Interview mit Rektorin Andrea Schweizer : «Lehrpersonen prägen die Bildungs- und Le­bens­we­ge ihrer Schü­ler:in­nen»

Andrea Schweizer, Rektorin der PH Zürich, gibt im Interview in der Zeitschrift Primus einen Überblick über die Anforderungen im Lehrberuf und die vielfältigen Studienangebote an der PH Zürich – und hebt dabei die Praxisnähe der Ausbildung hervor.

Mittwoch, 10. September 2025

Andrea Schweizer, warum soll ich mich für ein Studium an einer Pädagogischen Hochschule entscheiden?
Pädagogische Hochschulen bieten vielfältige Möglichkeiten, sich zur Lehrperson und damit für einen der interessantesten und abwechslungsreichsten Berufe ausbilden zu lassen. Hinzu kommen die hohe Sinnhaftigkeit und die gesellschaftliche Relevanz. Lehrpersonen prägen mit ihrer Arbeit die Bildungs- und Lebenswege ihrer Schülerinnen und Schüler.

Was hilft bei der Entscheidung, welche Pädagogische Hochschule die für mich geeignete ist?
Massgebende Faktoren sind hier wohl die Nähe zum eigenen Wohnort oder die gute Erreichbarkeit, die Grösse der Hochschule, die angebotenen Studiengänge und ‑modelle sowie die persönliche Betreuung der Studierenden. An der PH Zürich beispielsweise ist uns die Begleitung der Studierenden durch die Dozierenden sehr wichtig. Hinzu kommt, dass wir ein breites Angebot an Studiengängen mit jeweils unterschiedlichen Modellen, etwa Teilzeit- oder Quereinstiegs-Programme, bereitstellen können.

Andrea Schweizer ist Rektorin der PH Zürich. Sie hat Geschichte, Volkswirtschaft und Staatsrecht studiert sowie das höhere Lehramt absolviert und war als stellvertretende Rektorin der PH Bern unter anderem in der Weiterentwicklung der Hochschullehre tätig.
Andrea Schweizer ist Rektorin der PH Zürich. Sie hat Geschichte, Volkswirtschaft und Staatsrecht studiert sowie das höhere Lehramt absolviert und war als stellvertretende Rektorin der PH Bern unter anderem in der Weiterentwicklung der Hochschullehre tätig.

Welche persönlichen Fähigkeiten sollte man für das Studium mitbringen?
Die Anforderungen an den Lehrberuf sind in den vergangenen Jahren laufend gestiegen. Ich nenne hier die Stichworte Digitalisierung und Heterogenität. Hinzu kommen die hohen Ansprüche seitens Eltern sowie der späteren Arbeits- und Berufswelt. Diesen Herausforderungen müssen Lehrpersonen gewachsen sein. Eine gefestigte Persönlichkeit, Eigenverantwortung, Freude an neuen Aufgaben sowie an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und nicht zuletzt auch im Team mit anderen Lehrpersonen und weiteren Fachpersonen sind demnach zentrale Voraussetzungen.

Welche Studiengänge bieten die Schweizer Pädagogischen Hochschulen?
Das Angebot Schweizer PH umfasst Studiengänge für alle Stufen der Volksschule sowie der Sekundarstufe II, diese werden grundsätzlich mit einem Bachelor oder Master abgeschlossen, wobei die Stufenbezeichnungen teils voneinander abweichen und nicht alle PH sämtliche Stufen abdecken. Bei uns an der PH Zürich beispielsweise führen die Studiengänge für die Kindergarten- und Unterstufe sowie die Primarstufe zu einem Bachelor of Arts PH Zürich in Primary Education classes 1–5 – beziehungsweise Bachelor of Arts PH Zürich in Primary Education – classes 3–8 – und auf der Sekundarstufe I zu einem Master of Arts PH Zurich in Secondary Education. Weitere Studiengänge führen zu Abschlüssen für den Unterricht an Berufsfachschulen sowie in der Berufs- und Erwachsenenbildung. Zudem bieten diverse PH zusätzliche spezifische Studiengänge an, so beispielsweise in der Fachdidaktik.

Wie sieht die Ausbildung an einer PH aus?
Die Ausbildung zur Lehrperson zeichnet sich durch einen hohen Praxisbezug aus. Veranstaltungen an der Hochschule wechseln sich dabei mit Einsätzen in der Schule über das ganze Studium hinweg ab und sind aufeinander bezogen. Das Studium gliedert sich in die drei Teile Fachdidaktische Ausbildung, Bildungs- und Erziehungswissenschaften sowie Berufspraktische Ausbildung. Üblicherweise dauern die Studiengänge auf der Kindergarten- und Unterstufe sowie auf der Primarstufe im Vollzeitmodell drei Jahre. Auf der Sekundarstufe I sind es viereinhalb Jahre. Je nach Thema finden die Lehrveranstaltungen im grossen Rahmen mit vielen Studierenden oder in Formaten mit Kleingruppen statt. Jeweils zum Ende des Semesters absolvieren die Studierenden Zwischenprüfungen. Während der Veranstaltungszeit sind in den verschiedenen Fächern regelmässig Leistungsnachweise zu erbringen.

