Psychologie des Lernens und Lehrens
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Kinder und Jugendliche lernen und entwickeln sich in einem komplexen Zusammenspiel individueller und kontextueller Einflussfaktoren. Entwicklungskontexte sind von raschen Veränderungen geprägt, zum Beispiel durch Krisen, Migration oder Ungleichheiten. Von besonderer Relevanz sind dabei Schutzprozesse und die Entwicklung von Resilienz. Selbstwirksamkeitsüberzeugungen, Selbstregulationsfähigkeiten, sozio-emotionale Kompetenzen und Playfulness gelten als zentrale individuelle Ressourcen für den Umgang mit Stress, Belastungen und Unsicherheiten. Die Qualität pädagogischer Interaktionen und sozialer Beziehungen dienen dabei als zusätzliche Ressource auf der sozialen Ebene.
Auch im Lehrberuf sind diese Ressourcen von grosser Bedeutung. Lehrpersonen sind in ihrem Beruf mit vielfältigen und komplexen Anforderungen konfrontiert. Ihr Umgang mit Belastungen ist für das Wohlbefinden und die Gestaltung gelingender pädagogischer Interaktionen wesentlich. Dafür benötigen sie professionelle Kompetenzen wie die Fähigkeit zur Selbstregulation.
Im Rahmen des Themenschwerpunkts werden Fragen zu Lern- und Entwicklungsprozessen von Kindern, Jugendlichen und Lehrpersonen untersucht. Dabei liegt der Fokus auf Kompetenzen, Ressourcen und Schutzprozessen für eine positive Entwicklung. Von Interesse ist insbesondere das Zusammenspiel zwischen Merkmalen und Verhaltensweisen von Lehrpersonen, Merkmalen pädagogischer Interaktionen und den Lern- und Entwicklungsprozessen von Schülerinnen und Schülern. Thematisiert werden Fragen der längsschnittlichen Entwicklung, der überfachlichen und professionellen Kompetenzen sowie der sozialen Interaktionen von Kindern, Jugendlichen und Lehrpersonen.
Forschungsschwerpunkte
Umgang mit Stress und Belastung im Lehrberuf
Im Zentrum des Forschungsschwerpunkts stehen Fragen zur Entstehung und Bewältigung von Belastungen im Berufsalltag, zum Zusammenspiel von Engagement, Belastung und Selbstregulation sowie zur Förderung und Unterstützung von Selbstregulationskompetenzen bei Lehrpersonen und Studierenden. Zudem interessiert das Zusammenwirken von Selbstregulation und Verspieltheit bei Lehrpersonen als Copingstrategie im Unterrichtsalltag.
Playfulness und Playful Teaching
Der Forschungsschwerpunkt untersucht die Bedeutung von Playfulness für Entwicklungs- und Lernprozesse von Kindern und Jugendlichen sowie Zusammenhänge zwischen der Verspieltheit von Lehrpersonen, ihrem Unterrichtshandeln und Merkmalen der Interaktionsqualität zwischen Lehrpersonen und Schülerinnen und Schülern. Im Vordergrund steht auch die Frage, wie die Verspieltheit von Lehrpersonen im Unterricht didaktisch genutzt werden kann, um die Entwicklung und das Lernen von Schülerinnen und Schülern anzuregen und zu unterstützen.
Pädagogische Interaktionen
Qualitativ hochwertige pädagogische Interaktionen sind für die kognitive und sozial-emotionale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zentral. Der Forschungsschwerpunkt untersucht die Qualität pädagogischer Interaktionen aus verschiedenen Perspektiven, im Längsschnitt sowie in seinen Auswirkungen auf die Entwicklung und das Lernen von Kindern und Jugendlichen.
Publikationen
2025
Bieri Buschor, Christine, Simone Berweger, Zippora Bührer, Andrea Keck Frei, Christine Wolfgramm und Nicole Périsset (2025) Durch Coaching zielorientiert am Umgang mit Belastung dranbleiben – ein Programm zur Stärkung der Selbstregulation von Lehrpersonen.
