Spielzeugfreier Kindergarten:  Ein Projekt zur Stärkung der Lebenskompetenzen

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Das Forschungsprojekt im Auftrag der Stellen für Suchtprävention im Kanton Zürich und in Zusammenarbeit mit der PH Thurgau untersucht die Entwicklung der Lebenskompetenzen von Kindern und die Lehrperson-Kind-Interaktionen im spielzeugfreien Kindergarten.

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Steckbrief

Projektleitung
Roger Keller (PHZH)
Projektteam
Mirjam Nievergelt (PHZH, ehemalige Mitarbeiterin), Sonja Perren (PHTG)
Organisationseinheit
F-BW-IGS (Inklusion und Gesundheit in der Schule)
Projektphase
Abgeschlossen (1.11.2019 – 11.2.2022)
Projekttyp
Forschungs- und Entwicklungsprojekt
Finanzierung
Stellenverbund der Stellen für Suchtprävention im Kanton Zürich
Beteiligte Institutionen
PH Thurgau

Beschreibung

Im spielzeugfreien Kindergarten wird während einem Projektzeitraum von acht bis zehn Wochen das vorgefertigte Spielzeug, welches meistens bestimmte Spielmöglichkeiten vorgibt und kommerziell hergestellt ist, aus dem Kindergarten entfernt, es wird auch auf vorbereitete Lernangebote der Lehrperson verzichtet. Den Kindern stehen Spielmaterialien wie Kisten, Tücher, Stühle, Tische, Seile, Bretter oder Materialien aus der Natur zur Verfügung und sie können selbst bestimmen, wann sie was spielen möchten. Diese Umgebung soll die Kinder unterstützen, ihre Lebenskompetenzen intensiv weiterzuentwickeln, was ihnen später im verantwortungsvollen Umgang mit Suchtmitteln und Verhaltensweisen mit Suchtpotenzial hilft. Zudem wirkt sich die Förderung von Lebenskompetenzen positiv auf das Sozialverhalten, die Lernmotivation sowie die physische und psychische Gesundheit aus.

Die wissenschaftliche Begleitung des Projekts «Spielzeugfreier Kindergarten» wurde im Auftrag der Stellen für Suchtprävention im Kanton Zürich durch die PH Zürich (Zentrum Inklusion und Gesundheit in der Schule) durchgeführt, in Zusammenarbeit mit der PH Thurgau / Universität Konstanz (Brückenprofessur Entwicklung und Bildung in der Frühen Kindheit).

Die Studie beinhaltete zwei verschiedene methodische Zugänge mit unterschiedlichen Fragestellungen. Einerseits wurden die Lehrpersonen und Eltern der am Projekt teilnehmenden Kinder zu Beginn und kurz vor Abschluss des Projekts mittels Online-Erhebung zu verschiedenen Lebenskompetenzen der Kinder befragt. Andererseits wurden in ausgewählten Kindergartenklassen mit einer Beobachtungsstudie die Lehrperson-Kind-Interaktionen untersucht.

Projektergebnisse

Auf der Basis der Daten aus den Online-Befragungen wurde der Frage nachgegangen, ob sich während dem «Spielzeugfreien Kindergarten» ein Zuwachs in Bezug auf die Lebenskompetenzen der Kinder feststellen lässt. Untersucht wurden die Lebenskompetenzen Soziale Initiative, Konzentrationsfähigkeit, Frustrationstoleranz, Soziale Integration und Empathiefähigkeit. Es ergab sich ein weitgehend einheitliches Bild: Mit Ausnahme der sozialen Integration, welche sich aus Sicht der Eltern nicht veränderte, zeigten sich insgesamt bei allen fünf untersuchten Lebenskompetenzen signifikante positive Entwicklungen. Die Effektstärken sind allerdings eher gering. Den grössten Lernzuwachs aus Sicht der Lehrpersonen erreichten die Kinder in den Bereichen «Soziale Initiative» und «Konzentrationsfähigkeit». Bei näherer Betrachtung der einzelnen Kinder lässt sich jedoch festhalten, dass sich bei einem Grossteil in den acht bis zehn Wochen «Spielzeugfreier Kindergarten» keine messbaren Veränderungen ergeben haben.

Weiter wurde in der Beobachtungsstudie mittels Class toddler-Verfahren der Frage nachgegangen, ob sich die Lehrperson-Kind-Interaktionen während dem «Spielzeugfreien Kindergarten» verändern und welche Auswirkungen diese Veränderungen auf die Entwicklung der Lebenskompetenzen der Kinder haben. Die Studie zeigte, dass sich das Verhalten der Lehrpersonen durch die Projektdurchführung verändert. Insbesondere die geführten Aktivitäten nehmen deutlich ab, was dem Konzept des Projekts entspricht. Bei der emotionalen und verhaltensbezogenen Unterstützung zeigte sich des Weiteren, dass diese Verhaltensänderung der Lehrpersonen eine grosse Relevanz für die Wirkung des Projekts hat. In den Kindergärten, in denen die Lehrpersonen ein hohes Ausmass an emotionaler und verhaltensbezogener Unterstützung zeigten, beziehungsweise diese Form der Unterstützung zusätzlich erhöhten, war die Entwicklung der Lebenskompetenzen signifikant positiver. In Kindergärten, in denen die Lehrpersonen die emotionale und verhaltensbezogene Unterstützung reduzierten, zeigten sich keine Veränderungen der Lebenskompetenzen.

Publikationen

Keller, Roger, Sonja Perren und Mirjam Nievergelt (2022) «Spielzeugfreier Kindergarten – ein Projekt zur Stärkung der Lebenskompetenzen»

Zürich und Kreuzlingen: Pädagogische Hochschulen Zürich und Thurgau.

Kontakt

Porträtfoto von Prof. Dr. Roger Keller

+41 43 305 58 91