PgP-Projekt : «Ein hoch­schul­politischer Meilenstein»

Die PH Zürich ist an 20 Projekten beteiligt, die der Bund mitfinanziert. Bruno Leutwyler, Prorektor Forschung & Entwicklung, stellt das kooperative Doktoratsprogramm Fachdidaktik vor.

Mittwoch, 20. April 2022

Mit den «projektgebundenen Beiträgen» (PgB) finanziert der Bund innovative hochschulübergreifende Projekte. Die PH Zürich ist aktuell an 20 PgB-Projekten beteiligt. Was sind das für Vorhaben? Diese Frage wird – Projekt für Projekt – in einer Interview-Serie beantwortet.

Das kooperative Doktoratsprogramm Fachdidaktik ist ein gemeinsames Programm der Pädagogischen Hochschulen Graubünden, Schwyz, St. Gallen, Zug und Zürich sowie dem Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Zürich mit dem Ziel, Doktorierende gemeinsam auszubilden. Im Interview spricht Bruno Leutwyler, Prorektor Forschung & Entwicklung an der PH Zürich, über die Bedeutung und den aktuellen Stand des Projekts.

Bruno Leutwyler, worum geht es beim kooperativen Doktoratsprogramm Fachdidaktik genau?
Dem Programm kommt die wichtige Funktion zu, Doktorierende in den Fachdidaktiken gemeinsam weiterzuqualifizieren. Es ermöglicht also die Ausbildung von wissenschaftlich qualifizierten Expertinnen und Experten in den Fachdidaktiken. Die Doktorierenden leisten die Forschungsarbeit primär an ihrer Pädagogischen Hochschule, zugleich promovieren sie an der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich. Die Promotionen werden an der Universität Zürich und der jeweiligen Pädagogischen Hochschule gemeinsam betreut.

Weshalb ist dieses Projekt für die gesamte Hochschullandschaft von Bedeutung?
Der Auf- und Ausbau des kooperativen Doktoratsprogramms stärkt die wissenschaftlichen Fachdidaktiken in der Schweiz. Immer mehr forschungsorientierte Zugänge finden sich in den Fachdidaktiken, was die Qualität der fachdidaktischen Lehre steigert. Gleichzeitig gibt es noch zu wenig promovierte und forschungsorientiert ausgebildete Fachdidaktiker:innen in der Deutschschweiz. Hier setzt das kooperative Doktoratsprogramm an. Es bietet eine Struktur, um sich im Rahmen eines Doktorats entsprechend spezialisierte Kompetenzen anzueignen. Nicht zuletzt ermöglicht das Doktoratsprogramm den Aufbau einer akademischen Identität, zu der auch die Zugehörigkeit zu einer disziplinären Community gehört.

Können Sie ausführen, wie das Projekt einen Beitrag zum Aufbau einer solchen akademischen Identität schaffen kann?
Zur Etablierung und Konsolidierung einer disziplinären Identität bedarf es einerseits einer Scientific Community, die – mindestens in den Grundzügen – einen Konsens über einschlägiges wissenschaftliches Wissen, über Forschungsmethoden und über angemessene Fragestellungen verfügt. Andererseits bedarf es disziplinärer Strukturen, die sich in einschlägigen Fachgesellschaften, Publikationsorganen, Lehrstühlen und Karrierestrukturen zeigen. In der Schweiz gibt es inzwischen entsprechend disziplinär ausgerichtete Fachgesellschaften und Publikationsorgane in den Fachdidaktiken; an den Pädagogischen Hochschulen gibt es Lehrstühle oder analoge institutionelle Verankerungen der Fachdidaktiken – aber es gab eben noch kaum spezifisch fachdidaktisch ausgerichtete Karrierestrukturen. Das kooperative Doktoratsprogramm ist deshalb eine zentrale Ergänzung, um die disziplinären Strukturen für die Fachdidaktiken in der Schweiz weiter zu etablieren.

Inwiefern ist das Projekt für die PH Zürich wichtig?
Für die PH Zürich ist dieses Vorhaben aus zwei Gründen von besonderer Bedeutung. Einerseits ist sie selbst auf weitere wissenschaftlich vertieft qualifizierte Fachdidaktiker:innen angewiesen. Andererseits ermöglicht das kooperative Doktoratsprogramm der PH Zürich, ihre Verantwortung für die Nachwuchsförderung unter deutlich besseren Rahmenbedingungen wahrzunehmen: Im Rahmen des Doktoratsprogramms kann die Philosophische Fakultät der Universität Zürich den Professorinnen und Professoren der PH Zürich das Promotionsrecht verleihen. Das bedeutet, dass sie bei Doktoraten, die in diesem Programm erarbeitet werden, nicht nur die Betreuung wahrnimmt, sondern dass sie auch der Promotionskommission angehört und die Dissertationen mitbegutachtet und ‑benotet. Das ist ein hochschulpolitischer Meilenstein. Das Projekt verstärkt damit auch die Zusammenarbeit zwischen Universität und Pädagogischen Hochschulen. Das gemeinsame Ziel aller beteiligten Hochschulen ist es, die Hochschullandschaft gemeinsam zugunsten der Fachdidaktiken und zugunsten der Nachwuchsförderung weiterzuentwickeln.

Wo steht das Projekt aktuell?
Das kooperative Doktoratsprogramm Fachdidaktik läuft nun in der zweiten Programmphase. Während in der ersten Phase von 2017 bis 2020 der Aufbau des Doktoratsprogramms und die Klärung der Zusammenarbeit der involvierten Institutionen im Vordergrund stand, geht es in der zweiten Programmphase um eine Konsolidierung der Angebote und um eine Intensivierung der inhaltlichen Zusammenarbeit. So plant die PH Zürich zurzeit zwei Module, die im Rahmen des Doktoratsprogramms angeboten werden: Mit den Modulen «Aktuelle Perspektiven der interdisziplinären Fachdidaktik» und «Unterrichtsqualität – zwischen Generik und Fachspezifik» bringt die PH Zürich eine verbindende Perspektive ein, die für die weitere Entwicklung der wissenschaftlichen Fachdidaktiken ganz zentral ist.

Weitere Informationen

Übersicht über alle aktuellen PgB-Projekte der PH Zürich

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Porträtfoto von Prof. Dr. Bruno Leutwyler

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