Digitale Resilienz durch Storytelling, Quellenkritik und Wissenschaftskommunikation: Ein Tool zur Förderung von KI- und Deepfake-Kompetenz bei Jugendlichen
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Steckbrief
- Projektleitung
- Alexandra Krebs (KU Eichstätt-Ingolstadt)
- Projektteam
- Guido Keel (ZHAW), Sabrina Heike Kessler (UZH), Valery Wyss (ZHAW)
- Organisationseinheit
- F-BW-BDW (Bildung und Digitaler Wandel)
- Projektphase
- Abgeschlossen (1.9.2024 – 31.8.2025)
- Projekttyp
- Forschungs- und Entwicklungsprojekt
- Finanzierung
- Digitalisierungsinitiative
- Beteiligte Institutionen
- Universität Zürich; Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften
Beschreibung
Die derzeit rasante Verbreitung von künstlicher Intelligenz (KI) sowie der Zugang zu digitalen Werkzeugen haben eine Fülle von Möglichkeiten eröffnet, jedoch auch neue Herausforderungen mit sich gebracht, insbesondere für Jugendliche. Ihre digitale Resilienz zu stärken, ist daher gerade im Angesicht der Entwicklung von generativer Künstlicher Intelligenz, Cyberkreativität und Deepfakes von entscheidender Bedeutung.
Dabei ist die Generierung von Desinformation unter Einsatz von Technologien kein grundsätzlich neues Phänomen. Jedoch sind mit den Fortschritten der Funktionsweise von KI und Deepfakes sowie der Verfügbarkeit grosser Datensätze KI-generierte Inhalte realistischer geworden und von realen Inhalten teils nur schwer zu unterscheiden. Solche Deepfakes sind rechnerisch erzeugte Gebilde, welche die Realität falsch darstellen, indem sie Bild-. Video- und Audiomodalitäten annehmen. Sie sind zu gefährlichen Instrumenten für die Verbreitung von Fehlinformationen geworden und gehören zu den drängendsten digitalen Herausforderungen, denen wir uns gegenwärtig stellen müssen.
Das Projekt zielt daher darauf ab, Jugendliche dabei zu unterstützen, sich im Spannungsfeld zwischen Deepfake und Cyber-Kreativität zurechtzufinden. Durch die Integration von Wissenschaftskommunikation, Quellenkritik und Storytelling möchte das Forschungsteam ihre digitale Resilienz und ihre Fähigkeiten stärken, sicher und souverän im digitalen Raum zu agieren. Die Forschenden arbeiten dabei als interdisziplinäres Team unter anderem aus den Bereichen der Kommunikationswissenschaften, Medienforschung und ‑bildung, Geschichtstheorie und ‑didaktik sowie Linguistik zusammen.
Die zentrale Fragestellung lautet: Wie kann die Fähigkeit Jugendlicher verbessert werden, KI-generierte Inhalte zu erkennen und kritisch zu hinterfragen? Die Teilnehmer:innen sollen lernen, zwischen realen und von KI erzeugten Inhalten zu unterscheiden und ein tieferes Verständnis für die Mechanismen und Risiken von KI-Anwendungen zu entwickeln.
Das Forschungsteam nutzt aktuelle Forschungsergebnisse darüber, wie Menschen Deepfakes erkennen, was KI-Kompetenz ausmacht, wie diese wissenschaftlichen Erkenntnisse in Geschichten verpackt anschaulich vermittelt werden können und wie sich Jugendliche in digitalen Lernumgebungen diese Kompetenzen aneignen können, als Grundlage für die Entwicklung von Bildungsmaterial. Ebenso bindet es Konzepte der digitalen Quellenkritik ein, die teilweise aus der Geschichtstheorie und ‑didaktik abgeleitet sind und klassische Methoden von Historiker:innen für den digitalen Raum adaptieren. Die Forschenden nutzen hierfür zudem Prinzipien des lateralen Lesens und kritischen Ignorierens, bei dem Strategien professioneller Fakten-Checker:innen in Lernprozesse integriert werden.
Dies wird in einer ersten Projektphase durch die Entwicklung und den Einsatz eines interaktiven Online-Tools realisiert, das auf evidenzbasierten Lernstrategien und praxisnahen Übungen basiert. Evaluationen und Feedback von Jugendlichen während der Pilotphase ermöglichen es zudem, die Effektivität des Tools im Unterrichtskontext zu beurteilen und anzupassen. Analysiert werden dabei die Aushandlungs- und Lernprozesse der Jugendlichen sowie ihr Nutzer:innenverhalten. Ziel ist es, hieraus in einem Mixed-Method-Design Aussagen über die möglichen Lernprozesse als auch die Nutzungserfahrung, Usability bzw. Fallstricke des Tools treffen zu können. Diese sind notwendig, um das Tool in der abschliessenden Projektphase weiter anzupassen sowie geeignete Settings für dessen Einsatz im Unterricht als auch Hilfestellungen und Handreichungen für Lehrpersonen zu entwickeln.
Projektergebnisse
Das Projekt ging der Frage nach, wie KI-Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen gefördert werden können, um damit deren digitale Resilienz zu stärken. Das Team hat als Forschende und Studierende der Universität Zürich, der PH Zürich und der ZHAW zusammengearbeitet und gemeinsam ein digitales Lerntool mithilfe von Twine entwickelt. Twine ermöglicht das Erzählen nichtlinearer Geschichten und genau das wurde gemacht: Im Tool navigieren die Lernenden durch eine spannende, interaktive Rahmenhandlung und entdecken auf verschiedenen Lernpfaden unterschiedliche Perspektiven. Dabei arbeiten sie in kleinen Teams zusammen und reflektieren ihre Ergebnisse im Klassenverband.
Das Tool ist modular aufgebaut und deckt verschiedene Schwerpunkte ab, wie beispielsweise Grundlagen von KI, Deepfakes, Prompting-Fähigkeiten, Quellenkritik und grundsätzlich Strategien zur Dekonstruktion medialer Inhalte. Auch ethische Fragestellungen und der schulische Einsatz von Sprachmodellen wie Large Language Models werden thematisiert. Am Ende gestalten die Teams ein eigenes Produkt, zum Beispiel eine Präsentation oder ein Video, in dem sie ihre Position zu einer Problemstellung argumentativ vertreten. Diese stellen sie dann in der Klasse vor, diskutieren sie gemeinsam und evaluieren ihren Lernprozess.
Das Tool ist flexibel konzipiert und kann sowohl in zwei Unterrichtsstunden als auch in grössere Unterrichtsreihen oder Projektarbeiten integriert werden. Es richtet sich an Jugendliche im Alter zwischen etwa 12 und 16 Jahren. Lehrpersonen erhalten auf ki-schule.eu Begleitmaterialien, die ihnen zudem Anknüpfungspunkte an den Lehrplan und weiterführende Lernressourcen bieten. Differenzierte Hilfestellungen ermöglichen es ausserdem, den individuellen Lernbedürfnissen der Schüler:innen gerecht zu werden.
Die Forschenden haben ebenso in einer empirischen Studie mit Jugendlichen deren Nutzung des Tools untersucht. Die Ergebnisse können unter anderem zeigen, dass die Konzeption des Tools einen offenen Lernprozess ermöglicht, die Lernenden eigene Positionen über KI entwickeln und diese gemeinsam verhandeln. Hieraus lassen sich weitere Erkenntnisse für die Gestaltung zukünftiger digitaler Lernsettings ziehen.