In: Coaching und kollegiale Beratung, hrsg. v. Christine Bieri Buschor, Esther Forrer Kasteel und Wildtrud Weidinger, 267–85. Bern: Hep.
Bührer, Zippora, Christine Wolfgramm, Simone Berweger, Andrea Keck Frei und Christine Bieri Buschor (2025) Why coaching matters: exploring the interplay of teacher self-regulation and well-being with a longitudinal multigroup model.
Frontiers in Psychology 16: 1647838.
Duss, Isabelle, Cornelia Rüdisüli, Corina Wustmann Seiler und Patricia Lannen (2025) Fostering Playfulness in 2-to-6-Year-Old Children: A Longitudinal Study of Parental Play Support Profiles and Their Effects on Children’s Playfulness.
Behavioral Sciences 15(12): 1716.
2024
Duss, Isabelle; Rüdisüli, Cornelia; Wustmann Seiler, Corina und Lannen, Patricia (2024) Development of playfulness in children with low executive functions: The role of parental playfulness and parental playtime with their child.
Behavioral Sciences, 14 (7), 542.
Eckstein, Boris und Alexander Wettstein (2024) Zur Qualität pädagogischer Interaktionen im Unterricht. Eine neuartige theoretische Konzeptualisierung und eine innovative 2×3×2-Systematik.
Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik 30 (3): 2–9.
Rüdisüli, Cornelia; Duss, Isabelle; Lannen, Patricia und Wustmann Seiler, Corina (2024) Relations between teacher–child interaction quality and children’s playfulness.
Early Child Development and Care 194 (7–8): 883–97.
Wustmann Seiler, Corina, Isabelle Duss, Cornelia Rüdisüli und Patricia Lannen (2024) Developmental trajectories of children’s playfulness in two- to six-year-olds.
Frontiers in Developmental Psychology 2: 1–18.
2023
Duss, Isabelle, Cornelia Rüdisüli, Corina Wustmann Seiler und Patricia Lannen (2023) Playfulness from children’s perspectives: development and validation of the Children’s Playfulness Scale as a self-report instrument for children from 3 years of age.
Frontiers in Psychology, Section Developmental Psychology 14: 1–11.
Rüdisüli, Cornelia, Isabelle Duss, Patricia Lannen und Corina Wustmann Seiler (2023) External assessment of teachers’ roles during children’s free play and its relation to types of children’s play.
Frontiers in Education, Section Educational Psychology 8: 1–13.
Sticca, Fabio, Olivia Gasser-Haas und Corina Wustmann Seiler (2023) The interplay among familial risk, narrative coherence, and emotional problems from early to middle childhood.
Frontiers in Psychology: Developmental Psychology 14: 969–74.
Promotionsarbeiten
Playfulness im Kontext der Fachperson-Kind Interaktion in Kita und Kindergarten
Projektname: Playfulness im Kontext der Fachperson-Kind Interaktion in Kita und Kindergarten
Promotionsarbeit von: Cornelia Rüdisüli
Thema: Junge Kinder lernen im und durch Spiel(en) und eignen sich dabei fachliche und überfachliche Kompetenzen an. Playfulness bezieht sich auf die Fähigkeit, Bereitschaft und Freude von Kindern, sich auf das Spiel(en) einzulassen; sie wird auch als Spielqualität bezeichnet. Wenig ist bislang bekannt, was Erwachsene zur Entfaltung dieser Spielqualität beitragen können. Im Zentrum der Dissertation steht die Frage, wie Fach- und Lehrpersonen in Kindertageseinrichtungen und Kindergärten durch ihre pädagogischen Interaktionen die Entwicklung der kindlichen Spielqualität unterstützen und stärken können.
Finanzierung: Schweizerischer Nationalfonds (SNF)
Betreuer:in: Anna-Katharina Praetorius und Corina Wustmann Seiler