiken und Konflikte, die diese Wissenszirkulation begleiteten. Die Untersuchung basiert auf einem vielfältigen Korpus veröffentlichter und unveröffentlichter Quellen.

Finanzierung: Schweizerischer Nationalfonds (SNF)

Betreuer:innen: Andrea De Vincenti, Norbert Grube und Andreas Hoffmann-Ocon

Gutachter: Roland Reichenbach und Andreas Hoffmann-Ocon

Projektname: Zwischen Autorität und Antiautorität – Schulische und ausserschulische Bildungsdiskurse in Zeiten des Psychobooms in der Deutschschweiz 1950–1990. (Arbeitstitel)

Promotionsarbeit von: Dana Balmer

Thema: Linksalternative Bewegungen stellten in der Mitte des 20. Jahrhunderts – auch unter Rückgriff auf neue entstehende psychologische Wissen – autoritäre Erziehung infrage. Diese Entwicklungen stiessen jedoch nicht überall auf Zustimmung; kritische Stimmen sahen in antiautoritären Erziehungsmethoden etwa eine Gefahr für eine Orientierungslosigkeit unter Jugendlichen. An diesen Diskurs knüpft die Dissertation an, indem sie schulische und ausserschulische Bildungsdiskurse im Hinblick auf ihre Vorstellungen von Autorität und Antiautorität untersuchen will. Im Zentrum steht dabei unter anderem die Frage, welche Argumentationsmuster im Zusammenhang mit Autorität und Antiautorität verwendet wurden und inwiefern neu entstehende psychologische Wissensbestände als Begründungen für antiautoritäre Positionen fungierten. Als Basis für die Untersuchungen dienen veröffentlichte wie unveröffentlichte Quellen.

Finanzierung: Schweizerischer Nationalfonds (SNF)

Betreuer:innen: Andrea De Vincenti, Norbert Grube und Andreas Hoffmann-Ocon

Gutachter: Martin Lengwiler und Norbert Grube

Projektname: «Wesentliche Voraussetzungen für gute Unterrichtsführung liegen in Schichten der Seele, die durch wissenschaftliche Ausbildung nicht erfasst werden.» – Diskurse rund um das Unterrichtsfach und die Referenzdisziplin Pädagogik innerhalb der Schweizer Lehrpersonenbildung um 1970 (abgeschlossen 2021) 

Promotionsarbeit von: Tomas Bascio 

Thema: Um 1970 gab es in der Deutschschweiz unterschiedliche Debatten zur Lehrpersonenbildung. Insbesondere der Diskurs rund um das Fach und die Disziplin Pädagogik können als spezifischen Diskurs der Lehrpersonenbildung gedeutet werden. Durch Verwissenschaftlichungsprozesse und eigenständige Wissenszirkulationen innerhalb von Lehrpersonenkreisen, die sich beispielsweise im LEMO-Expert:innenbericht (1975) als zentrales Diskursfeld widerspiegeln, werden die charakteristischen Vorstellungen des Faches und der Disziplin als persistente Vorstellungen von Pädagogik gezeichnet, die durch die entsprechenden Akteur:innen als spezifischer Denkstil und als eigensinnige Pädagogisierung zum Ausdruck kommen. Die persistenten Vorstellungen sind gekennzeichnet durch eine eigenständige disziplinäre und fachliche Mehrfachorientierung, das heisst durch eine Vermischung von psychologischen mit pädagogisch-anthropologischen und normativen Aspekten, durch eine eigene metaphorische Sprache und durch eine besondere standespolitische Haltung. 

Finanzierung: PH Zürich, Aebli Näf-Stiftung zur Förderung der Lehrerbildung in der Schweiz 

Betreuer: Roland Reichenbach und Andreas Hoffmann-Ocon 

Projektname: Die häusliche Ordnung schulischer Pädagogik. Zur Praxis der Hauswarte und Hausmütter an den Zürcher Lehrer:innenseminaren, 1900–1950 (abgeschlossen 2020) 

Promotionsarbeit von: Adrian Juen  

Thema: An den Zürcher Seminaren Küsnacht, Unterstrass und der Höheren Töchterschule wirkten zwischen 1900 und 1950 zahlreiche Hauswarte und Hausmütter in vergleichbarer und doch diverser Arbeits- und Lebenspraxis. Ihre Untersuchung erlaubt neue Einblicke in vergangene Schulkulturen. Durch ihr individuelles und allgemeines, praktisches und diskursives Handeln bringen diese kaum erforschten Akteur:innen zum Ausdruck, wie der physische Raum und die darin Anwesenden in der Verwobenheit des täglichen Geschehens Schule als bedeutungsvolle gesellschaftliche Organisation formierten. 

Finanzierung: Schweizerischer Nationalfonds (SNF) 

Betreuer: Lucien Criblez und Andreas Hoffmann-Ocon 

Kooperationen

Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung des Leibniz-Instituts für Bildungs­forschung und Bildungsinformation (DIPF), Berlin

Die Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung ist eine Forschungsbibliothek mit schulgeschichtlichem Archiv. Diese strukturelle und inhaltliche Vergleichbarkeit bildet die Grundlage für eine enge Zusammenarbeit in Bezug auf Fachtagungen und die Entwicklung von Angeboten für die bildungshistorische Fachcommunity, die durch einen Kooperationsvertrag langfristig abgesichert ist.

Ein festes Element der Zusammenarbeit ist das halbjährlich stattfindende Forschungskolloquium, das abwechselnd in Zürich und Berlin respektive online durchgeführt wird. Dem akademischen Nachwuchs kommt in diesem Kolloquium eine besondere Bedeutung zu und es bietet auch dem Bibliothekspersonal Gelegenheit zum fachlichen Austausch. Ein weiteres Feld der Zusammenarbeit liegt in der Gestaltung von gemeinsamen Panels an internationalen Tagungen oder in der Organisation von Workshops. Ergänzt wird diese Forschungszusammenarbeit – unter Mitwirkung der Stiftung Pestalozzianum – durch die Erarbeitung von gemeinsamen Richtlinien, um Erschliessungsdaten auf bildungshistorischen Online-Portalen publizieren zu können, sowie von gemeinsamen Quelleneditionen.

Personen

Leitung

Porträtfoto von Prof. Dr. Andreas Hoffmann-Ocon

+41 43 305 50 73

Mitarbeitende

  • Porträtfoto von Dr. Andrea De Vincenti

    +41 43 305 61 14

  • Porträtfoto von Dana Balmer

    Dana Balmer

    Doktorandin

    +41 43 305 53 39

  • Porträtfoto von Daniela Mistrello

    +41 43 305 63 19

  • Porträtfoto von Patricia Janser

    Patricia Janser

    Doktorandin

    +41 43 305 53 44

  • Porträtfoto von Dr. Rebekka Horlacher

    +41 43 305 61 06

  • Porträtfoto von Dr. Tomas Bascio

    +41 43 305 57 93

  • Porträtfoto von Urs Volken

    Urs Volken

    I+D Spezialist

    +41 43 305 51 55

Kontakt

Porträtfoto von Prof. Dr. Andreas Hoffmann-Ocon

+41 43 305 50 73