Digitalisierung : «Making & more» – eine Tagung mit zwei Gesichtern

Die Herbsttagung des Zentrums für Medienbildung und Informatik der PH Zürich ermöglicht einen interaktiven Austausch zu kollaborativem, interdisziplinärem und digitalem Lernen.

Donnerstag, 15. September 2022

Im Rahmen der Digitalisierungsinitiative der Zürcher Hochschulen (DIZH) konzipieren und erproben Bernadette Spieler und Tobias M. Schifferle von der PH Zürich im Innovationsprojekt «Making im Unterricht» seit Herbst 2021 gemeinsam mit dem Institut für Pflanzen und Mikrobiologie der Universität Zürich, dem Zurich-Basel Plant Science Center sowie dem Schulamt der Stadt Zürich verschiedene Making-Formate mit Lehrpersonen der Stadt Zürich.

Die Fachtagung «Making & more», als Teil dieses Projekts, zeigt interdisziplinäre Möglichkeiten von Making auf. Gemeinsam mit einem Barcamp bietet die Tagung eine niederschwellige Möglichkeit, sich auszutauschen und zu diskutieren. Bernadette Spieler und Tobias M. Schifferle leiten die Tagung und stellen Details der beiden Formate im Interview vor.

Tobias M. Schifferle, Sie arbeiten seit vielen Jahren in der Medienbildung und organisieren das Barcamp. Was ist ein Barcamp und wie kann dieses Konzept auch an Schulen genutzt werden?
Unser erstes Barcamp haben wir 2019 mit 65 Teilnehmenden und 15 Sessions durchgeführt. Seither nutzen wir das Format immer wieder für einen niederschwelligen Austausch, beispielsweise im CAS PICTS. Beim Barcamp geben nicht wir die Themen vor, sondern die Teilnehmenden. Sie bringen ihre Erfahrungen, Ideen und Fragen in 45-minütigen Sessions ein. Die Planung erfolgt also gemeinsam zu Beginn des Tages. Die Sessions besuchen die Teilnehmenden nach Interesse und es darf auch während einer Session gewechselt werden. Das Format lebt vom Engagement der Teilnehmer:innen und eignet sich sehr gut, um die vielfältigen Expertisen der Anwesenden zu nutzen. Im Barcamp werden wir die Gelegenheit haben, auch Themen abseits von Making aufzugreifen. Deshalb haben wir den Titel mit «Gemeinsam Lernen gestalten» bewusst offengehalten. Grundsätzlich kann diese Art von Peer-Learning sehr gut auch mit Schüler:innen umgesetzt werden, um miteinander Ideen auszutauschen oder Wissen zu erarbeiten.

Bernadette Spieler, Sie forschen zum Thema Making. Kann dieser Ansatz zu einem neuen Unterrichtskonzept werden?
Auf jeden Fall! Wir möchten mit der Tagung dazu anregen, Making als Möglichkeit für fächerübergreifende Projektarbeiten zu nutzen. Denn kreative und neuartige Lösungen in offenen und problemorientierten Lernumgebungen zu erarbeiten, ist ein typisches Merkmal von Making. Diese Zusammenführung in ein systematisches Maker-Mindset ist an Schulen noch eher unbekannt, bietet aber enormes Potenzial für eine neue Lernkultur. So können Making-Projekte die fächerübergreifende Zusammenarbeit fördern. Ebenso kann traditionelles Handwerk mit modernen Technologien – wie programmierbaren Stickmaschinen, 3D-Druckern, Lasercuttern oder Mikrocomputern – kombiniert werden. Auf diese Weise kann Making inspirieren, kreative Projektaktivitäten zu entwickeln und gleichzeitig analoge und digitale Werkzeuge über das eigene Fach hinaus zu kombinieren.

Also die Fachtagung vermittelt Wissen und das Barcamp schafft Austausch? Wie stellen sich die Tagungsteilnehmenden ihr Programm am besten zusammen, ohne etwas zu verpassen?
Tobias M. Schifferle: Bei der Anmeldung werden die Teilnehmenden gebeten anzugeben, ob sie sich primär für Making oder das Barcamp interessieren. Dies dient aber mehr der internen Planung, als dass es eine finale Entscheidung wäre. Denn das Programm beider Formate ist so aufeinander abgestimmt, dass man während des Tages Angebote aus beiden Programmen besuchen kann. Die gemeinsame Keynote und das Mittagessen sowie ein gemeinsamer Abschluss unterstreichen dieses Miteinander. Zu Beginn der Tagung ist es möglich, sich für zwei der sechs angebotenen Workshops vor Ort anzumelden. Es finden jeweils drei Workshops parallel statt – drei am Vormittag und drei am Nachmittag. Am Nachmittag findet zusätzlich ein «meet and greet» mit Expert:innen aus dem Bereich Making statt, das als ein sehr offenes Format unterschiedliche Einblicke in die Arbeit von Lehrpersonen, Forschenden und Dozierenden aus der DACH-Region gibt. Die Themen der Workshops sind sehr interdisziplinär aufgebaut, sodass Lehrpersonen unterschiedlicher Fachbereiche daran teilnehmen können. Und es ist zum Beispiel möglich, dass Teilnehmende am Vormittag eine Session im Barcamp leiten oder daran teilnehmen und am Nachmittag einen der Making-Workshops besuchen, oder umgekehrt. Das Barcamp soll eine Möglichkeit bieten, neben Making auch andere Themen anzusprechen, in der Gruppe zu diskutieren und gemeinsam weiterzudenken. Die Sessionplanung des Barcamps wird digital geführt und während des Tages laufend aktualisiert. Beiträge können also auch noch während der Tagung eingereicht werden.

Wie fliessen die gewonnen Erkenntnisse in die Ausbildung und Weiterbildung von Lehrpersonen ein?
Bernadette Spieler: Making kann ein Anker sein, um Schüler:innen kreativ an informatische Problemstellungen und Konzepte heranzuführen, zum Beispiel in Programmier- oder Designprojekten. Der Zweck von Making ist jedoch nicht nur die Reproduktion von Projekten, sondern auch die Förderung der aktiven Teilnahme, des Wissensaustauschs und der Zusammenarbeit durch offene Erkundung und kreative Nutzung von Technologien. Making kann somit nicht nur als Gelegenheit zum Experimentieren mit neuen Formen des Informatikunterrichts gesehen werden, sondern auch als treibende Kraft für eine neue Lernkultur, die breitere Perspektiven für die Schulentwicklung eröffnet.

Weitere Informationen

Die Tagung «Making & more» findet am 29. Oktober 2022 statt. Anmeldungen sind bis 15. Oktober 2022 möglich.

Zu den Personen

Zentrum Medienbildung und Informatik

Porträtfoto von Prof. Dr. Bernadette Spieler

+41 43 305 68 31

Porträtfoto von Tobias M. Schifferle

+41 43 305 53 02