Lehrprofession : Die Rolle von Lehrpersonen beim freien Spiel

In einer Studie der PH Zürich und der PH Schaffhausen wurde untersucht, wie Lehrpersonen das freie Spiel im Kindergarten begleiten. Die Ergebnisse zeigen eine grosse Vielfalt an Rollen.

Donnerstag, 24. März 2022

Im freien Spiel können fachliche und überfachliche Kompetenzen von Kindern wie Selbstbestimmung und Flexibilität gefördert werden. Wie die Lehrpersonen das freie Spiel vorbereiten, organisieren und begleiten, ist dabei entscheidend. In einer Pilotstudie der PH Zürich und der PH Schaffhausen gingen Forscher:innen unter der Leitung von Corina Wustmann Seiler der Frage nach, welche Rollen Lehrpersonen in Kindergärten bei der Begleitung des freien Spiels einnehmen. Dazu wurden knapp 500 Kindergartenlehrpersonen im Alter zwischen 23 und 65 Jahren aus den Kantonen Zürich und Schaffhausen in einer Online-Befragung gebeten, sich selbst einzuschätzen.

Lehrpersonen übernehmen vielfäl­tige Rollen

Die befragten Kindergartenlehrpersonen gaben an, am häufigsten die Rolle der Umgebungsgestaltenden einzunehmen, indem sie den Kindern während des Spiels helfend-beratend zur Seite stehen und die Spiel- und Lernumgebung den kindlichen Interessen anpassen. Oft agieren sie auch in der Rolle der Beobachtenden. Eine dritte häufige Rolle ist diejenige des Klassenmanagements, bei der die Lehrpersonen das soziale Miteinander während des Spiels steuern und bei Konflikten, Regelverstössen oder Verhaltensproblemen regulierend in das Spielgeschehen eingreifen. Aktives Spieltutoring oder Mitspielen – beispielsweise um das kindliche Spiel durch Impulse oder Vorschläge zu erweitern und zu vertiefen oder um Gespräche anzuregen – sind Rollen, die von den Lehrpersonen deutlich weniger eingenommen werden. Die unbeteiligte Rolle fand bei den befragten Lehrerinnen und Lehrerin den geringsten Zuspruch.

Einstellung, Selbstwirksamkeit und Berufserfahrung als wichtige Fak­to­ren

Die Einstellung der Lehrpersonen gegenüber dem freien Spiel erwies sich neben den Überzeugungen zur eigenen Wirksamkeit und der Berufserfahrung als wichtigster Faktor. Lehrpersonen, die der Meinung sind, dass das Spiel frei von jeglicher Förderung sein sollte, sind nach eigener Aussage öfter unbeteiligt. Hingegen gaben Lehrpersonen, die im freien Spiel ein grosses Potenzial für eine individuelle und gezielte Förderung von Kindern sehen, häufiger die Spieltutoring-Rolle an. Lehrpersonen mit einer hohen pädagogischen Selbstwirksamkeit sehen ihren Fokus vor allem in der Anpassung und Veränderung der Spiel- und Lernumgebung. Und Lehrpersonen mit mehr Berufserfahrung partizipieren deutlich weniger an den kindlichen Spielprozessen.

Die Pilotstudie zeigt, wie gross die Handlungsspielräume in der Spielbegleitung im Kindergarten sind. Indem Lehrpersonen sich der verschiedenen Rollen bewusst sind, ihre eigene Rolle stetig selbst reflektieren und situativ an die Bedürfnisse der Kinder anpassen, unterstützen sie die Spielerfahrungen der Kinder.

Neue, umfassendere Studie zur Qualität des kindlichen Spiels

Die Pilotstudie diente zur Vorbereitung der grösseren Längsschnittstudie «Playfulness in der frühen Kindheit (Playful)», ein Kooperationsprojekt der PH Zürich und dem Marie Meierhofer Institut für das Kind, das vom Schweizerischen Nationalfonds finanziert wird. Das Forschungsprojekt untersucht, wie sich die Qualität des Spiels («Playfulness») im Laufe der kindlichen Entwicklung verändert und was Erwachsene in der Familie, in Kindertagesstätten oder in Kindergarten/Schule zur Entfaltung dieser Spielqualität beitragen können.

Die Studie soll Antworten auf die Fragen liefern, welche Rolle, Form und Intensität der Spielbegleitung für das kindliche Spiel angemessen und förderlich sind. Die Erkenntnisse werden Empfehlungen zur Begleitung und Unterstützung des spielerischen Lernens in der frühen Kindheit ermöglichen sowie als Grundlage für pädagogische und curriculare Weiterentwicklungen dienen.