Entwicklung im Dialog
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Mitarbeitendengespräche (MAG) bieten Raum, die eigene Arbeit zu reflektieren, Entwicklungsmöglichkeiten zu diskutieren und nächste Schritte zu vereinbaren. Häufig stehen dabei individuelle Leistungen und Ziele im Zentrum. Weniger im Blick sind die unterschiedlichen Rollen, die Mitarbeitende im Hochschulalltag übernehmen, sowie die Perspektiven des Teams. Hier setzt das Projekt «Entwicklungsorientierte MAG» der PH Zürich und der PH Zug an. Es verbindet das Mitarbeitendengespräch mit einem Rollenframework und nimmt damit sowohl die individuelle als auch die gemeinsame Entwicklung in den Blick.
Rollenframework
Mitarbeitende an Hochschulen bewegen sich je nach Aufgabe und Kontext in unterschiedlichen professionellen Rollen. Je nach Funktion und Situation treten einzelne Rollen stärker in den Vordergrund als andere. Das Rollenframework macht die unterschiedlichen Rollen von Mitarbeitenden an Pädagogischen Hochschulen sichtbar und schafft einen inhaltlichen Bezugspunkt für entwicklungsorientierte Gespräche.

Das Framework umfasst folgende Rollen: Gestalter:in von Lernen, Forscher:in, Berater:in, Entwickler:in, Beurteiler:in, Manager:in und Leader:in sowie Netzwerker:in. Diese Rollen sind nicht als starre Kategorien oder als einheitliches Anforderungsprofil zu verstehen. Mitarbeitende gestalten sie je nach Funktion, Aufgaben und Kontext unterschiedlich. Auch die Expertise muss nicht in allen Rollen gleich stark ausgeprägt sein. Individuelle Schwerpunkte und unterschiedliche Erfahrungen sind Teil professioneller Profile und können zugleich eine wichtige Ressource für Teams sein.
Das Rollenframework bietet eine gemeinsame Sprache, um über Expertise, herausfordernde Situationen und professionelle Entwicklung ins Gespräch zu kommen. Es lädt dazu ein, die eigene Arbeit aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten: Welche Rollen prägen meine aktuelle Tätigkeit? Wo liegen meine Stärken? In welchen Rollen möchte ich mich weiterentwickeln?
Gestalter:in von Lernen
Gestalter:innen von Lehr-Lern-Prozessen schaffen kognitiv aktivierende und möglichst kohärente Lernumgebungen, die Lernende in ihrer professionellen Wissens-, Kompetenz- und Identitätsentwicklung unterstützen.
Forscher:in
Forschende nehmen eine wissenschaftlich-reflexive Haltung ein, indem sie Wissen nicht nur rezipieren, sondern auch in seiner Genese, Vermittlung und Anwendung kritisch reflektieren und für verschiedene Zielgruppen anschlussfähig aufbereiten.
Berater:in
Durch dialogische Klärung, Spiegelung und gezielte Irritation erweitern Berater:innen professionelle Deutungs- und Handlungsmöglichkeiten und gestalten Beratungsprozesse transparent und reflexiv.
Entwickler:in
Entwickler:innen gestalten innovative Lösungen in Forschung, Lehre und Praxis und verankern diese nachhaltig im Spannungsfeld von Wissenschaft, Organisation und unterschiedlichen Anspruchsgruppen.
Beurteiler:in
Beurteiler:innen übernehmen eine verantwortungsvolle Gatekeeping-Funktion an der Schnittstelle von Hochschule und Berufsfeld, indem sie über Zugänge zu Studium, Beruf und Weiterbildung kritisch mitentscheiden.
Manager:in und Leader:in
Manager:innen und Leader:innen gestalten und koordinieren Bildungs- und Zusammenarbeitsprozesse. Sie übernehmen von oben, unten oder der Seite Verantwortung für gemeinsame Ziele, Abläufe und Ressourcen und wirken aktiv in Gremien, Projekten und Netzwerken mit.
Netzwerker:in
Netzwerker:innen verbinden unterschiedliche Personen, Institutionen und Wissensbereiche miteinander, um Veränderungen im Bildungssystem anzustossen und die pädagogische Praxis weiterzuentwickeln.
Das Rollenframework bietet eine gemeinsame Sprache, um über herausfordernde Aufgaben, Expertise und Entwicklung ins Gespräch zu kommen. Franziska Zellweger, Projektleitung und Professorin PH Zürich
Entwicklung gemeinsam reflektieren
Entwicklung entsteht nicht allein durch das Setzen von Zielen. Sie braucht Zeit zum Innehalten, Zuhören und Reflektieren. Dabei gilt es, Raum für unterschiedliche Perspektiven und einen offenen Dialog zu schaffen, Entwicklungsmöglichkeiten auszuloten und sinnvolle nächste Schritte zu vereinbaren.
Im Projekt «Entwicklungsorientierte MAG» werden deshalb Gesprächsformate erprobt, in denen Mitarbeitende ihre berufliche Entwicklung gemeinsam reflektieren können. Dabei dient das Rollenframework als Orientierung und gemeinsame Sprache.
Im Zentrum stehen drei Fragen:
- Welche Expertise kann ich in meine aktuellen Aufgaben in der Lehrpersonenbildung einbringen und wo werde ich dabei herausgefordert?
- Welche nächsten Schritte möchte ich gehen?
- Welche Personen, Ressourcen im Team oder Möglichkeiten der Hochschule können mich dabei unterstützen?
Peerorientiertes Entwicklungsgespräch
Das peerorientierte Entwicklungsgespräch schafft einen vertraulichen Reflexionsraum auf Augenhöhe. Eine Person bringt ein eigenes Entwicklungsanliegen ein, eine zweite Person begleitet den Reflexionsprozess als Gesprächspartner:in. Gemeinsam betrachten sie konkrete Erfahrungen, Fragen oder Herausforderungen und nehmen dabei ausgewählte Rollen des Frameworks in den Blick.
Die Reflexionpartner:in hört zu, stellt vertiefende Fragen, bringt eigene Wahrnehmungen ein und hinterfragt gemeinsam mit der Fokusperson bestehende Annahmen. Dabei geht es nicht um Bewertungen, sondern darum, neue Perspektiven zu eröffnen und mögliche nächste Schritte zu identifizieren.
Forschungsprojekt
Im Forschungsprojekt «Entwicklungsorientierte MAG» untersucht die Forschungsgruppe Empirische Hochschuldidaktik der PH Zürich gemeinsam mit der PH Zug, wie Mitarbeitendengespräche entwicklungsorientiert und unter Einbezug der Teamperspektive gestaltet werden können.