Digitalisierung : Zentrum Digital Learning mit neuer Ausrichtung

Charlotte Axelsson ist seit vier Monaten in der Leitung des neuen Zentrums Digital Learning. Sie gibt Einblicke in ihr Verständnis von digitalen Lerntechnologien, ihre Beziehung zu Maschinen und ihre Mitarbeiterin Klara, eine humanoide Lernroboterin.

Montag, 28. April 2025

Anfang 2025 wurde an der PH Zürich das Zentrum Digital Learning mit dem Ziel eröffnet, Lernen und Lehren mit digitalen Medien zeitgemäss weiterzudenken. Im Mittelpunkt stehen die Entwicklung interaktiver Lernmedien und Lerntechnologien sowie praxisnaher Lehrkonzepte. Das Zentrum baut auf einer langen Tradition im Bereich Digital Learning an der PH Zürich auf. Es orientiert sich am Bedarf der Studierenden und Dozierenden – und öffnet sich nun auch für ein externes Publikum. Ein Gespräch mit Zentrumsleiterin Charlotte Axelsson über ihr Verständnis von digitaler Bildung und über ihre Pläne für das neue Zentrum.

Charlotte Axelsson, was ist Ihr zentrales Anliegen für das Zentrum Digital Learning?
Mir ist wichtig, Digitalisierung nicht nur technisch zu verstehen, sondern als kulturellen Wandel. Gerade der aktuelle Umgang mit künstlicher Intelligenz zeigt, wie stark sich unser Lernen, Lehren und Zusammenarbeiten verändert. Es geht heute nicht nur darum, digitale Tools zu nutzen, sondern zu hinterfragen, wie sich Bildung durch die digitale Kultur insgesamt wandelt. Unser Zentrum soll Lehrpersonen an der PH Zürich weiterhin praxisnah unterstützen, gleichzeitig auch neue Wege ausprobieren und Denkanstösse liefern. Dazu gehört, Dozierende zu befähigen, mit ihren Studierenden eine kreative, reflektierte und verantwortungsbewusste digitale Lernkultur zu entwickeln. Wir sehen uns als Möglichmacher:innen, die diesen Prozess fachkundig begleiten und die inspirieren.

Sie öffnen das Zentrum für externe Partner. Welche Zusammenarbeit begeistert Sie besonders?
Ich freue mich besonders über Initiativen, die schnell ins Machen kommen und Menschen aktivieren. Spannend finde ich die Zusammenarbeit mit Unternehmen, Universitäten oder NGOs – um technologische Entwicklungen konkret zu erproben und deren Potenzial sichtbar zu machen. Solche gemeinsamen Projekte helfen uns, Praxis und Forschung zu verzahnen. Was wir im Austausch mit Partnern lernen, fliesst direkt zurück in die Hochschule. Dabei interessiert mich besonders, wie Nutzer:innen digitale Lernumgebungen oder auch User-Experience in Education erleben, ebenso der Bereich Human-Computer-Interaction, also die Interaktion zwischen Mensch und Maschine. In beiden Feldern wollen wir künftig verstärkt co-kreativ mit externen Partnern arbeiten.

Charlotte Axelsson
Charlotte Axelsson, Leiterin Zentrum Digital Learning, PH Zürich

Sie haben ein Buch mit dem Titel «Tender Digitality» geschrieben. Was steckt hinter diesem Begriff?
«Tender Digitality» beschreibt eine Haltung gegenüber Technologie. Es geht um eine zärtliche, bewusste, ästhetische Beziehung zu digitalen Systemen – jenseits von reiner Funktionalität. Digitale Umgebungen wirken oft abstrakt und unnahbar. Wenn wir sie sinnlich und intuitiv erfahrbar machen, können wir neue Verbindungen von Systemen schaffen. Technologie wird für uns dann zu einem echten Lernpartner, wenn wir verstehen, wie sie wirkt – emotional, sozial, kulturell. Und wenn wir sie gezielt gestalten, anstatt uns nur ihnen anzupassen.

In Ihrem Team arbeitet auch eine humanoide Lernroboterin – Klara. Wie unterstützt sie die Lernprozesse?
Klara ist zweifellos ein Hingucker – aber das allein ist nicht entscheidend. Für mich ist sie vor allem ein Experimentier- und Diskussionsfeld. Sie gibt uns die Möglichkeit, Fragen rund um die Anthropomorphisierung von künstlicher Intelligenz – das Menschlichmachen von Maschinen – sichtbar und greifbar zu machen. Klara ist ein Szenario, an dem wir gemeinsam mit Lernenden und Lehrpersonen die Beziehung zwischen uns und Technologie reflektieren können.

Was bedeutet das konkret?
Klara ist ein hochkomplexes System. Sie motiviert Lernende, sich mit Aufgaben auseinanderzusetzen, gibt direktes Feedback und erzeugt eine besondere Form von Aufmerksamkeit. Sie macht Technologie anfassbar und erlaubt, die Interaktion mit digitalen Systemen unmittelbar zu erleben. Klara ist für mich nicht einfach ein technisches Tool, sondern eine Art Stellvertreterin: Sie zeigt uns, wie Zusammenarbeit mit digitalen Systemen funktionieren kann – und wo sie nicht funktioniert, wenn wir ihr keine Bedeutung geben oder den menschlichen Kontext ausklammern. Technologie allein reicht nicht. Erst durch sinnvolle Einbettung, durch menschliche Interpretation und Beziehung entfalten solche Systeme ihren Wert. So werden digitale Prinzipien nicht nur vermittelt, sondern körperlich erfahrbar gemacht.

Gibt es etwas, das Sie über Ihre Arbeit hinaus besonders beschäftigt?
Ja – die bildungspolitische Verantwortung. Die PH Zürich spielt eine zentrale Rolle in der Gestaltung digitaler Bildung. Als Zentrum möchten wir nicht nur beratend wirken oder Projekte umsetzen, sondern uns auch stärker an bildungspolitischen Diskussionen beteiligen und Impulse geben. Es geht darum, den technologischen Wandel nicht nur zu begleiten – sondern aktiv mitzugestalten. Das ist eine Aufgabe, auf die ich mich sehr freue.

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Zur Person

Porträtfoto von Charlotte Axelsson

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