International : Die Rolle der Internationalisierung in der Lehrpersonenausbildung

Am ersten International Day der PH Zürich präsentierten über 80 Studierende die Gasthochschulen ihrer Austauschsemester, während Jan Karel Verheij von der Marnix Academie in Utrecht die Chancen und Herausforderungen der Internationalisierung in der Lehrpersonenbildung beleuchtete.

Donnerstag, 6. März 2025

Auf dem Campus der PH Zürich herrschte Anfang März 2025 reges Treiben: Studierende präsentierten ihre Gasthochschulen und teilten Erfahrungen aus Austauschsemestern in der Schweiz, Europa, Nordamerika, Asien und Australien. Virginia Celia Kaeser beispielsweise berichtete von Norwegens «Friluftsliv»-Konzept, das sie als zukünftige Kindergartenlehrperson nutzen möchte, während Carey Albiez den persönlichen Bezug zwischen Lehrenden und Studierenden in Australien hervorhob.

Daneben stellten Studierende des Wahlbereichs «Globales Lernen» ihre Erfahrungen in den Projekten der Internationalen Bildungsentwicklung vor. Laut Laura Bächer ist dieser Wahlbereich ideal für Studierende, die keinen Austausch absolvieren können, aber trotzdem interkulturellen Austausch erleben möchten.

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Am Abend sprach Jan Karel Verheij, langjähriger Senior Lecturer in Education Science an der Marnix Academie in Utrecht, in seiner Keynote über die Internationalisierung der Lehrpersonenbildung, gefolgt von einer Podiumsdiskussion. Die Podiumsteilnehmenden waren sich dabei einig, dass nicht die Distanz, sondern die Erfahrung und Reflexion entscheidend sind. Auch Heimhochschulen profitieren von den neuen Perspektiven der Rückkehrenden – wie dies am International Day sichtbar wurde.

Jan Karel Verheij, was sind über die Vielfalt im Klassenzimmer hinaus die Ziele und Vorteile der Internationalisierung in der Lehrpersonen­bildung?
Internationalisierung ist ein weit gefasstes Konzept, das viel mehr umfasst als nur die Diversität, der die Lehrpersonen im Klassenzimmer begegnen. Meiner Ansicht nach dreht sich Internationalisierung um drei Hauptthemen:

  • Persönliche Entwicklung: Die Internationalisierung der Lehrpersonenausbildung trägt dazu bei, dass Lehrer:innen Unabhängigkeit, Selbstvertrauen, Anpassungsfähigkeit und Kreativität entwickeln. Der direkte Kontakt mit anderen Kulturen und Ländern gibt ihnen die Möglichkeit, verschiedene Perspektiven zu erkunden, mit stressigen Situationen umzugehen und eine klare Vision für ihre Zukunft zu entwickeln.
  • Nachhaltigkeit und Engagement: Die Konfrontation mit globalen Herausforderungen wie der Klimakrise oder sozialer Ungleichheit stärkt das Bewusstsein der Studierenden. Sie hilft ihnen, die Verflechtung lokaler und globaler Probleme zu verstehen und fördert nachhaltige Verhaltensweisen und Lösungen. Durch die Integration dieser Elemente in die Lehrpersonenbildung bereiten wir Lehrer:innen und die Gesellschaft als Ganzes besser auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts vor.
  • Internationale Kompetenzen: Durch die Internationalisierung der Lehrpersonenbildung orientieren sich die Studierenden in ihrem Fachgebiet und sind in der Lage, den kulturellen Rahmen ihrer Disziplin besser zu verstehen. Sie erhalten Einblicke in die Berufspraxis in anderen Kulturen, entwickeln ihre Konfliktfähigkeit und verbessern ihre Sprachkenntnisse, was für die Zusammenarbeit in vielen Kontexten entscheidend ist.