Pädagogische Hochschulen in der Schweiz stehen für ein sehr praxisorientiertes Studium. Wie darf man sich das konkret vorstellen?
Praktika in den Schulen bilden einen zentralen Bestandteil des Studiums zur Lehrperson. Ab den ersten Studienwochen erhalten die Studierenden Einblicke in den Berufsalltag von Lehrpersonen und gestalten selbst Unterricht. Dabei werden sie von erfahrenen schulischen Praxislehrpersonen und Mentor:innen der Hochschule begleitet. An der PH Zürich beispielsweise umfasst die berufspraktische Ausbildung rund 25 Prozent des Studiums. Dabei können wir auf ein Netzwerk aus rund 100 Kooperationsschulen zurückgreifen. Die Praktika dauern zwischen einzelnen Tagen bis zu fünf Wochen am Stück. Im letzten Praktikum, dem sogenannten Lern- beziehungsweise Schlussvikariat, unterrichten die Studierenden während vier Wochen selbstständig eine Klasse.

Kann man neben dem Studium arbeiten?
Teilzeitstudiengänge sind an Pädagogischen Hochschulen sehr geschätzte Modelle. An der PH Zürich etwa finden die Lehrveranstaltungen beispielsweise auf der Primarstufe jeweils an drei vollen Tagen statt, wobei für das Selbststudium ein zusätzlicher Tag einberechnet werden muss. Die Präsenztage sind über die ganze Studiendauer bekannt. Dies erlaubt eine verbindliche Planbarkeit anderer Verpflichtungen, beispielsweise einer Teilzeitanstellung oder Care-Arbeit.

Bieten die PH analog den Universitäten auch die Möglichkeit zu Austauschsemestern?
Austauschsemester sind auch an Pädagogischen Hochschulen sehr beliebt. Bei uns haben Studierende beispielsweise die Möglichkeit, im 5. Semester ein sogenanntes «Mobilitätssemester» an einer Hochschule in der Schweiz oder an einer Partnerhochschule in Europa oder Übersee zu absolvieren. Studierende der Primarstufe und der Sekundarstufe I mit einer Fremdsprache im Studienprofil absolvieren zudem ein mehrwöchiges Unterrichtspraktikum im französischen oder englischen Sprachraum.

Wie sind aktuell die Berufschancen mit einem PH-Abschluss?
Die Berufschancen für Absolventinnen und Absolventen von Pädagogischen Hochschulen sind zurzeit aufgrund des hohen Bedarfs an Lehrpersonen sehr gut, wobei die Situation auf dem Stellenmarkt regional variiert. Im Kanton Zürich beispielsweise steht berufseinsteigenden Lehrpersonen auf allen Schulstufen eine grosse Auswahl an freien Stellen zur Verfügung.

Welche Aufstiegs- und Karrieremöglichkeiten bietet der Lehrberuf?
Lehrpersonen können sich im Verlauf ihrer Laufbahn spezialisieren, etwa im Bereich Digitalisierung oder in der Sonderpädagogik. Zudem etabliert sich in den Schulen je länger, je mehr das Prinzip des sogenannten Teacher-Leaderships. Dabei übernehmen Lehrpersonen thematisch ausgerichtete Führungsausgaben. Darüber hinaus haben Lehrpersonen die Möglichkeit, sich zur Schulleitung weiterzubilden.

Wie ist die Durchlässigkeit zu anderen Hochschultypen – kann man beispielsweise mit einem PH-Bachelor einen Uni-Master absolvieren?
Ja, es ist grundsätzlich möglich, mit einem Bachelor-Abschluss einer Pädagogischen Hochschule einen Master-Studiengang an einer Universität zu absolvieren. Allerdings können je nach Studiengang und Universität zusätzliche Auflagen oder Zulassungsbeschränkungen gelten.

Macht ein PH-Studium in einer Fremdsprache Sinn – etwas im Tessin oder in der Westschweiz?
Es steht den Studierenden in der Schweiz offen, an welcher Pädagogischen Hochschule sie ihre Ausbildung absolvieren. Voraussetzung sind dabei selbstredend ausreichende Sprachkenntnisse oder der Wille, diese zu erlernen.

Was zeichnet Ihre Hochschule aus?
Die PH Zürich zeichnet sich aus durch die hohe Qualität der Ausbildung, das vielfältige Studienangebot, die persönliche Betreuung der Studierenden sowie durch das rege Hochschul- und Studierendenleben – und nicht zuletzt durch den attraktiven Standort direkt neben dem Hauptbahnhof mitten im urbanen Zentrum der Bildungs- und Kulturstadt Zürich.

Hinweis

Das Interview mit Andrea Schweizer ist erstmals am 1. September 2025 in der Zeitschrift Primus erschienen.