Peer Learning in Nordmazedonien : «Nicht wir bringen die Idee, sondern ihr»
In den vergangenen vier Jahren hat das Projekt «Sustainable Democratic Culture» (SUDECU) eine Vielzahl lokaler Initiativen in den nordmazedonischen Gemeinden Kriva Palanka, Kumanovo und Skopje hervorgebracht. Dazu zählen beispielsweise die Organisation von Recycling, die Vermittlung von lokalen Traditionen und das Kochen für Senior:innen und Menschen mit Behinderungen. All diese Initiativen basieren auf dem Konzept des Peer Learning und zielen darauf ab, eine robuste und alltagstaugliche demokratische Kultur in Nordmazedonien zu stärken.

Ein zentraler Aspekt des Projekts war die enge Zusammenarbeit zwischen lokalen und internationalen Partnern. Zu den beteiligten Akteuren gehörten lokale Peer-Gruppen in den drei Gemeinden, die NGO Together Advancing Common Trust (TAKT), die Pädagogische Fakultät der Universität Skopje St. Kyrill und Method sowie die Abteilung Internationale Bildungsentwicklung der PH Zürich. Magdalena Spasovska, Mitgründerin und Geschäftsführerin von TAKT, war auf allen Ebenen beteiligt und spielte von Beginn weg eine zentrale Rolle bei der Umsetzung von SUDECU.
Magdalena Spasovska, welche konkreten Ziele hat SUDECU in den vergangenen vier Jahren erreicht?
Das Hauptziel von SUDECU war es, Menschen dazu zu ermutigen, sich in ihren eigenen Nachbarschaften und Schulen an demokratischen Prozessen zu beteiligen. Und ich denke, das haben wir erreicht. In Kriva Palanka, Kumanovo und Skopje haben wir elf lokale Initiativen unterstützt, die von urbaner Begrünung bis hin zu generationsübergreifendem Kochen reichten. Entscheidend war, dass jede Initiative von den betroffenen Menschen selbst konzipiert und geleitet wurde, nicht von uns. Zweitens haben wir eine Gruppe von 40 lokalen Freiwilligen aufgebaut, die diesen Prozess nun eigenständig begleiten können. Die Weitergabe dieser Kompetenz ist die eigentliche Errungenschaft des Projekts. Drittens sind Peer Learning und der Aufbau demokratischer Kompetenzen nun fest in der Arbeit von TAKT verankert, sodass künftige Initiativen auch nach Projektende fortgesetzt werden können.
Was waren die grössten Herausforderungen bei der Umsetzung des Projekts?
Die erste Reaktion war Skepsis, was durchaus verständlich war. Die Menschen in unseren Communities haben schon oft erlebt, dass Projekte mit einem Plan kommen und mit einem Bericht enden. Als wir ihnen sagten: «Nicht wir bringen die Idee, sondern ihr», war die erste Reaktion oft Unglaube und manchmal sogar Enttäuschung. Wir mussten uns das Vertrauen einzeln erarbeiten. Die zweite Herausforderung war das Tempo. Peer Learning ist von Natur aus langsam: Es erfordert, dass Menschen diskutieren, ihre Meinung ändern und Verantwortung übernehmen können. Dieser Rhythmus passt nicht immer zu den Berichtszyklen, nach denen Projekte ablaufen. Ein Teil unserer Aufgabe bestand daher in dem Schutz dieser Langsamkeit vor dem Druck, schnelle Ergebnisse liefern zu müssen. Drittens arbeiteten wir mit sehr unterschiedlichen institutionellen Kulturen. So verwenden beispielsweise lokale Freiwilligengruppen und Fachleute nicht denselben Wortschatz. Wir begegneten diesem Problem, indem wir regelmässig gemeinsame Reflexionsrunden abhielten und eine offene Kommunikation über Rollen, Erwartungen und Ziele förderten.

Gibt es einen bestimmten Moment oder eine Geschichte aus diesen vier Jahren, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Es fällt schwer, eine bestimmte Geschichte herauszugreifen. SUDECU war eine Reise, die aus vielen bedeutsamen Momenten bestand. Am meisten ist uns in Erinnerung geblieben, wie sich die Menschen nach und nach von Projektteilnehmenden zu aktiven Mitgestaltern ihrer Communities entwickelt haben. Wir haben beobachtet, wie Eltern und Jugendliche eigene Ideen entwickelt, Verantwortung übernommen, zusammengearbeitet und die Werte von Demokratie und Nachhaltigkeit praktisch in lokalen Initiativen umgesetzt haben. Für uns ist genau das letztlich der Kern von SUDECU: Nicht nur über Demokratie und Nachhaltigkeit zu diskutieren, sondern sie im Alltag zu leben und erleben.
Wie werden die lokalen Initiativen nach Projektende weitergeführt?
Die lokalen Initiativen gehören den Gruppen, die sie ins Leben gerufen haben. Sie haben die Bedürfnisse erkannt und lokale Akteur:innen miteinander vernetzt, wodurch ein natürlicher Prozess aus Nachfrage und Reaktion entstanden ist, der weiterbestehen wird. Von Anfang an wurden unsere Peer-Gruppen von den Behörden, lokalen Zentren und NGOs in den jeweiligen Gemeinden unterstützt. Diese Partner setzen die Arbeit unter dem SUDECU-Label fort. Dieses Label ist wichtiger, als es zunächst klingen mag, da es für eine bestimmte Arbeitsweise steht. Die beteiligten Menschen gestalten die Initiative selbst, und unsere Partner haben diesen Ansatz als Standardpraxis übernommen. Darüber hinaus fördert die Pädagogische Fakultät der Universität Skopje St. Kyrill und Method weiterhin Peer Learning im Rahmen der Lehrpersonenausbildung und erreicht damit weit mehr Gemeinden, als wir es je könnten.
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