Letztlich bereitet die Internationalisierung der Lehrpersonenaus­bil­dung künftige Lehrpersonen darauf vor, sich in einer zunehmend komplexen Welt zurechtzufinden und ihren Beitrag zu leisten. In meiner langjährigen Tätigkeit habe ich viele positive Beispiele dafür gesehen, sei es in Form eines stärkeren Bewusstseins für Fragen der Nachhaltigkeit, einer grösseren Sensibilität für kulturelle Unterschiede oder der Fähigkeit, eine eigene Meinung zu entwickeln und auszudrücken. Nationale und internationale Studien bestätigen diese Beobachtungen. Aus diesem Grund setzt sich auch der niederländische Bildungsrat dafür ein, dass alle Studierenden das Bildungssystem mit starken internationalen Kompetenzen verlassen und bereit sind, über Grenzen hinweg zu kommunizieren und zu kooperieren.

Vor welchen Herausforderungen stehen Pädagogische Hochschulen bei der Umsetzung von Internationalisierungsstrategien in der Lehr­per­so­nen­bildung?
Die Integration der Internationalisierung in die Lehrpläne erfordert eine klare Vision. Die Entwicklung von Curricula ist jedoch ein sehr komplexer Prozess, bei dem viele Universitäten und Hochschulen Schwierigkeiten haben. Daher wurde die Internationalisierung in der Vergangenheit oft vernachlässigt. Das International-Competencies-Framework und die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Unesco haben jedoch dazu beigetragen, das Profil der Internationalisierung zu schärfen. Meiner Meinung nach sollte Internationalisierung ein integraler Bestandteil der Lehrpläne sein, nicht nur wegen der genannten Vorteile, sondern auch, weil die Umsetzung viel einfacher wird, wenn sie ein fester Bestandteil der Lehre ist. Und auch wenn es sinnvoll ist, die Möglichkeiten der Fernlehre zu nutzen, müssen die Lehrpläne Studienprogramme im Ausland, Austauschsemester und internationale Studienaufenthalte vorsehen. Denn diese Erfahrungen bringen einen erheblichen Mehrwert für den ohnehin schon komplexen Lehrpersonenberuf.

Wie wird sich Ihrer Meinung nach die Internationalisierung der Lehr­per­sonen­bildung im nächsten Jahrzehnt entwickeln?
Ich glaube, dass Internationalisierung in der Bildung immer wichtiger wird. Dafür gibt es eine ganze Reihe von Argumenten, von denen die Globalisierung eines der wichtigsten ist. Eine Schule – ob in einem Dorf oder in einer Stadt – kann nicht mehr auf einer Mikroebene betrachtet werden. Die Schule existiert in einem nationalen Kontext, der Teil eines Kontinents ist, der wiederum Teil der Welt ist. Viele der heutigen Herausforderungen zeigen die Notwendigkeit einer globalen Perspektive: Um eine nachhaltige Entwicklung zu gewährleisten, müssen wir grenzübergreifend denken. Die aktuellen politischen Konflikte betreffen uns alle und zeigen, wie entscheidend die Verständigung zwischen Menschen ist. Dies erfordert aber auch interkulturelle Kompetenzen und entsprechendes Wissen und Können. Aus diesen Gründen müssen Pädagogische Hochschulen inter- und transkulturell kompetente Lehrpersonen ausbilden, die angemessen auf die vielfältigen Herausforderungen und die Komplexität des Lehrberufs vorbereitet sind. Diese Lehrpersonen sind ihrerseits dafür verantwortlich, die nächste Generation von Schüler:innen zu verantwortungsbewussten und weltoffenen Mitbürger:innen zu erziehen.

Die Podiumsteilnehmenden v.l.n.r.; Carolyn Werthmüller, Marco Dahinden, Wiltrud Weidinger, Christine Bieri Buschor, Carola Mantel und Jan Karel Verheij.
Die Podiumsteilnehmenden v.l.n.r.; Carolyn Werthmüller, Marco Dahinden, Wiltrud Weidinger, Christine Bieri Buschor, Carola Mantel und Jan Karel Verheij.

Weitere Informationen

Globales Lernen an der PHZH – Austausch, transkulturelle Kompetenzen und internationale Projekte

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