Handbuch : Zukunftskompetenzen im Zyklus 1 vermitteln

Wie können Kinder bereits im Kindergarten relevante Fähigkeiten fürs Leben lernen? Das neue Handbuch «Future Skills im Zyklus 1» der PH Zürich zeigt praktische Beispiele und gibt Lehrpersonen konkrete Empfehlungen.

Dienstag, 26. Mai 2026

Catherine Lieger ist an der PH Zürich seit vielen Jahren im Bereich der Elementarbildung tätig. Sie war an der Entwicklung zahlreicher Unterrichtsmaterialien, Filmdokumentationen und Weiterbildungen beteiligt, leitet den CAS Spielen Plus, der aktuell zum sechsten Mal durchgeführt wird, sowie den neuen CAS Future Skills Plus, der im März 2026 erstmals gestartet ist. Im Interview erzählt sie, was ihr gemeinsam mit Wiltrud Weidinger herausgegebenes Buch «Future Skills im Zyklus 1» zu bieten hat.

Das Handbuch «Future Skills im Zyklus 1»
Das Handbuch «Future Skills im Zyklus 1»

Catherine Lieger, sind Zukunftskompetenzen bei kleinen Kindern anders als bei Erwachsenen?
Die grundlegenden Zukunftskompetenzen sind über alle Altersstufen hinweg erstaunlich ähnlich. Kreativität, Problemlösefähigkeit, Selbststeuerung, Kommunikationsfähigkeit und der konstruktive Umgang mit Unsicherheit sind beispielsweise für Kinder wie Erwachsene zentral. Der Unterschied liegt jedoch in der Art und Weise, wie diese Kompetenzen entwickelt werden. Junge Kinder lernen nicht primär über abstrakte Inhalte, sondern über Beziehung, Spiel, Exploration und sinnliche Erfahrungen. Gerade im Zyklus 1 entstehen Future Skills im gemeinsamen Handeln: beim freien Spiel, beim Aushandeln von Regeln, beim Experimentieren oder beim kreativen Lösen alltäglicher Herausforderungen. Deshalb verstehen wir Future Skills im frühen Kindesalter nicht als zusätzliches Fach, sondern als Haltung und Lernkultur.

Ist es einfacher, Kindern bereits im Kindergartenalter Fähigkeiten wie Kreativität, kritisches Denken oder Problemlösungskompetenz zu vermitteln?
Kinder sind in jungen Jahren oft noch sehr offen und unvoreingenommen. Sie denken weniger in «richtig» oder «falsch», sondern probieren aus, stellen Fragen und entwickeln eigene Lösungswege. Das sind ideale Voraussetzungen für die Entwicklung von Future Skills. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich solche Kompetenzen automatisch entwickeln. Es braucht pädagogische Fachpersonen, die Lernumgebungen gezielt gestalten, Fragen zulassen, Fehler als Lernchancen verstehen und Kinder ernst nehmen. Future Skills entstehen dort, wo Kinder aktiv mitdenken und mitgestalten dürfen.

Was liegt Ihnen persönlich mit diesem Buch und den von Ihnen geleiteten Weiterbildungen am meisten am Herzen?
Mir ist es wichtig, zu zeigen, dass Zukunftsbildung bereits im frühen Kindesalter beginnt. Der Zyklus 1 wird gesellschaftlich manchmal noch unterschätzt, dabei werden hier zentrale Grundlagen für lebenslanges Lernen gelegt. Mit dem Buch und den Weiterbildungen möchten wir pädagogische Fachpersonen stärken und ermutigen, Lernräume zu gestalten, in denen Kinder Selbstwirksamkeit erleben, kreativ denken und sich aktiv mit ihrer Umwelt auseinandersetzen können. Future Skills entstehen nicht durch Druck, sondern durch Beziehung, Vertrauen und sinnstiftende Erfahrungen.

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