Digitale Geschichts-/Geschichtenerzählung mit sozialen Medien:  Ein Projekt über partizipative Geschichtskultur

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Jugendliche wachsen in einer digitalisierten Umgebung auf, bevor sie in der Schule formalen Geschichtsunterricht erhalten. Dieses Projekt untersucht, wie sie sich mit historischen Erzählungen vertraut machen und wie ihnen beigebracht werden kann, solche durch digitale Medien zu erstellen.

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Steckbrief

Projektleitung
Christian Mathis (PHZH)
Organisationseinheit
F-FD (Fachdidaktische Forschung)
Projektphase
Abgeschlossen (1.3.2022 – 31.12.2025)
Projekttyp
Forschungs- und Entwicklungsprojekt
Finanzierung
PH Zürich
Beteiligte Institutionen
Ionische Universität Korfu, Griechenland

Beschreibung

Jugendliche in einem digitalisierten Umfeld

Netflix, Spotify & Co. geben bei Jugendlichen in der Schweiz und in Griechenland den Ton an. Dank Flatrate-Streaming hat mehr als die Hälfte der Jugendlichen unbegrenzten Zugang zu Filmen, Musik oder Spielen. Jugendliche kommunizieren vor allem mit dem Handy über Instagram, Whatsapp oder Snapchat. Mobiltelefone werden am häufigsten zum Chatten, Surfen oder für soziale Netzwerke genutzt. Die beliebtesten sozialen Netzwerke sind Instagram, Snapchat und neuerdings Tiktok. Die selbst geschätzte Nutzungsdauer von Mobiltelefonen: An einem Wochenendtag beträgt sie etwa fünf Stunden. Unter der Woche sind es mehr als drei Stunden pro Tag. Die Internetnutzung ist dagegen zurückgegangen (James-Studie 2020).

Aktuelle Medienkulturen in digitalen Kontexten

Aktuelle Medienkulturen in digitalen Kontexten zeichnen sich nicht nur durch ihre spezifische Form des Zusammenspiels von datenbasierten und vernetzten Infrastrukturen, algorithmischen Prozessen und der Verzahnung von Hardware, Software und Schnittstellen aus. Vielmehr prägen sie auch unsere Gegenwart in vielfältiger Weise. Der Einfluss der digitalen Transformation auf historische Narrative und Bildung wird bereits seit einigen Jahren thematisiert. Wie König (2020) betont, haben die niedrigen Produktions- und Zugangsbarrieren von Social Media dazu geführt, dass sich  geschichtsbezogene Inhalte, Akteure und Praktiken vervielfacht haben.

Geschichte in sozialen Medien als Mikro-Praxis der Geschichtskultur

Wir verstehen die Rezeption und Produktion von Social-Media-Inhalten als Mikro-Praktiken einer partizipativen Kultur, die durch Zugehörigkeiten, Äusserungen, kollaborative Problemlösungen und Zirkulationen gekennzeichnet ist (Jenkins 2009; 2016). Wenn sich diese Mikropraktiken in irgendeiner Weise mit der Vergangenheit und/oder Geschichte befassen, können sie als Phänomene der Geschichtskultur interpretiert werden (Rüsen 2013). Auf diese Weise werden die Mikro-Praktiken zu historisch-kulturellen Mikro-Praktiken – eine Art Doing History. Wir verstehen Mikro-Praktiken daher als ästhetische, soziale, kulturelle und partizipative Verfahren des Doing History in sozialen Medien. Diese Mikro-Praktiken beziehen sich immer auf Makrostrukturen, von denen die Subjekte nicht frei sind.

Forschungsagenda und Forschungsfragen

Dieses internationale Forschungsprojekt wird in Zusammenarbeit mit Dr. Elias Stouraitis von der Ionischen Universität in Korfu, Griechenland, durchgeführt. Die vergleichende Studie umfasst die folgenden Phasen:

  • Wie Schüler TikTok und Instagram in ihrem Alltag nutzen (Interviews und Fragebogen)
  • Wie SchülerInnen ihre digitalen Erzählungen durch eine Methodik entwickeln (performatives Verfahren: Vorproduktionsprozess, Produktionsprozess, Postproduktionsprozess, das Produkt selbst – als Präsentationsprozess).
  • Wie LehrerInnen neue Medien wie TikTok und Instagram nutzen können, damit SchülerInnen kritische und multimodale historische Erzählungen erstellen. Das Projekt wird Bildungsmaterial für LehrerInnen erstellen, das Themen wie Museumsinhalte (zum Beispiel Sklaverei, Frauenrechtsbewegung) aufgreift.

Kontakt

Porträtfoto von Prof. Dr. Christian Mathis

+41 43 305 54 77