Hochschultag 2026 : Bildungsverantwortung ge­mein­sam tragen

Gesellschaftlicher Zusammenhalt, technologischer Wandel und Chancengerechtigkeit: Am Hochschultag 2026 der PH Zürich stand die Frage im Zentrum, wie Schulen, Hochschulen und weitere Akteure diesen Herausforderungen begegnen und gemeinsam Verantwortung übernehmen.

Donnerstag, 5. November 2026

«Cover me in sunshine. Shower me with good times.» Mit diesen hoffnungsvollen Worten der amerikanischen Sängerin Pink verabschiedete sich der Hochschulchor der PH Zürich von der scheidenden Bildungsdirektorin Silvia Steiner. Elf Jahre lang hatte die Regierungsrätin an den Hochschultagen der PH Zürich ihre persönlichen Grussworte übermittelt und dabei stets die Rolle der PH Zürich im Bildungssystem reflektiert und gewürdigt.

Andrea Schweizer, Rektorin der PH Zürich, spricht von einem Rednerpult mit PHZH-Logo auf einer Bühne vor einer grossen Leinwand, auf der sie ebenfalls zu sehen ist. Vor dem Pult liegt quer über die gesamte Bühnenkante eine Reihe von Rucksäcken, auf deren Vorderseiten aufgemalte Buchstaben das Wort «Verantwortung» ergeben. Rechts auf der Bühne sitzt ein Publikum.
Rektorin Andrea Schweizer spricht zum Thema Führung und Bildung und zur Vision und Strategie der PH Zürich im gesellschaftlichen Wandel.

An ihrem letzten Hochschultag als amtierende Bildungsdirektorin rückte Steiner die verbindende Funktion der Volksschule ins Zentrum: «Die Volksschule ist einer der letzten Orte, an dem alle in unserer Gesellschaft zusammenkommen. In einer Welt, in der die gesellschaftliche Spaltung zunehmend auch zur Sicherheitsfrage wird, ist dieser Zusammenhalt längst mehr als nur ein bildungspolitisches Anliegen. Er ist sicherheitspolitisch relevant.» Sie zeigte sich überzeugt, dass die PH Zürich mit ihrer praxisnahen Ausbildung und der Verbindung von Forschung und Praxis gute Voraussetzungen schaffe, um Lehrpersonen auf diese gesellschaftliche Aufgabe vorzubereiten.

Wie komplex die Verteilung von Verantwortung im Bildungssystem inzwischen geworden ist, zeigte Michael Geiss, Professor für Bildungsgeschichte an der PH Zürich. Er analysierte das Verantwortungsgefüge im Volksschulwesen des Kantons Zürich und verwies dabei auch auf einen vergleichsweise neuen Akteur: globale Technologiekonzerne. Wo diese Infrastrukturen für das schulische Lehren und Lernen bereitstellen, bestimmen sie massgeblich mit, was in Schulen geschieht. Wie Schulen ihre Verantwortung übernehmen und den digitalen Wandel aktiv mitgestalten können, veranschaulichte Nicole Wespi, Dozentin für Medienbildung und Informatik an der PH Zürich. Sie stellte das Spiel ImaginEd vor, das Schulteams spielerisch Impulse für deren Weiterentwicklung gibt.

Verantwortung in starken Netz­wer­ken

Mit der gesellschaftlichen Verantwortung von Schulen und Hochschulen befasste sich die Rede von Andrea Schweizer, Rektorin der PH Zürich. «Letztlich werden wir Hochschulen daran gemessen, welchen Beitrag wir zur Lösung der gesellschaftlichen Herausforderungen aktuell und in den kommenden Jahren leisten werden.» In Zeiten des Wandels hätten Hochschulen neben der Reflexion neuer Entwicklungen und der nötigen Agilität auch für Sicherheit und Stabilität zu sorgen, so Schweizer.

In der kommenden Strategieperiode sieht die PH Zürich ihre Verantwortung insbesondere in den Bereichen Demokratie, Nachhaltigkeit und Chancengerechtigkeit. Letztere betrifft neben der Volksschule auch die Berufsbildung. Um in diesen Bereichen Wirkung zu erzielen, braucht es starke Netzwerke und innovative Praxis-Wissenschaft-Kollaborationen im Schweizer Schulfeld – wie die sogenannten Networked Improvement Communities. Die PH Zürich hat dazu im Jahr 2026 gemeinsam mit der Jacobs Foundation ein Forschungsprojekt durchgeführt.

Praxisnahe Studiengänge

Wie Kooperationen zwischen Hochschulen und Schulen konkret aussehen können, zeigt die berufspraktische Ausbildung der PH Zürich. Die Hochschule arbeitet dabei eng mit Kooperationsschulen zusammen. Diese Partnerschaften ermöglichen es, Studiengänge agiler und praxisnäher zu gestalten und neue Ausbildungsformen zu erproben.

Am Hochschultag wurde dazu der Prototyp des Quest-Studiengangs der Sekundarstufe I vorgestellt. Dozierende, Studierende und Praxislehrpersonen bilden dabei sogenannte Learning Communities, in denen sie sich eng austauschen, gemeinsam lernen und gemeinsam Verantwortung übernehmen.

Eine Gruppe von Personen in schwarzer Kleidung steht auf einer Bühne vor einer Holzverkleidung. Im Vordergrund spricht eine Frau in ein Mikrofon und hält dabei beide Arme mit geöffneten Händen nach oben. Hinter ihr stehen vier weitere Personen.
Studierende des Moduls Theaterspielen performen zum Begriff Verantwortung.

Auch die Studierenden des Theatermoduls setzten sich auf poetische Weise mit dem Leitthema des Hochschultags auseinander. Sie luden das Publikum ein, 13 gefüllte «Verantwortungsrucksäcke» in den Hörsaal und auf die Bühne zu transportieren. In verschiedenen Interventionen blitzten die Buchstaben des Wortes VERANTWORTUNG auf, formierten sich zu anderen Wörtern, verschwanden und tanzten auf und neben der Bühne. Während der Referate bildeten die Rucksäcke mit dem Wort VERANTWORTUNG einen sichtbaren Rahmen – und zugleich die Botschaft, Verantwortung gemeinsam zu übernehmen.

Hochschultag 2026