Neues aus der Forschung : VR-Innovationen in der berufspraktischen Aus­bildung

Virtual Reality (VR) hat in den letzten Jahren grosse Fortschritte gemacht und wird in Bereichen wie Gaming, im Gesundheitswesen oder der Bauindustrie eingesetzt. Mit einem 360-Grad-Blick erleben Nutzer:innen Inhalte immersiv. Könnte VR auch in der Ausbildung für Lehrpersonen nützlich sein?

Montag, 18. März 2024

Ein Forschungsprojekt der PH Zürich widmet sich der Frage, ob Virtual Reality (VR) die Ausbildung von Lehrpersonen unterstützen kann. Das Projekt «Immersives Lernen durch 360-Grad-Videos in der berufspraktischen Ausbildung von Lehrpersonen» erarbeitet Grundlagen für eine didaktisch sinnvolle und technologisch umsetzbare Anwendung von 360-Grad-Videos in der berufs­prak­tischen Ausbildung.

Martin Berger, Dozent in der Abteilung Sekundarstufe II/​Berufs­bildung, leitet das Projekt. Er untersucht seit einiger Zeit, wie sich fachdidaktische Bedürfnisse mit den Möglichkeiten von Technologien wie Extended Reality oder generativer künstlicher Intelligenz sinnvoll verschränken lassen.

Martin Berger, im Projekt werden Anwendungsprototypen von immersiven 360-Grad-Videos geprüft. Können Sie ein Beispiel für einen solchen Anwendungs-Prototypen im Lehralltag geben?
Anders als einige andere Hochschulen, die die Technologie ausschliesslich für Good-Practice-Unterrichtsvignetten verwenden, wenden wir immersive 360-Grad-Videos im Projekt für die Reflexion des eigenen Unterrichts an und untersuchen diesbezügliches Potenzial. Das bedeutet, dass die Studierenden die immersiven 360-Grad-Videos selbstständig erstellen und dann zusammen mit ihren Praxislehrpersonen reflektieren. Damit dies didaktisch sinnvoll und technologisch machbar geschehen kann, bedarf es einer Anleitung – die Prototypen bestehen dementsprechend aus Aufträgen, Hardwarekoffern und Tutorials.

Welche neuen Möglichkeiten bietet VR, welche die Lehrpraxis bislang nicht gewähren kann?
Es zeigt sich, dass durch immersive 360-Grad-Videos die Qualität und Quantität der Einblicke in den Unterricht wesentlich vergrössert werden. Dabei können insbesondere die Schüler:innen, deren Interaktionen und kognitive Aktiviertheit besser wahrgenommen werden – bei unseren Prototypen werden die didaktischen Fokusse dementsprechend definiert.

Ein Ziel des Projekts ist Innovation in der Bildungspraxis. Sehen Sie eine grosse Chance dafür, dass immersives Lernen, wie es in Ihrem Projekt getestet wird, Einzug hält in den Lehr- und Lernalltag der berufspraktischen Ausbildung?
Wir arbeiten mit dem Design-Based-Research-Ansatz, der nebst der Bearbeitung von Forschungsfragen auch eine nachhaltige Wirkung auf die Praxis zum Ziel hat. Die in mehreren Zyklen erstellten und evaluierten Prototypen sollen dementsprechend auch in die berufspraktische Ausbildung der PH Zürich implementiert werden (können).

Das Vorhaben befindet sich in der Hälfte der Projektlaufzeit. Gibt es bereits ein Zwischenfazit vonseiten der Forschenden, teilnehmenden Studierenden und Praxislehrpersonen?
Das Projekt wird zusammen mit der Primarstufe und der Sekundarstufe II durchgeführt. Bei der Primarstufe werden aktuell die Erfahrungen aus dem ersten Design-Zyklus ausgewertet. Dies ist bei der Sekundarstufe II bereits geschehen. Dort wurde die Arbeit mit der Technologie sowohl vonseiten der Studierenden als auch vonseiten der Praxislehrpersonen als sehr positiv beurteilt und der überarbeitete Prototyp wird nun im zweiten Zyklus erneut angewandt, evaluiert und optimiert. Eine Implementierung in der berufspraktischen Ausbildung der Sekundarstufe II nach Projektende ist bereits in die Wege geleitet.

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