2. Schreibtag : Schreibprozesse zukunftsorientiert begleiten

Wie verändert KI das Schreiben und die Schreibbegleitung? Das Schreibzentrum der PH Zürich und das Forum Schreiben laden am 10. September zu einer Kurztagung ein. Alex Rickert, Leiter des Schreibzentrums, über Trends und Perspektiven des Schreibens.

Mittwoch, 21. Mai 2025

Alex Rickert, wie wird sich das Schreiben in den kommenden Jahren verändern?
Bereits heute stehen jederzeit verfügbare generative Textassistenten für das Schreiben zur Verfügung, die in Zukunft noch leistungsfähiger sein dürften. Menschen werden in jeder Schreibsituation entscheiden müssen, in welcher Form sie in einen dialogischen Prozess mit einer Maschine eintreten möchten. Je nach Anwendung unterstützt generative KI das Schreiben – etwa bei der Ideengenerierung oder durch Feedback – oder sie übernimmt gleich die gesamte Schreibaufgabe. Letzteres ist in Bildungskontexten jedoch problematisch und mit weitreichenden Folgen verbunden. Die Funktion des Schreibens als Werkzeug des Denkens und Lernens ist gefährdet. Schreibkompetenz wird deshalb künftig auch bedeuten, den Einsatz von KI gezielt zu steuern. Dabei wird die Fähigkeit, Schreibprozesse bewusst zu planen und zu reflektieren und KI sinnvoll zu integrieren, zentral sein.

Welche Chancen und Herausforderungen bringt KI für das Schreiben mit sich?
Das grösste Potenzial sehe ich darin, dass generative KI rund um die Uhr sofort Unterstützung bei Schreibproblemen bietet. Dies betrifft beispielsweise Probleme beim Planen oder beim Formulieren. Damit KI einen Mehrwert bietet, müssen Schreibende aber eine genaue Vorstellung vom «idealen» Endzustand eines Textes haben. Gleichzeitig besteht die Herausforderung, dass der Output von KI gegenwärtig einen unsicheren Status hat und Verzerrungen aller Art aufweisen kann. Dies macht verifikatorische Prozesse beim Lesen nötig, die anspruchsvoll und zeitintensiv sind. Hierfür braucht es entsprechende didaktische Vermittlung. Zudem verschärft KI die Debatte um Originalität, Urheberschaft und Authentizität.

Welche Rolle spielt KI für die Zukunft der Schreibbegleitung? Was genau bedeutet es, «Schreibprozesse zukunftsorientiert zu begleiten», das Thema einer Kurztagung am 10. September? 
Eine zukunftsorientierte Schreibberatung und ‑begleitung anerkennt KI als Bestandteil der Schreibpraxis – vergleichbar mit einem neuen Schreibpartner. Menschliches und maschinelles Feedback müssen dabei nicht konkurrieren, sondern lassen sich, wie an der Tagung in einem Workshop zum Schreiben von Einleitungen diskutiert wird, produktiv verschränken. Zukunftsorientierte Begleitung bedeutet, als Dozent:in oder Schreibberater:in weiterhin fähig zu sein, Texte auf Qualitätsmerkmale hin zu analysieren. Neu sollten aber selbstregulatorische Prozesse noch stärker in den Fokus rücken, wenn über das Schreiben gesprochen wird.

2. Schreibtag

Die Kurztagung «Trends und Perspektiven des Schreibens – Schreibprozesse zukunftsorientiert begleiten» widmet sich der Zukunft des Schreibens.

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