PgB-Projekt : «Öffentliche Debatte zu Berufsbildung anregen»

Die PH Zürich ist an 20 Projekten beteiligt, die der Bund mitfinanziert. Markus Maurer, Professor für Berufspädagogik an der PH Zürich, stellt ein Projekt zur Berufsfelddidaktik in der Schweiz vor.

Mittwoch, 3. August 2022

Mit den «projektgebundenen Beiträgen» (PgB) finanziert der Bund innovative hochschulübergreifende Projekte. Die PH Zürich ist aktuell an 20 PgB-Projekten beteiligt. Was sind das für Vorhaben? Diese Frage wird – Projekt für Projekt – in einer Interview-Serie beantwortet. 

Markus Maurer ist Professor für Berufspädagogik an der PH Zürich, er befasst sich mit der Ausbildung von Berufsschullehrpersonen und erforscht unter anderem Themen wie die Berufsbildung Erwachsener, die überbetriebliche Ausbildung in der Berufsbildung oder die Ausbildung in Industrien in Entwicklungs- und Schwellenländern. Daneben hat er ein Mandat im Präsidium der eidgenössischen Berufsmaturitätsprüfungen sowie Beratungsmandate in der internationalen Zusammenarbeit. Im Interview spricht Markus Maurer über das PgB-Projekt «Berufsfelddidaktik in der Schweiz: Die Vermittlung transversaler Kompetenzen».

Markus Maurer, was sind transversale Kompetenzen?
Es gibt keine allgemeingültige Definition – und es gibt auch alternative Begrifflichkeiten, zum Beispiel «überfachliche Kompetenzen». Man spricht dabei von Kompetenzen, die nicht im engeren Sinne fachlich – oder in der Berufsbildung eben berufsspezifisch – sind, sondern allgemeiner. Das sind etwa Kompetenzen zur Erschliessung von Wissen oder zur Lösung von Problemen. Etabliert haben sich auch die «4K» als Beispiel transversaler Kompetenzen, also kritisches Denken und Problemlösen, Kommunikation, Kollaboration sowie Kreativität und Innovation. In der Ausbildung von Berufsschullehrpersonen an der PH Zürich haben diese sogar eine sehr zentrale Bedeutung.

Worum geht es im Projekt «Berufsfelddidaktik in der Schweiz: Die Vermittlung transversaler Kompetenzen»?
Das Projekt der PH Zürich wird im Rahmen des Netzwerks «Berufsfelddidaktiken in der Schweiz» durchgeführt. Es ist Teil eines grösseren PgB-Projekts, das unterschiedliche Aspekte zu transversalen Kompetenzen in der Berufsbildung beleuchtet. Der Fokus des Teilprojekts liegt auf dem Lernen in überbetrieblichen Kurszentren, die neben dem Lehrbetrieb und der Berufsfachschule an der beruflichen Grundbildung beteiligt sind.

Weshalb ist das Projekt so wichtig?
Die PH Zürich ist stark in der Ausbildung von Lehrpersonen für die Berufsbildung engagiert, aber auch von Berufsbildenden der überbetrieblichen Ausbildung. Diese überbetriebliche Ausbildung ist ausserhalb der Berufsbildung wenig bekannt, spielt dort aber eine wichtige Rolle. Eine öffentliche Auseinandersetzung mit der Rolle dieses Lernorts, aber auch mit seiner Didaktik, findet kaum statt. Dies möchten wir mit unserem Projekt ändern. Dass wir den Blick dabei auf die überfachlichen Kompetenzen richten, ist meines Erachtens besonders wichtig: Deren Bedeutung hat im Bildungswesen allgemein, aber speziell in der Berufsbildung und so eben auch in der überbetrieblichen Ausbildung enorm zugenommen. Wichtig ist das Projekt aber auch deshalb, weil dadurch alle Hochschulen, die sich in der Ausbildung von Berufsschullehrpersonen engagieren, zum ersten Mal gemeinsam die Didaktik der beruflichen Bildung bearbeiten.

Wo steht das Projekt zurzeit?
Das Projekt macht Grundlagenarbeit. Wir haben daher qualitative Interviews mit Vertretenden von überbetrieblichen Kurszentren aus fünf Berufen durchgeführt, zunächst mit Blick auf didaktische Ansätze ganz allgemein, sodann mit Blick auf die Vermittlung von überfachlichen Kompetenzen. In der Zwischenzeit haben wir einige Beiträge dazu veröffentlicht, etwa «Lernen in überbetrieblichen Kursen» im Hep-Verlag oder den Beitrag «Der dritte Lernort» für die Schweizerische Gesellschaft für angewandte Berufsbildungsforschung. Wir sind ebenfalls mit Fachleuten aus Praxis und Wissenschaft im Austausch, das nächste Mal im August bei uns an der PH Zürich.

Wie fliessen die gewonnen Erkenntnisse in die Ausbildung von Berufsschullehrpersonen ein?
Unsere Publikation zur überbetrieblichen Ausbildung ist eine der ganz wenigen zu diesem Thema; wir greifen darin zentrale didaktische Fragestellungen auf. Sie ist deswegen für die PH Zürich relevant, weil wir auch Berufsbildungsverantwortliche für diesen Lernort ausbilden. In der Ausbildung von Berufsschullehrpersonen ist es uns zudem ein Anliegen, auch zum Aufbau berufs- oder berufsfeldspezifischer didaktischer Kompetenzen beizutragen, was wir mit dem Know-how aus dem Projekt in der nächsten Zeit weiter vorantreiben möchten.

Weitere Informationen

Übersicht über alle aktuellen PgB-Projekte der PH Zürich

Zur Person

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