Digitalisierung : Bildung im Wandel

Die Digitalisierung hat einen erheblichen Einfluss auf die strategische Positionierung von Bildungsorganisationen. Ein neuer CAS vermittelt Führungspersonen in tertiären Bildungsinstitutionen einen vertieften Einblick in die Entwicklung von Digitalisierungsstrategien.

Montag, 8. Mai 2023

Mit dem neuen CAS Bildungsmanagement im Digitalen vermittelt die PH Zürich Führungspersonen an Hochschulen und in der Höheren Berufs- und Erwachsenenbildung einen vertieften Einblick in die Entwicklung von Digitalisierungsstrategien sowie in die Planung und Umsetzung von Bildungsprojekten und ‑angeboten. Der Lehrgang bietet die Möglichkeit, mit Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Organisationen und Gleichgesinnten in einen Dialog zu treten.

Barbara Getto und Gabriel Flepp leiten den Lehrgang und geben im Interview Auskunft zum neuen Angebot.

Digitalisierung beschäftigt uns als gesellschaftliches Phänomen schon lange. Mit der Corona-Pandemie wurden die Bildungsinstitutionen von einer Digitalisierungswelle überrollt. Viele Verantwortliche waren gefordert, vielleicht auch überfordert. Ist Digitalisierung damit jetzt wirklich noch ein Thema?
Gabriel Flepp: Ja, unbedingt! Die Corona-Pandemie hat uns im Frühjahr 2020 in eine Situation katapultiert, die uns zwei Jahre lang in allen gesellschaftlichen, beruflichen und privaten Bereichen vor enorme Herausforderungen gestellt hat. Die Lehre musste aufgrund von Kontaktbeschränkungen schlagartig als Fernlehre stattfinden. Viele Bildungseinrichtungen konnten erstaunlich schnell auf Online-Unterricht umstellen. Die technische Infrastruktur wurde ausgebaut, neue Software angeschafft. Lehrende haben ihre Lehrpraxis umgestellt, Hemmungen zum Beispiel vor Video-Calls wurden abgebaut.
Barbara Getto: Einerseits waren das Ad-hoc-Reaktionen in einer akuten Krisensituation, gewissermassen ein «Emergency Remote Teaching», das nicht auf eine langfristige Planung ausgelegt war. Und wir können auch schon wieder zurückrudernde Tendenzen im Bereich digitaler Bildung beobachten. Andererseits ist vielen Akteurinnen und Akteuren im Bildungsbereich gerade durch diese Ausnahmesituation bewusst geworden, dass an der Digitalisierung wesentlich engagierter gearbeitet werden sollte – nicht nur für Zeiten der Pandemie, sondern auch als ein Charakteristikum der weiteren gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklung für Bildung in einer Kultur der Digitalität.

Das Beispiel Chat-GPT zeigt, wie künstliche Intelligenz auch Einfluss auf die Bildung hat. Was empfehlen Sie Verantwortlichen von Bildungsorganisationen, wie können sie in diesem dynamischen Umfeld agil bleiben?
Barbara Getto: Das Aufkommen neuer digitaler Technologien im Bildungsbereich ist zunächst nichts Neues. In den letzten 20 bis 30 Jahren gab es immer wieder Trends und Entwicklungen, durch die Veränderungen erhofft oder befürchtet wurden. KI-basierte Tools und Dienste für die Bildung sind seit Jahren ein Thema in der Forschung. Ihre Potenziale und Herausforderungen sind eigentlich bekannt. Mit Chat-GPT ist erstmals ein massentaugliches dialogbasiertes KI-System einer breiten Öffentlichkeit zugänglich und das hat die Diskussion über Implikationen – auch für den Bildungsbereich – enorm entfacht. Viele stehen vor der Frage: was nun?
Gabriel Flepp: Um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können, muss man ein Verständnis für das Digitale besitzen. Wir müssen verstehen, dass es um Vernetzung geht und um Software, die Daten verarbeitet. KI verspricht Entlastung von Routine- und Standardaufgaben auch in der Bildung. So kann Chat-GPT Lehrende dabei unterstützen, wiederkehrende Anfragen von Studierenden zu beantworten, Feedbacks zu geben oder als «Ideenschmiede» dienen.
Barbara Getto: Klar könnten Bildungseinrichtungen auch versuchen, mit Verboten zu reagieren. Zielführender wäre es meiner Meinung nach, sich mit dem Tool zu befassen, in den Diskurs mit Lehrenden und Lernenden einzusteigen. Eine Aufgabe von Bildungseinrichtungen ist doch auch, zu befähigen, sich mit digitalen Medien auseinanderzusetzen.

Sie leiten den neuen Lehrgang CAS Bildungsmanagement im Digitalen. Warum ist das ein wichtiges Thema und was können Führungskräfte im CAS lernen?
Barbara Getto: Die Digitalisierung durchdringt zunehmend unsere Lebens- und Arbeitswelten. Bildungseinrichtungen haben heute die Chance, sich zu positionieren und eine Strategie zu entwickeln, um ihr Profil im Kontext der Digitalisierung herauszuarbeiten. Digitalisierung in der Bildung bedeutet daher weniger, Bewährtes aus der analogen Welt eins zu eins mit digitalen Medien zu übersetzen. Es gilt vielmehr, Entwicklungsziele zu definieren und die didaktischen Potenziale des Digitalen auszuschöpfen.
Gabriel Flepp: Hier setzt der CAS an. Wir richten uns ja an Führungspersonen in Bildungseinrichtungen, die Veränderungsprozesse im Kontext des Digitalen gestalten wollen. Die Teilnehmenden des Lehrgangs lernen, wie sie Chancen und Risiken der Digitalisierung für die Entwicklung von Bildungsorganisationen erkennen und sie strategisch weiterentwickeln können. Dazu gehört auch, dass sie die Implikationen der Veränderungen verstehen und eine verantwortungsvolle Haltung hinsichtlich kultureller und ethischer Fragen des Digitalen entwickeln. Der Lehrgang ist sehr praxisnah gestaltet. Das heisst, bereits während des Lehrgangs arbeiten die Teilnehmenden parallel an ihren eigenen Entwicklungsprojekten, zu denen die sie fortlaufend Feedback einholen können.

CAS Bildungsmanagement im Digitalen

Der CAS richtet sich an Führungspersonen in tertiären Bildungseinrichtungen, die Veränderungsprozesse im Kontext des Digitalen gestalten und ihre Kompetenzen in der Umsetzung entsprechender Vorhaben erweitern und vertiefen wollen. Der Lehrgang startet am 26. Oktober 2023.

Details und Anmeldung zum Lehrgang

Hinweis

Zurzeit sind keine Durchführungen des CAS Bildungsmanagement im Digitalen im Angebot.

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Studiengangsleitung

Porträtfoto von Prof. Dr. Barbara Getto

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Zentrum für Hochschuldidaktik und ‑entwicklung