Digital Interfacing: The Minimalist Manifesto
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Inhalt dieser Seite
Steckbrief
- Projektleitung
- Tobias Röhl (PHZH), Philippe Sormani (ZHdK)
- Projektteam
- Eliane Burri (PHZH)
- Organisationseinheit
- F-BW-BDW (Bildung und Digitaler Wandel)
- Projektphase
- Laufend (1.9.2024 – 31.10.2026)
- Projekttyp
- Forschungs- und Entwicklungsprojekt
- Finanzierung
- Digitalisierungsinitiative
- Beteiligte Institutionen
- Zürcher Hochschule der Künste
Beschreibung
Der digitale Wandel stellt alle Schulen vor Herausforderungen. Um sich diesen Herausforderungen zu stellen, setzt man oftmals auf die Anschaffung neuer Geräte und den Ausbau der digitalen Infrastruktur. Das Projekt geht hier einen anderen Weg. Statt danach zu fragen, welche neuen Tools, Apps, Geräte und Medien es an Schulen braucht, setzt das Projekt auf eine minimalistische Haltung, die mit den vorhandenen Mitteln nach Lösungen sucht und digitale Medien sparsam einsetzt. Der digitale Wandel erscheint hier nicht als rein technische Fortschrittsgeschichte, sondern als ein kulturell geprägtes wie prägendes Phänomen. Um Schulen im digitalen Wandel zu unterstützen soll dementsprechend ein grafisch und digital aufbereiteter Leitfaden entwickelt werden, der Schulen eine Richtschnur an die Hand gibt, wie sie sich mit den vorhandenen Infrastrukturen und Medien behaupten können.
Das Projekt wählt für den Leitfaden bewusst den plakativen Begriff des Manifests: Manifeste machen Dinge sicht- bzw. greifbar (lat. manifestus) und zugleich sind sie als Sprechakte zu verstehen, die etwas in der Welt bewirken sollen. Als Manifest soll der Leitfaden einerseits schriftlich verfasst und grafisch aufbereitet werden, andererseits aber auch durch künstlerische Interventionen inspiriert und zur Geltung gebracht werden. So sind im Rahmen einer Eröffnungs- und Abschlussveranstaltung, die gleichsam den Projektrahmen abstecken, öffentlichkeitswirksame Performances und Installationen anberaumt. Eine Homepage dokumentiert das Manifest und seine Entwicklung sowie die künstlerischen Performances für eine breitere Öffentlichkeit. Die Entwicklung des Manifests erfolgt in enger Zusammenarbeit mit den beforschten Schulen und involvierten Hochschulen, die im Sinne eines Participative-Design-Ansatzes einbezogen werden sollen. Mit dem Manifest erhalten Schulen ein Werkzeug an die Hand, das ihnen aufzeigt, wie sie mit lokalen und bereits vorhandenen Mitteln den digitalen Wandel mitgestalten können, statt nur auf ihn zu reagieren. Das Manifest dient darüber hinaus als Anstoss zur Diskussion über die Gestaltung des digitalen Wandels im Schulfeld. Diese Diskussion soll über Sprach- und Landesgrenzen hinaus in der Bildungs- und Forschungslandschaft geführt werden. Zu diesem Zweck soll das Manifest in verschiedenen Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch) zugänglich gemacht werden.
Zentraler empirischer Zugangspunkt für das Projekt ist die Arbeit an Schnittstellen, die Schulen im Rahmen des digitalen Wandels leisten. Hier sollen in explorativen Fallstudien die Arbeit von Schulen vor Ort und mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln sichtbar gemacht werden, um so ein besseres Verständnis des digitalen Wandels in situ und der beteiligten Akteure zu erlangen. Die Sichtbarmachung des technischen wie sozialen Interfacing zeigt auf, was mit lokalen Mitteln schon alles geleistet wird, um im digitalen Wandel zu bestehen. Das Projekt geht davon aus, dass Schulen sich im digitalen Wandel mit einer immer grösseren und heterogeneren Gruppe von Akteuren innerhalb und ausserhalb des Bildungsfeldes vernetzen müssen. Hierzu müssen sich bildungsbezogene Akteure – schulische wie ausserschulische – aufeinander einstellen und füreinander anschlussfähig machen. Es lassen sich verschiedene Schnittstellen ausfindig machen, wo dies geschieht. Den Begriff des Interfaces bzw. der Schnittstellen verstehen wir dabei nicht bloss technisch, sondern sozial. Technischer Wandel bedingt immer auch soziale Arbeit, mit und durch die Technik, wobei unterschiedliche Akteure an Aushandlungen beteiligt sind.
In diesem Sinne untersucht das Projekt Schnittstellenarbeit anhand anschaulicher Beispiele aus dem Schulbereich im Kanton Zürich. Dies soll mithilfe zweier Forschungsansätze geschehen:
- Mit Hilfe einer qualitativen Netzwerkanalyse untersucht das Projekt die Arbeit an der Schnittstelle in der Schule als Organisation. Es geht darum, wie die Akteure in ihrem Umfeld eingebettet und durch soziale Interaktion miteinander verbunden sind. Hierzu führen wir an vier Schulen zunächst Experteninterviews mit je 5 bis 8 Personen (Lehrpersonen, Pädagogischer ICT Support (PICTS), Schulleitungen usw.) durch. Anschliessend an die qualitative Exploration erfolgt eine formale Analyse, um die Netzwerkstruktur zu analysieren.
- Mit Hilfe fokussierter Ethnographie untersucht das Projekt, wie die Schnittstellenarbeit anhand praxisrelevanter Settings im Alltag Form annimmt. Die Selektion dieser Settings geschieht mithilfe der Experteninterviews, soll dann aber hinsichtlich der praktischen Methoden der Schnittstellenarbeit in situ an den vier beteiligten Schulen untersucht werden.
In den Blick geraten so einerseits die Vermittlungen zwischen Akteuren innerhalb der Bildungsinstitutionen (Schulleitungen, PICTS, Lehrpersonen usw.), sowie die Vernetzung mit ausserschulischen Akteuren (IT-Unternehmen, Schulbehörden, Schulpflege, Eltern, Anbietern von Weiterbildungen usw.). Welche Anpassungen müssen Schulen vornehmen, wenn sie auf digitale Medien setzen? Wie lassen sich Unternehmen und andere ausserschulische Akteure ihrerseits auf Bildungsinstitutionen ein und adaptieren ihr Handeln? Andererseits wird der ethnographische Fokus auch darauf gelegt, wie, wann und mit welchen lokalen Mitteln diese Schnittstellenarbeit im Alltag geleistet wird. Welche konkreten Mittel, praktischen Methoden und situativen Anpassungen werden dabei geleistet? Die Ergebnisse dieser einjährigen explorativen Forschungsphase dienen als Grundlage der Ausformulierung des Manifests. Bei der Ausformulierung sollen unterschiedliche Akteure aus der Bildungspraxis im Sinne eines «participatory designs» einbezogen werden.