Förderpreis der Lehre : «Mathematik macht Spass und ist spannend»

Eine positive Beziehung zur Mathematik trägt wesentlich dazu bei, ihre Inhalte zu lernen und sie gut zu unterrichten. Ein Projekt der PH Zürich möchte die Beziehung von Studierenden der Eingangsstufe zur Mathematik und ihr Vertrauen in die eigenen mathematischen Fähigkeiten stärken.

Mittwoch, 17. Juli 2024

Mathematik fördert das logische Denken und die Fähigkeit, Probleme zu lösen, was in vielen Lebensbereichen und Berufen unerlässlich ist. Gleichzeitig haben einige Studienanfänger:innen ein ambivalentes Verhältnis zur Mathematik. Ein am Hochschultag 2023 mit dem Förderpreis der Lehre der PH Zürich ausgezeichnetes Projekt nimmt sich dieser Herausforderung an. Es zielt darauf ab, die Beziehung von Studierenden der Eingangsstufe zum Fach Mathematik und das Vertrauen in die eigenen mathematischen Fähigkeiten zu Beginn des Studiums zu stärken. Dorothea Mayer, Dozentin für Mathematikdidaktik an der PH Zürich, erläutert im Interview die Hintergründe der Projektidee und welche Erkenntnisse im Rahmen der Projektarbeit gewonnen wurden.

Dorothea Mayer, unter dem Motto «In Beziehung treten; nach innen und aussen» hatte ihr Team beim Förderpreis der Lehre ein Projekt zum Thema Mathematik eingereicht. Warum?
Eine gute Beziehung zur Mathematik zu entwickeln macht Spass und ist spannend, gleichzeitig ist dies auch wichtig. In vielen Lebensbereichen und Berufen ist die Fähigkeit, Probleme zu lösen, unerlässlich – Mathematik fördert das logische Denken und die Problemlösefähigkeit. Wir wissen, dass eine positive Beziehung zur Mathematik wesentlich dazu beiträgt, ihre Inhalte zu lernen und sie gut zu unterrichten. Gleichzeitig haben wir die Erfahrung gemacht, dass einige Studienanfänger:innen ein ambivalentes Verhältnis zur Mathematik haben. Das Projekt beabsichtigt, die Beziehung der Studienanfänger:innen der Eingangsstufe zur Mathematik und das Vertrauen in die eigenen mathematischen Fähigkeiten zu Beginn des Studiums zu stärken.

Das Projekt zielt auf Studierende in einer Doppelrolle ab: als Lernende wie auch als Lehrende in diesem Fach. Wie kann dieses Ziel erreicht werden?
Tatsächlich möchte das Projekt die Beziehung zur Mathematik und das Vertrauen in ihre Lernbarkeit sowohl bei den Studienanfänger:innen als auch bei den Tutor:innen unterstützen. Sie sollen sowohl einen Zugang zur Mathematik als auch Vertrauen in ihre Fähigkeiten als Lernende und Lehrende gewinnen. In Zusammenarbeit mit Studierenden haben wir Ansätze entwickelt, die uns erfolgversprechend erscheinen. Einer dieser Ansätze beinhaltet aktive Lernmethoden, bei denen wir mit Workshops, Gruppenarbeiten und realitätsnahen Problemstellungen arbeiten. Diese interaktiven Lernmethoden und der hohe Praxisbezug erleichtern den Studierenden den Zugang zu mathematischen Konzepten und fördern ihr Verständnis.

Ein weiterer wichtiger Ansatz ist das Mentoring und Peer-Tutoring. Erfahrene Studierende unterstützen Studienanfänger:innen und ermutigen sie durch ihre eigenen Erfolgsgeschichten. Wir freuen uns sehr, dass dadurch für beide Gruppen deutlich wird, dass Mathematik gelernt werden kann. Die Peer-Tutoring-Programme fördern damit nicht nur den Wissensaustausch und -erwerb, sondern stärken auch das Selbstbewusstsein der Tutor:innen und der Lernenden. Wir sind überzeugt, dass dies letztlich dem Lernen der Kinder im Mathematikunterricht zugutekommt.

Schliesslich spielen Reflexion und Feedback eine entscheidende Rolle. Innerhalb des Tutoring-Angebots ermöglichen Reflexionsgespräche und konstruktives Feedback den Lernenden, ihre Fortschritte einzuschätzen und gezielt an ihren Kompetenzen zu arbeiten. Es war beeindruckend zu sehen, wie dadurch das kontinuierliche Lernen und das Selbstvertrauen in die eigenen mathematischen Fähigkeiten gestärkt wurden.

Wäre das Tutor:innen-System Ihres Erachtens auch in anderen Studienbereichen ein wirksamer Ansatz in der Lehre und weshalb?
Aufgrund unserer Erfahrungen sind wir davon überzeugt, dass das Tutor:innen-System auch in anderen Fachbereichen ein effektiver Ansatz in der Lehre sein könnte. Es bietet mehrere Vorteile. Zum einen ermöglicht es eine individuelle Förderung, bei der Studienanfänger:innen gezielte Unterstützung erhalten und spezifische Fragen und individuelle Probleme besprechen können, die in den Modulveranstaltungen nicht behandelt wurden oder die Studienanfänger:innen aus persönlichen Gründen nicht in einer Modulveranstaltung mit Dozierenden thematisieren möchten.

Zudem haben wir den Eindruck erhalten, dass die Studierenden durch die Rolle als Tutor:in an Selbstbewusstsein gewannen. Sie vertieften ihr eigenes Verständnis der Materie und stärkten auch ihre sozialen Kompetenzen. Das wirkt sich aus unserer Sicht positiv auf ihre akademische und persönliche Entwicklung aus.

Darüber hinaus beobachten wir, dass durch den direkten Kontakt der Studierenden untereinander und mit uns eine tiefere Auseinandersetzung mit den Lerninhalten stattfindet, was aktives und verstehensorientiertes Lernen ermöglicht – und das unabhängig vom Fachbereich. Schliesslich ist auch die Zusammenarbeit zwischen Tutor:innen und Dozierenden von grosser Bedeutung. Tutor:innen und Dozierende arbeiten zusammen, allerdings mit einem unterschiedlichen Rollenverständnis: Die Tutor:innen sind die Expert:innen. Die Unterstützung der Studienanfänger wird hauptsächlich von den Tutor:innen entwickelt, geplant und durchgeführt. Die Dozierenden sind unterstützend tätig. Diese Zusammenarbeit zwischen Tutor:innnen und Dozierenden ist für uns sehr gewinnbringend, weil wir auf Augenhöhe in einen Dialog treten und uns zu unterschiedlichen Punkten der Ausbildung austauschen können.

Projektteam

Porträtfoto von Prof. Dr. Barbara Drollinger-Vetter

+41 43 305 61 36

Porträtfoto von Barbara Jacober

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Porträtfoto von Susanne Mock-Tributsch

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Porträtfoto von Sandra von Grünigen Mota Campos

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